Aktuelles
  • Herzlich Willkommen im Balkanforum
    Sind Sie neu hier? Dann werden Sie Mitglied in unserer Community.
    Bitte hier registrieren

Nachrichten Russland

Russland kappt Starlink-Zugang – Verbot trifft eigene Militärstruktur
Die russische Regierung zieht eine klare Linie und untersagt die Einfuhr von Satellitenkommunikation aus dem Ausland. Betroffen sind alle Geräte, die Signale von ausländischen Satelliten empfangen oder senden können. Dazu zählen auch Starlink-Terminals, selbst wenn der Name im Beschluss nicht ausdrücklich fällt. Entscheidend ist die technische Beschreibung, und die passt eindeutig auf die Systeme von SpaceX. Grundlage ist ein Erlass vom 29. April 2026, der unmittelbar nach Veröffentlichung in Kraft tritt und zunächst auf sechs Monate begrenzt ist. Offiziell dient der Schritt dem Schutz der nationalen Sicherheit. Recherchen ergaben: Die Kontrolle übernehmen Zollbehörde und Inlandsgeheimdienst. Ohne Freigabe durch die staatliche Frequenzkommission dürfen entsprechende Geräte nicht mehr ins Land gelangen. Das betrifft nicht nur einzelne Produkte, sondern eine ganze Kategorie von Funktechnik, darunter auch Systeme mit doppeltem Verwendungszweck.

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Russische Einheiten hatten Starlink zuvor über Umwege beschafft und eingesetzt, häufig über Drittstaaten und Tarnstrukturen. Nach der technischen Sperrung nicht registrierter Geräte durch die Ukraine und SpaceX brach diese Möglichkeit weitgehend weg. Die Folgen zeigen sich direkt im Einsatz. Datenübertragung wird langsamer, Abstimmung zwischen Einheiten schwieriger, die Steuerung von Drohnen verliert an Präzision. In mehreren Fällen mussten Einheiten auf klassische Funktechnik oder kabelgebundene Lösungen zurückgreifen. Das bedeutet weniger Reichweite, geringere Geschwindigkeit und deutlich eingeschränkte Flexibilität. Genau diese Lücke versucht Moskau jetzt politisch zu schließen, indem der Zugang komplett unterbunden wird.

Der Beschluss wirkt nach innen wie nach außen. Nach innen soll Kontrolle über kritische Kommunikation hergestellt werden. Nach außen wird sichtbar, wie stark moderne Kriegsführung von verlässlicher Datenverbindung abhängt. Russland reagiert damit nicht aus einer Position der Überlegenheit, sondern aus einer Situation heraus, in der technologische Abhängigkeiten offen zutage treten.
 
Russland: 460 Prozent mehr Hochverrat. Brutal weggesperrt, geräuschlos vergessen, in einem Land das aus Worten Gräber baut
Innerhalb von zwei Jahren ist die Zahl der Hochverratsverurteilungen in Russland um 460 Prozent gestiegen. Diese Zahl stammt nicht aus einem Leak, nicht aus einem westlichen Geheimdienstbericht, nicht aus einer Schätzung von Memorial oder Human Rights Watch. Sie stammt aus längeren Recherchen am Obersten Gerichtshof der Russischen Föderation selbst. Das Land, das den Anstieg meldet, ist dasselbe Land, das ihn produziert. Wer Statistik und Strafverfolgung in einer Hand hält, schreibt Geschichte mit der eigenen Tinte und liest sie sich selbst vor.

Putins System steht auf drei Säulen. Gewalt, Korruption und Einschüchterung. Drei Säulen, die nichts tragen außer den Mann, der auf ihnen steht.

Putins System steht auf drei Säulen. Gewalt, Korruption und Einschüchterung. Drei Säulen, die nichts tragen außer den Mann, der auf ihnen steht.
460 Prozent. In der trockenen Sprache der Justiz klingt das nach einer Buchhaltungsrubrik. Übersetzt in Lebensläufe heißt es etwas anderes. Tausende Menschen sitzen heute in russischen Lagern, die vor zwei Jahren noch frei waren. Mütter, denen man nicht sagt, in welchem Lager der Sohn ist. Anwälte, die vor verschlossenen Aktenräumen stehen. Verfahren, die hinter doppelten Türen geführt werden, in einer Justiz, die ihren eigenen Schatten verwaltet, als wäre er das Wesentliche.

