Kanada schlägt zurück: Carney setzt neue Zölle gegen die USA durch und ignoriert Trumps Drohungen
Kanada zieht im Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten die nächste Grenze und setzt ab Dienstag neue Gegenzölle von 15, 25 und bis zu 50 Prozent auf amerikanische Waren in Kraft. Premierminister Mark Carney hält damit an seiner Linie fest, obwohl Donald Trump offen mit einer weiteren Runde amerikanischer Zölle droht. Rund 700 Produkte sind betroffen, darunter Aluminiumfolie, Lokomotiven, Stahlbrücken, Kleidung und Holzprodukte. Bestehende kanadische Zölle auf amerikanischen Stahl und Aluminium werden verdoppelt. Insgesamt richtet sich das Paket gegen Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar. Carney hatte die Gespräche mit Washington bereits im vergangenen Monat abgebrochen, nachdem es nicht gelungen war, die neuen amerikanischen Zölle auf kanadische Exporte zu verhindern. Kanada reagiert jetzt nicht mehr mit der Hoffnung auf einen schnellen Deal, sondern mit Gegenmaßnahmen und dem Versuch, die eigene Wirtschaft unabhängiger von den Vereinigten Staaten zu machen.
Trump verschärfte den Druck zuletzt weiter. Er drohte damit, den Handel mit Kanada vollständig zu beenden, und kündigte an, Bombardier vom amerikanischen Markt auszuschließen, falls der kanadische Flugzeugbauer nicht in den USA produziert. Gleichzeitig wirft er Kanada vor, amerikanische Banken und Unternehmen auszusperren. Carney wiederum erklärte öffentlich, Kanada sei von den Vereinigten Staaten angegriffen worden und beide Länder befänden sich nun „im Krieg“. US-Finanzminister Scott Bessent wies diese Wortwahl zurück und erklärte, Kanada sei wirtschaftlich viel zu klein, um sich auf einen offenen Schlagabtausch mit den USA einzulassen. Doch genau dieser Schlagabtausch läuft längst. Washington hatte bereits Zölle von bis zu 50 Prozent auf kanadischen Stahl, Aluminium und andere Waren verhängt. Weitere Zölle auf Autos und Autoteile stehen im Raum, falls Trump die bisherigen Ausnahmen des nordamerikanischen Handelsabkommens streicht.
Für Kanada wäre besonders ein Angriff auf die Autoindustrie gefährlich. Autoteile überqueren die Grenze oft mehrfach, bevor ein Fahrzeug fertig ist. Kanadische Hersteller warnen deshalb, dass neue amerikanische Zölle nicht nur Kanada treffen würden, sondern die gesamte nordamerikanische Produktion innerhalb kürzester Zeit beschädigen könnten. Flavio Volpe vom kanadischen Verband der Autoteilehersteller sagt offen, dass Washington bereit sei, den eigenen Industrien zu schaden, um politische Ziele durchzusetzen. Gleichzeitig glaubt er, dass die USA bei den Autoteilen am Ende zurückweichen könnten, weil sonst selbst amerikanische Werke stillstehen würden. Kanada hat seine eigene Zollliste inzwischen teilweise verändert und mehrere Fischprodukte gestrichen, weil die kanadische Fischindustrie vor Schäden für die eigenen Betriebe gewarnt hatte. Andere Produkte wurden offenbar bewusst aus Regionen ausgewählt, in denen Trump besonders viele Wähler hat.
Trotz der Härte des Streits bleibt ein großer Teil des Handels zwischen beiden Ländern weiterhin zollfrei. Öl, Gas und viele Mineralien aus Kanada sind von Trumps Maßnahmen bisher nicht betroffen, außerdem gelten für zahlreiche Waren weiter Ausnahmen aus dem nordamerikanischen Handelsabkommen. Doch Carney macht inzwischen deutlich, dass Kanada nicht mehr darauf wartet, was Trump als Nächstes ankündigt. Er will neue Handelspartner finden, die eigene Wirtschaft stärken und Washington nur dann wieder an den Verhandlungstisch lassen, wenn es aus kanadischer Sicht überhaupt noch Sinn ergibt. In Kanada bekommt er dafür derzeit breite Unterstützung. Viele Kanadier tragen den Kurs mit, obwohl gleichzeitig die Sorge wächst, dass Trump den Konflikt noch weiter eskalieren lässt. Was früher als eine der engsten Wirtschaftsbeziehungen der Welt galt, wird damit immer mehr zu einem offenen Handelskrieg zwischen zwei Nachbarn, die sich gegenseitig mit immer höheren Zöllen unter Druck setzen.