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Nachrichten aus Kanada

Kanada zieht sich von den USA zurück - vom Straßenschild bis zur Lieferkette
Der Streit mit Donald Trump verändert in Kanada zunehmend den Alltag: Produkte aus den USA werden boykottiert, Reisen gestrichen und Lieferketten neu aufgebaut. In Ottawa soll sogar die Trump Avenue umbenannt werden, weil Anwohner den Namen nicht länger tragen wollen.
Mehr als 70 Prozent der Kanadier unterstützen Mark Carneys harten Kurs gegenüber Washington, obwohl Arbeitsplätze und Handel leiden könnten. Was als Zollstreit begann, entwickelt sich damit zu einer tieferen Entfremdung zwischen zwei jahrzehntelangen Verbündeten.

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Trump erfindet ein kanadisches Bankverbot, dabei arbeiten 15 US-Banken längst im Norden
Ein Handelskrieg lässt sich auf eine Zahl gründen, die man selbst erfindet. Nach den Plänen für neue Gespräche mit Kanada gefragt, erklärte Donald Trump im Oval Office, US-Banken dürften mit dem Nachbarn im Norden keine Geschäfte machen. Die Behauptung ist falsch. Er lobte „große, schöne Banken“ und zählte die Bank of Canada zu den großen Häusern des Landes, dabei ist sie dessen Notenbank, das Gegenstück zur Federal Reserve, kein Wettbewerber. Die Zentralbank des Nachbarn für einen Rivalen zu halten, ist ein schlechter Ausgangspunkt für ein Urteil über dessen Bankwesen. Aus einer Fehlannahme wird so eine Staatsräson. Er sagte, sie hätten „6 oder 7″ große Banken in den USA, die eigenen aber dürften nicht hinüber. Ein falscher Satz aus dem höchsten Amt reist schneller als jede Richtigstellung, und er trägt Zölle im Gepäck. Ein Vorwand braucht keinen Beleg, er braucht nur ein Mikrofon.

Die Zahlen sagen das Gegenteil. Nach Angaben der Canadian Bankers Association arbeiten derzeit 15 Banken aus den USA in Kanada, als Zweigstellen oder Töchter. Gewisse Auflagen erschweren ihnen den Wettbewerb im Norden, verboten ist ihnen der Markt nicht. Umgekehrt sind laut den jüngsten Daten der Federal Reserve 8 kanadische Banken in den USA tätig. Die Auflagen bremsen, sie sperren nicht. Auch ein schwieriger Wettbewerb bedeutet nicht, dass die Tür verschlossen wäre. 15 gegen 8, das ist das reale Verhältnis über die Grenze. Verbieten und erschweren sind zweierlei, und nur das Zweite trifft zu. Das Wort vom Verbot zerschellt an einem Register voller Namen.

 
Kanada schlägt zurück: Carney setzt neue Zölle gegen die USA durch und ignoriert Trumps Drohungen
Kanada zieht im Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten die nächste Grenze und setzt ab Dienstag neue Gegenzölle von 15, 25 und bis zu 50 Prozent auf amerikanische Waren in Kraft. Premierminister Mark Carney hält damit an seiner Linie fest, obwohl Donald Trump offen mit einer weiteren Runde amerikanischer Zölle droht. Rund 700 Produkte sind betroffen, darunter Aluminiumfolie, Lokomotiven, Stahlbrücken, Kleidung und Holzprodukte. Bestehende kanadische Zölle auf amerikanischen Stahl und Aluminium werden verdoppelt. Insgesamt richtet sich das Paket gegen Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar. Carney hatte die Gespräche mit Washington bereits im vergangenen Monat abgebrochen, nachdem es nicht gelungen war, die neuen amerikanischen Zölle auf kanadische Exporte zu verhindern. Kanada reagiert jetzt nicht mehr mit der Hoffnung auf einen schnellen Deal, sondern mit Gegenmaßnahmen und dem Versuch, die eigene Wirtschaft unabhängiger von den Vereinigten Staaten zu machen.