Selbst in dieser Höhe glauben Menschenrechtler den Zahlen nicht. Die wahre Zahl, sagen sie, liege etwa beim Doppelten. Der Grund ist nüchtern, fast banal. Ein erheblicher Teil der Verfahren wegen Hochverrats läuft hinter geschlossenen Türen. Viele Urteile werden nicht in voller Länge veröffentlicht. Andere Fälle erscheinen in offiziellen Übersichten überhaupt nicht, weil sie als Verschlusssache geführt werden, weil ein Beamter sie für zu heikel hielt, weil der Apparat selbst entscheidet, was Statistik werden darf und was schweigen muss. Wer in Russland heute wegen Hochverrats verurteilt wird, kann in einem Aktenzeichen verschwinden, das nie ein Mensch außerhalb der Behörde lesen wird. Verschwunden, begraben, gerichtlich bestätigt, aber unsichtbar für alle, die später fragen werden, wo er hingegangen ist.

 
Putin hat immer mehr Angst vor seinem eigenen Volk
Dass der Kreml die Militärparade zum 9. Mai heuer als Schmalspur-Show inszeniert, zeigt den Erfolg der ukrainischen Drohnenstrategie. Putin reagiert mit Paranoia

Allzu gut dürfte Wladimir Putin derzeit nicht schlafen. Am Montag explodierte eine ukrainische Drohne mitten in der Nacht gerade einmal sieben Kilometer vom Kreml entfernt. Russlands Truppen treten auf der Stelle, mehr als das eine oder andere Kriegsverbrechen ist nicht drin. Die Luftabwehr – zunehmend überfordert. Und dann erweist sich auch noch Donald Trump als zu erratisch, um Putin in der Ukraine wirklich zu helfen.

Da kann man schon Albträume bekommen. Vor allem, wenn in wenigen Tagen die berühmteste Militärparade der Welt ansteht. Eine ukrainische Drohne, die in Putins Propagandashow zum Weltkriegsgedenken kracht – aus Kremlsicht ein Super-GAU. Die schweren Panzer, die sonst am 9. Mai durch Moskau brettern, sollen deshalb dieses Jahr sicherheitshalber in der Garage bleiben.

Noch mehr Repression
Die Ukraine hingegen hat mit ihrer Strategie, Russland tief im Landesinneren anzugreifen, offenbar ins Schwarze getroffen. Putin bekommt es mit der Angst zu tun. Nicht nur vor Drohnen, sondern auch vor seinem eigenen Volk. Die jüngste Repressionswelle führt vor Augen, wie schlecht der Kreml die Probleme mittlerweile zu verschleiern vermag.

 
Um diese Inhalte anzuzeigen, benötigen wir die Zustimmung zum Setzen von Drittanbieter-Cookies.
Für weitere Informationen siehe die Seite Verwendung von Cookies.


Tscheboksary, Tschuwaschien. Das Werk der JSC VNIIR-PROGRESS wurde mit Raketen oder Drohnen angegriffen. Das Rüstungsunternehmen ist auf die Entwicklung und Produktion von Elektronik für russische Raketen und Drohnen spezialisiert.

--------------------------------

Auch in Kasan waren Explosionen zu hören. Für Zentralrussland bis hinauf zum Ural wurde Raketenalarm ausgelöst. Die Flughäfen in Samara, Kasan, Nischnekamsk, Pensa, Uljanowsk, Orenburg, Ufa, Tambow, Tscheboksary, Orsk, Ischewsk und Perm wurden geschlossen.
 
Vor Siegesparade: Russland schränkt mobiles Internet ein
Russland hat vor der jährlichen Militärparade anlässlich der Feiern des Sieges über Nazi-Deutschland am 9. Mai in Moskau den Zugang zum mobilen Internet für viele Nutzer und Nutzerinnen gekappt. Die Einschränkungen dienten der Sicherheit angesichts eines erhöhten Risikos ukrainischer Drohnenangriffe, teilte der Kreml heute mit.

