Brillantgrün wird begrenzt, Wohnungen werden verlost – Russlands seltsamer Wahlkampf vor der Duma-Wahl
Vor der Wahl zur Staatsduma haben mindestens vier russische Regionen neue Regeln für färbende Flüssigkeiten eingeführt. In Tjumen wurden Apotheken vor der Abstimmung vom 18. bis 20. September gebeten, größere Mengen Brillantgrün sowie Jod nicht an einzelne Käufer abzugeben. Polizisten hätten empfohlen, ab fünf Packungen Schluss zu machen. Einen schriftlichen Erlass bekamen die Apotheken nicht. In Surgut steht die Sache bereits im offiziellen Wahlplan: Färbende Flüssigkeiten und leicht entzündliche Stoffe dürfen nicht in Wahllokale gebracht werden, weil sie für Protestaktionen verwendet werden könnten. Kostroma und Tscheljabinsk haben vergleichbare Verbote erlassen. In Kostroma werden alle 448 Wahllokale mit Metalldetektoren ausgestattet. Rund 700 Polizisten sollen täglich im Einsatz sein. Dazu kommen mehr als 100 Angehörige der Nationalgarde, private Sicherheitskräfte sind ebenfalls vorgesehen.
Der Aufwand hat eine Vorgeschichte. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 wurden Wahlurnen mit Brillantgrün oder Tinte übergossen, andernorts gab es Brandstiftungsversuche. Insgesamt wurden solche Vorfälle an 29 Wahllokalen in 20 Regionen registriert. Zwei Jahre später behandelt der russische Staat deshalb selbst eine Flasche mit färbender Flüssigkeit als mögliches Problem am Eingang zur Wahl. Gleichzeitig wird rund um dieselben Wahltage sehr viel dafür getan, Menschen zu interessieren. In Moskau erhalten Teilnehmer des Programms „Million Preise“, die elektronisch oder über Terminals abstimmen, mindestens 1.000 Stadtpunkte. 1 Punkt entspricht 1 Rubel. 100 russische Rubel entsprechen aktuell ungefähr 1,03 Euro beziehungsweise 1,18 US-Dollar. Zusätzlich werden Gewinne bis zu 50.000 Punkten vergeben.
Noch größer fällt das Angebot in Krasnojarsk aus. Dort läuft während der Wahl eine regionale Wissensrunde mit 369 Preisen. Zu gewinnen sind 3 Wohnungen und 6 Autos. Außerdem werden jeweils 90 Mobiltelefone und vernetzte Lautsprecher vergeben, weitere Gewinne kommen hinzu. Die Teilnahmezettel gibt es in der Nähe der Wahllokale. Abstimmen muss man für einen Gewinn ausdrücklich nicht. Im Autonomen Kreis der Chanten und Mansen werden bei „Jugra – gemeinsam!“ mehrere Tausend Preise angekündigt. Darunter befinden sich sechs Wohnungen und drei Autos. Wer teilnehmen will, muss mindestens drei von fünf Fragen beantworten. Vor den Wahllokalen wird also streng kontrolliert, was Menschen mitbringen. Rundherum darf es dafür durchaus etwas zu gewinnen geben.