Trump verschärfte den Druck zuletzt weiter. Er drohte damit, den Handel mit Kanada vollständig zu beenden, und kündigte an, Bombardier vom amerikanischen Markt auszuschließen, falls der kanadische Flugzeugbauer nicht in den USA produziert. Gleichzeitig wirft er Kanada vor, amerikanische Banken und Unternehmen auszusperren. Carney wiederum erklärte öffentlich, Kanada sei von den Vereinigten Staaten angegriffen worden und beide Länder befänden sich nun „im Krieg“. US-Finanzminister Scott Bessent wies diese Wortwahl zurück und erklärte, Kanada sei wirtschaftlich viel zu klein, um sich auf einen offenen Schlagabtausch mit den USA einzulassen. Doch genau dieser Schlagabtausch läuft längst. Washington hatte bereits Zölle von bis zu 50 Prozent auf kanadischen Stahl, Aluminium und andere Waren verhängt. Weitere Zölle auf Autos und Autoteile stehen im Raum, falls Trump die bisherigen Ausnahmen des nordamerikanischen Handelsabkommens streicht.

Für Kanada wäre besonders ein Angriff auf die Autoindustrie gefährlich. Autoteile überqueren die Grenze oft mehrfach, bevor ein Fahrzeug fertig ist. Kanadische Hersteller warnen deshalb, dass neue amerikanische Zölle nicht nur Kanada treffen würden, sondern die gesamte nordamerikanische Produktion innerhalb kürzester Zeit beschädigen könnten. Flavio Volpe vom kanadischen Verband der Autoteilehersteller sagt offen, dass Washington bereit sei, den eigenen Industrien zu schaden, um politische Ziele durchzusetzen. Gleichzeitig glaubt er, dass die USA bei den Autoteilen am Ende zurückweichen könnten, weil sonst selbst amerikanische Werke stillstehen würden. Kanada hat seine eigene Zollliste inzwischen teilweise verändert und mehrere Fischprodukte gestrichen, weil die kanadische Fischindustrie vor Schäden für die eigenen Betriebe gewarnt hatte. Andere Produkte wurden offenbar bewusst aus Regionen ausgewählt, in denen Trump besonders viele Wähler hat.

Trotz der Härte des Streits bleibt ein großer Teil des Handels zwischen beiden Ländern weiterhin zollfrei. Öl, Gas und viele Mineralien aus Kanada sind von Trumps Maßnahmen bisher nicht betroffen, außerdem gelten für zahlreiche Waren weiter Ausnahmen aus dem nordamerikanischen Handelsabkommen. Doch Carney macht inzwischen deutlich, dass Kanada nicht mehr darauf wartet, was Trump als Nächstes ankündigt. Er will neue Handelspartner finden, die eigene Wirtschaft stärken und Washington nur dann wieder an den Verhandlungstisch lassen, wenn es aus kanadischer Sicht überhaupt noch Sinn ergibt. In Kanada bekommt er dafür derzeit breite Unterstützung. Viele Kanadier tragen den Kurs mit, obwohl gleichzeitig die Sorge wächst, dass Trump den Konflikt noch weiter eskalieren lässt. Was früher als eine der engsten Wirtschaftsbeziehungen der Welt galt, wird damit immer mehr zu einem offenen Handelskrieg zwischen zwei Nachbarn, die sich gegenseitig mit immer höheren Zöllen unter Druck setzen.
 
Kanada setzt seine Zölle genau dort an, wo Republikaner um ihre Sitze zittern
Donald Trump wollte Kanada mit Zöllen unter Druck setzen. Kanada schickt die Rechnung nun dorthin zurück, wo sie den Republikanern wenige Wochen vor den Zwischenwahlen besonders wehtun kann. Ohio gehört dazu. Kanada ist der größte Exportmarkt des Bundesstaates und kaufte zuletzt amerikanische Waren im Wert von 17,5 Milliarden Dollar, vor allem Autos und Maschinen. Genau solche Produkte treffen die kanadischen Maßnahmen. Gleichzeitig steckt der Republikaner Jon Husted in einem engen Rennen gegen den früheren demokratischen Senator Sherrod Brown. Husted verteidigte Trumps Zölle zunächst. Jetzt klingt er vorsichtiger. Es komme darauf an, wie das Ganze ende und ob beide Länder einen guten Deal bekämen.