Reuters berichtete, dass das mobile Internet in verschiedenen Teilen der Hauptstadt nicht funktionierte. Telefongespräche waren jedoch weiterhin möglich.

Russische Mobilfunkbetreiber, die Großbank Sberbank sowie die Taxisparte des Internetkonzerns Yandex hatten zuvor angekündigt, dass es zu Interneteinschränkungen und Störungen bei der Nutzung ihrer Dienste kommen könnte.

Die Parade zum Gedenken an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg wurde in diesem Jahr wegen der Bedrohungslage bereits verkleinert. Seit dem Einmarsch in die Ukraine vor vier Jahren hat Russland die Kontrolle über das Internet bereits rigide verschärft.

 
Venedig-Biennale
Russland agiert mit Dauerbeschallung
Russland ist heuer erstmals seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine bei der Kunstbiennale in Venedig mit einem Pavillon vertreten. Schon die Ankündigung der Rückkehr löste wochenlange Aufregung und schließlich den Rücktritt der gesamten Jury aus. Wenige Tage vor dem offiziellen Beginn am Samstag gehen die Kontroversen weiter: Aus dem für die Öffentlichkeit geschlossenen russischen Pavillon ist seit Dienstag Musik zu hören.

Bis Freitag sollen täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr zehn Musikgruppen in dem Gebäude auftreten. Die Musikerinnen und Musiker nehmen ihre Stücke auf, die anschließend während der gesamten Biennale und damit mehrere Monate abgespielt werden sollen. Das berichteten mehrere italienische Medien, darunter der „Corriere della Sera“ in seiner Lokalausgabe für Venetien.

Die Aktion kann als Provokation gegenüber der Ukraine und der EU verstanden werden. Denn es sollen auch Werke aus der Region Belgorod an der Grenze zur Ukraine durch das Toloka Ensemble unter Leitung von Alexej Retinski gespielt werden. Für die drei Tage der „Vernissage“ ab Mittwoch sind Liveperformances geplant, die gefilmt und anschließend als Projektion an den Außenflächen gezeigt werden sollen.

 
Es war der Tag der Pressefreiheit.
Und Russland meldet sich zu Wort, um über Meinungsfreiheit zu sprechen.
Das ist ungefähr so, als würde ein Brandstifter einen Vortrag über Brandschutz halten.
Natürlich kann man Kritik am Westen äußern.
Natürlich ist auch hier nicht alles perfekt.
Aber wenn genau die Seite, in der unabhängige Medien massiv eingeschränkt sind, plötzlich die große Verteidigerin der Pressefreiheit gibt, dann wird es zumindest… interessant.
Oder anders gesagt:
Man sollte immer auch schauen, wer etwas sagt.
Und nicht nur, was gesagt wird.

Sie haben keine Berechtigung Anhänge anzusehen. Anhänge sind ausgeblendet.


Erinnert auch an Erdogan und die Türkei
 

Anhänge

    Sie haben keine Berechtigung Anhänge anzusehen. Anhänge sind ausgeblendet.
Buchautor Zygar: "Putin hasst es, dass die jungen Russen nicht für ihn sterben wollen"
Russland hat sich unter Wladimir Putin zu einer paranoiden Diktatur entwickelt. Mikhail Zygar beschreibt in seinem neuen Buch, wie es so weit kommen konnte

Im Kreml geht die Angst um, sagt der russische Journalist und Autor Mikhail Zygar. Vier Jahre nach Beginn der Vollinvasion in der Ukraine fürchtet sich Wladimir Putin nicht nur vor ukrainischen Drohnen, sondern mehr und mehr auch vor seinem eigenen Volk. So wie einst Sowjetdiktator Josef Stalin wittert auch der aktuelle Kreml-Chef die große Verschwörung. Zygars neues Buch Die Zukunft, die nie kam (Aufbau-Verlag 2026) zeichnet nach, wie der Zerfall der Sowjetunion Russland bis heute prägt. DER STANDARD hat ihn in seinem New Yorker Exil erreicht und gefragt, wie stabil Putins Herrschaft eigentlich noch ist.

