Wenn Profit auf Vertreibung trifft – Schwedens Versuch, Unternehmen für Kriegsverbrechen zur Verantwortung zu ziehen
In Stockholm läuft seit September 2023 ein Strafverfahren, das äußerlich unscheinbar wirkt, juristisch jedoch Neuland betritt. Zwei ehemalige Führungskräfte des schwedischen Unternehmens Lundin Oil stehen wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen vor Gericht. Es ist das längste Strafverfahren in der Geschichte des Landes, angesetzt bis mindestens Mai 2026. Verhandelt wird nicht über Befehle, nicht über Uniformen, nicht über direkte Gewalt. Verhandelt wird über Verträge, Berichte, Entscheidungen in Vorstandsetagen und über die Frage, ob wirtschaftliches Handeln strafbar wird, wenn es in einem Krieg wissentlich auf Gewalt trifft.
Ende Dezember wurde in Stockholm weiterverhandelt. An mehreren Tagen setzte das Gericht die Beweisaufnahme fort, Zeugen wurden erneut gehört, interne Unternehmensberichte erneut aufgelegt und kontextualisiert. Der Prozess ist kein abgeschlossener Rückblick, sondern ein laufendes Verfahren, das sich bis ins Frühjahr 2026 ziehen wird. Wer in diesen Tagen im Gerichtssaal sitzt, erlebt keine historische Nachlese, sondern juristische Arbeit in Echtzeit: Fragen zu Kenntnisständen, Entscheidungswegen und Verantwortlichkeiten werden weiter präzisiert, Widersprüche offen gelegt, Erinnerungslücken sichtbar gemacht. Genau darin liegt die Bedeutung dieser Verhandlungstage – sie zeigen, dass die Frage nach unternehmerischer Verantwortung für Kriegsverbrechen nicht theoretisch verhandelt wird, sondern konkret, gegenwartsnah und unter voller Beweislast.
In Stockholm läuft seit September 2023 ein Strafverfahren, das äußerlich unscheinbar wirkt, juristisch jedoch Neuland betritt. Zwei ehemalige Führungskräfte des schwedischen Unternehmens Lundin Oil stehen wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen vor Gericht. Es ist das längste Strafverfahren in der...
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