In Maine wird es noch unmittelbarer. Kanada hat Holz und landwirtschaftliche Produkte mit 50 Prozent Zoll belegt, beides wichtig für den Grenzstaat. Dort muss die republikanische Senatorin Susan Collins gegen den Demokraten Troy Jackson antreten. Collins kritisiert den Handelskrieg inzwischen selbst, Jackson erinnert sie allerdings daran, dass ihre Partei ihn erst möglich gemacht hat. Seine Rechnung ist einfach: Die Gegenzölle treiben die Kosten für die Menschen in Maine hoch, und Trump sitzt nicht irgendwo außerhalb dieser Geschichte. Er hat sie begonnen.

Kansas ist für die Republikaner fast noch unangenehmer. Trump drohte am Labor Day damit, dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier den amerikanischen Markt abzudrehen. Nur sitzt dessen US-Zentrale ausgerechnet in Kansas. Mehr als 1.000 Arbeitsplätze hängen dort direkt an dem Unternehmen, andere Angaben sprechen von rund 1.500 Familien. Senator Roger Marshall verspricht plötzlich, diese Jobs zu verteidigen, und sagt, er habe die Sache bereits ins Oval Office getragen. Den Namen des Mannes, der das Problem verursacht hat, lässt er dabei lieber weg. Genau so sieht der Handelskrieg inzwischen aus: Trump schlägt gegen Kanada, Kanada schlägt zurück, und republikanische Kandidaten erklären ihren eigenen Wählern, warum amerikanische Jobs und amerikanische Exporte plötzlich zwischen den Fronten liegen. Bei 38 Prozent Zustimmung für Trump ist das keine besonders angenehme Geschichte, die man im Wahlkampf erzählen muss.
 
Kanada räumt die USA aus dem Einkaufswagen – Trumps Handelskrieg baut neue Lieferwege
Kanadas Supermärkte verändern sich im Kühlregal. Was Donald Trump als Handelskrieg begonnen hat, landet zwischen Erdbeeren und Orangen, dort, wo politische Entscheidungen plötzlich ein Herkunftsetikett tragen. Immer mehr Kanadier greifen zu heimischer Ware und meiden Produkte aus den USA. Händler verbessern die Herkunftskennzeichnung und suchen andere Lieferanten. Die Bewegung „Kauft kanadisch“ begann im vergangenen Jahr, nachdem Trump Zölle auf kanadische Waren verhängt hatte. Zuletzt wurde sie schärfer. Die Handelsgespräche brachen am 21. August zusammen, neue Zölle und Gegenzölle folgten. Zusätzlich hatte Trump per Dekret eine Umbenennung zu „Lake America“ veranlasst. Der Streit zwischen Regierungen steht inzwischen vor dem Kühlregal.

Giancarlo Trimarchi, Präsident des unabhängigen Händlers Vince’s Market in Ontario, bekam wütende Zuschriften und Kommentare, weil seine Läden amerikanisches Obst und Gemüse führten. Er zeigte Kunden öffentlich, dass der größte Teil der Ware aus Kanada komme. Seine vier Geschäfte im Großraum Toronto führen inzwischen rund 90 Prozent kanadische Frischware. Erdbeeren bezieht Trimarchi nun aus Quebec statt aus den USA. Die Umstellung koste Geld, deshalb habe er sogar das Werbebudget gekürzt. Früher habe man Qualität und Preis gegeneinander abgewogen. Heute komme die Herkunft dazu. „Diesmal ist es deutlich aggressiver als im vergangenen Jahr“, erklärte er.

 
Bericht: Kanada sondiert „assoziierte EU-Mitgliedschaft“
Kanada strebt angesichts der verschlechterten Beziehungen zu den USA einem Zeitungsbericht zufolge eine engere Anbindung an die Europäische Union an. Ministerpräsident Mark Carney prüfe dazu die Möglichkeit einer „assoziierten Mitgliedschaft“, berichtete das „Wall Street Journal“ heute unter Berufung auf Vertreter der EU und Kanadas.

Laut Bericht soll die EU, die sich in der Vergangenheit bei ihren Beitrittsregeln wenig flexibel gezeigt habe, nun für die Schaffung eines solchen neuen Status offen sein.

Assoziierungsabkommen für eine engere politische und wirtschaftliche Kooperation ohne Mitgliedschaft hat die EU bereits mit einigen Ländern wie der Ukraine, Georgien und Israel.