STANDARD: Die Parade in Moskau zum Sieg über den Faschismus im Zweiten Weltkrieg am 9. Mai fällt dem Vernehmen nach heuer deutlich kleiner aus als gewohnt. Warum?

Zygar: Ich glaube, dass die Lage in Russland derzeit sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch im Hinblick auf allgemeine Sicherheitsbedenken recht komplex ist. Deshalb will man potenzielle Risiken, die während der Parade entstehen könnten, auf ein Minimum beschränken. In den vergangenen Jahren hat die Paranoia der Führung erheblich zugenommen.

STANDARD: Vor der Wahl zur Staatsduma im September zeichnen sich Risse in Putins Machapparat ab. Wo verlaufen sie?

Zygar: Der wichtigste Konflikt spielt sich zwischen den sogenannten Liberalen und den Patrioten ab, zwischen denen es aber so gut wie keine ideologischen Unterschiede gibt. Man könnte auch sagen: zynische Technokraten gegen verrückte Fanatiker. Das eine Lager wird vom wichtigsten innenpolitischen Berater des Kreml geführt, Sergej Kirijenko. Er ist der effektivste Manager von Putins politischer Elite und hat in den vergangenen Jahren die innenpolitische Ausrichtung Russlands bestimmt. Auf der anderen Seite ist Verteidigungsminister Andrej Beloussow zum Anführer der Ultrapatrioten geworden. Er ist zwar ebenfalls loyal zu Putin, gibt aber jenen eine Stimme, die wegen des Kriegsverlaufs unzufrieden sind. Leute, die ähnlich denken wie früher Jewgeni Prigoschin (Anführer der Gruppe Wagner, der 2023 einen kurzen Aufstand anzettelte, Anm.), scharen sich um ihn. Interessanterweise ist Beloussow dafür bekannt, sehr religiös zu sein, was in Russland eher ungewöhnlich ist. Er sagt von sich selbst, von der Jungfrau Maria ausgewählt worden zu sein, um Putin zu helfen. Wichtig ist, dass beide Lager die Lage im Land ignorieren und sich nicht darum kümmern, wie unzufrieden viele Menschen sind.

 
Putins Siegesparade im Zeichen der Angst
Zuerst hat Russlands Machthaber Wladimir Putin versucht, mit einem Waffenruheangebot die für ihn so wichtige jährliche Parade zum Sieg über Nazi-Deutschland zu retten. Doch den Plan durchkreuzte die Ukraine geschickt. Nun findet eine abgespeckte Variante der Parade statt: Diese steht mehr im Zeichen der Angst vor Drohnenattacken als des historischen Siegesgedenkens und der Machtdemonstration.

Der 9. Mai ist der wohl wichtigste russische Staatsfeiertag, das Gedenken an den Sieg über den Faschismus machte Putin im postsowjetischen Russland gezielt zu einem zentralen Pfeiler der politischen Identität des Landes. Zur 80. Auflage der Siegesfeiern im Vorjahr waren noch zahlreiche Staatschefs, allen voran Chinas Xi Jinping, Brasiliens Lula da Silva und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un, angereist.

Doch heuer hängt über der Parade ein großes Sicherheitsrisiko: Die Ukraine baute ihre militärischen Kapazitäten, insbesondere bei Drohnen, aus – und der Kreml fürchtet einen symbolträchtigen Angriff auf die Parade, die landesweit live im TV übertragen wird. Diese Ängste wurden diese Woche durch den Einschlag einer Drohne in einem Moskauer Hochhaus erneut bestätigt.

 
Aktivist:innen der russischen Gruppe Pussy Riot und von Femen haben Russlands Pavillon auf der Biennale in Venedig gestürmt! Sie protestieren gegen den Angriff Russlands auf die Ukraine und rufen: "Russland tötet ukrainische Städte" und "F*ick Russland"

Um diese Inhalte anzuzeigen, benötigen wir die Zustimmung zum Setzen von Drittanbieter-Cookies.
Für weitere Informationen siehe die Seite Verwendung von Cookies.
 
Zurück
Oben