 
WOW. Stephen Harper, Kanadas ehemaliger konservativer Premierminister und ein ausgesprochen proamerikanischer Politiker, fordert nun, dass Kanada seine Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten verringert.
Es wird Jahrzehnte dauern, den Schaden zu reparieren, den Trump den amerikanischen Bündnissen zufügt

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Kanada stoppt Gespräche mit Washington und baut mit der EU an einem neuen Bündnis
Kanada zieht Konsequenzen aus dem Streit mit den Vereinigten Staaten. Premierminister Mark Carney erklärte vor der Fraktion seiner Liberalen in Ottawa, die Entscheidung zum Abbruch der Gespräche mit Washington vor 1 Monat sei richtig gewesen. Die amerikanische Seite habe zu wenig angeboten und zugleich zu viel verlangt. „Sie boten zu wenig an – das konnten wir nicht akzeptieren. Sie verlangten zu viel – das wollten wir nicht hergeben.“ Nachgeben werde Kanada deshalb nicht. Zurück an den Verhandlungstisch gehe Ottawa erst, wenn Washington dazu bereit sei und ein Abkommen die kanadische Souveränität respektiere. Auch die offiziellen Sprachen und die Kultur des Landes müssten geschützt werden. Arbeitsplätze auf beiden Seiten der Grenze gehörten ebenfalls dazu.

Gleichzeitig baut Kanada seine Beziehungen zur Europäischen Union aus. In Straßburg sei der Prozess für ein neues Bündnis begonnen worden, das Carney als Zusammenarbeit „für die Zukunft“ bezeichnete. Freiheit und Solidarität sollen dessen politische Grundlage bilden. Wohlstand und Widerstandskraft kommen hinzu. Für Carney steht dabei die staatliche Unabhängigkeit seines Landes im Vordergrund: Die Bürger sollten „frei auf freiem Land“ leben können. Die neuen amerikanischen Zölle bezeichnete er als unbegründet. Sie würden Beschäftigte und Unternehmen treffen, in manchen Orten könne der Schaden besonders schwer ausfallen. Zu bereits angekündigten 25 Milliarden Dollar Unterstützung kommen deshalb weitere 7,5 Milliarden. Kleine Unternehmen sollen schneller an Kapital gelangen. Beschäftigte erhalten Unterstützung und Umschulungen. Besonders betroffene Bereiche wie die Autoindustrie und die Forstwirtschaft sollen gezielt Geld bekommen. Für Stahl und Aluminium sind ebenfalls Hilfen vorgesehen.

Ottawa arbeitet längst daran, den Handel breiter aufzustellen. Innerhalb von 1 Jahr habe Kanada mehr als 20 Abkommen über Handel und Sicherheit auf 5 Kontinenten geschlossen. Das jüngste mit den Vereinigten Arabischen Emiraten sei innerhalb von 47 Tagen zustande gekommen. Kanadische Ausfuhren in Länder außerhalb der USA liegen laut Carney so hoch wie seit 4 Jahrzehnten nicht mehr. In den kommenden 6 Monaten soll sich die Zahl der erreichbaren Märkte verdoppeln, damit Kanada Zugang zu rund 3 Milliarden Verbrauchern bekommt. Carney verwies außerdem auf die Partnerschaft mit der Ukraine und den Besuch von Wolodymyr Selenskyj. Den Vertrag über TKMS-U-Boote, die größte Verteidigungsbeschaffung der kanadischen Geschichte, stellte er als Beispiel für die enger werdende Zusammenarbeit mit Europa heraus.

Von europäischer Seite liegt inzwischen ein ungewöhnlicher Vorschlag auf dem Tisch. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schlug Kanada am 16. September vor, erster „assoziierter Partner“ der Europäischen Union zu werden. Einen solchen Status gibt es bislang nicht. Kanada könnte sich damit enger an die EU binden, ohne Vollmitglied zu werden. Auch Zusammenarbeit bei Industrie und Technologie soll ausgebaut werden. Verteidigung und Energie stehen ebenfalls auf der Liste. Im Oktober soll in Montreal ein EU-Kanada-Gipfel folgen. Washington kann bis dahin entscheiden, ob es Kanada weiter unter Druck setzen will. Ottawa arbeitet längst an Wegen, bei denen die USA nicht mehr automatisch im Mittelpunkt stehen.
 
Satire Splitter
Das Trumpelstielzchen hat es jetzt wohl Endgültig übertrieben, die Kanadier sind es leid sich gegen die trumpschen Avancen, Kanada zum 51 Bundesstaat der USA zu machen, wehren zu müssen.
Die Kanadier suchen sich mit Europa neue Verbündete, sie streben eine assoziierte EU-Mitgliedschaft an.
Eine offiziell definierte assoziierte EU-Mitgliedschaft gibt es aber bislang nicht. Die EU kennt nur Vollmitglieder, Beitrittskandidaten und verschiedene Formen der Zusammenarbeit mit Drittstaaten. Mit dem Begriff Assoziiert wird derzeit eine besonders enge Partnerschaft beschrieben, die zwischen einer regulären Zusammenarbeit und einer Vollmitgliedschaft liegen könnte. Wie ein solcher Status für Kanada konkret aussehen würde, hat die EU-Kommission bislang noch nicht erläutert.
Einen offiziellen Status mit diesem Namen gibt es in den EU-Verträgen nicht. Von der Leyen stellte bisher lediglich eine engere Zusammenarbeit etwa bei Technologie, Künstlicher Intelligenz, Rüstung und Arktispolitik in Aussicht.
Die Regierung von Premierminister Carney strebt eine Sicherheits- und Wirtschaftsallianz mit der EU an.
Hintergrund sind unter anderem die Spannungen mit den USA und die von Washington verhängten Zölle auf kanadische Produkte. In einer Rede vor dem Europäischen Parlament sagte Carney am Donnerstag, er sei offen für die Idee einer Art EU-Sondermitgliedschaft für sein Land.
Schon heute sind die Beziehungen eng, seit 2017 wird das Freihandelsabkommen Ceta vorläufig angewendet, das den Handel zwischen beiden Seiten erleichtern soll.


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Kanada rechnet plötzlich mit dem Undenkbaren: Carney ließ eine mögliche US-Invasion durchspielen
Mark Carney hält einen Einmarsch der Vereinigten Staaten in Kanada nicht für wahrscheinlich. Vorbereitet hat er sich trotzdem darauf. Der kanadische Premierminister erklärte, er habe im vergangenen Jahr bewusst auch „extreme Risiken“ untersuchen lassen, darunter eine militärische Invasion durch den wichtigsten Verbündeten seines Landes. Wer Verantwortung trage, müsse auch Szenarien prüfen, die außerhalb des Gewöhnlichen liegen. Alles andere wäre nach seinen Worten fahrlässig. Der Satz wäre schon für sich bemerkenswert. Er fällt jedoch nach Monaten, in denen Donald Trump Kanada wiederholt als möglichen 51. Bundesstaat bezeichnete. Im Februar 2025 schrieb Trump öffentlich, Kanada solle Teil der Vereinigten Staaten werden. Später verbreitete er künstlich erzeugte Bilder, auf denen Kanada in den Farben der US-Flagge erschien. Was in Washington gern als politische Provokation verkauft wurde, ist in Ottawa längst Gegenstand militärischer Planung.

Bereits Anfang 2026 hatten die kanadischen Streitkräfte erstmals seit rund 100 Jahren ein Modell für einen möglichen US-Angriff entwickelt. Dabei wurde angenommen, amerikanische Truppen könnten wichtige kanadische Positionen innerhalb einer Woche, möglicherweise sogar innerhalb von zwei Tagen, besetzen. Für eine klassische Verteidigung fehlen Kanada nach dieser Einschätzung Soldaten und moderne Ausrüstung. Vorgesehen wurde deshalb auch ein Kampf mit kleinen Einheiten, bewaffneten Zivilisten, Drohnen, Sabotage und Hinterhalten. Carney formuliert all das betont nüchtern. Seine Jahre an der Spitze der Zentralbanken Kanadas und Großbritanniens haben ihn daran gewöhnt, auch den schlimmsten denkbaren Fall durchzurechnen. Gleichzeitig führt sein Land mit den USA einen Handelskrieg. Beide Seiten verhängen Zölle, während Trump weiter Druck auf den Nachbarn ausübt.

Und trotzdem spricht Carney von „guten Beziehungen“ zu Trump. Man könne zum Telefon greifen und Probleme direkt besprechen, sagte er. Eine Handelsvereinbarung hält er weiter für möglich. So weit ist das Verhältnis zwischen Washington und Ottawa inzwischen gekommen: Man verhandelt über Zölle und hält gleichzeitig Pläne für den Fall bereit, dass der Nachbar mit Soldaten kommt.
 
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