Sanktionen auf dem Papier – und Flüge, die trotzdem stattfinden
Der EU-Sanktionsbeauftragte David O’Sullivan verlangt von Schweden ein Eingreifen gegen die Plattform Avinode. Der Vorwurf ist konkret: Über das System sollen weiterhin Privatflüge für wohlhabende russische Kunden nach Europa organisiert worden sein, obwohl genau diese Verbindungen seit Beginn des Krieges untersagt sind. Die technische Rolle der Plattform wirkt auf den ersten Blick passiv, sie bringt Anbieter und Vermittler zusammen, doch genau an dieser Stelle entsteht die Lücke, durch die sich Geschäfte verschieben lassen. Russische Broker sollen ihre Firmen in Drittstaaten registriert haben, etwa in der Türkei, auf Zypern oder in den Vereinigten Arabischen Emiraten, um weiterhin Zugriff zu behalten.
Recherchen zeigten, wie wenig Kontrolle tatsächlich greift. Wir erhielten ohne große Hürden konkrete Flugangebote, inklusive Bestätigungen, dass die Abwicklung über Avinode läuft. Die Plattform selbst weist jede direkte Verantwortung zurück und betont, dass die eigentlichen Verträge außerhalb ihres Systems geschlossen werden. Formal stimmt das, praktisch reicht es offenbar, um Sanktionen zu umgehen, ohne dass jemand klar zuständig ist.
Im Europaparlament wächst der Druck, diese Lücken zu schließen. Der Abgeordnete Johan Danielsson fordert eine Nachschärfung der Regeln, während Schwedens Außenministerin Maria Malmer Stenergard auf die Verantwortung der Unternehmen verweist und zugleich klarstellt, dass mögliche Straftaten von Behörden verfolgt werden müssen. Im Hintergrund steht ein Markt, der längst global organisiert ist. Avinode kontrolliert einen Großteil der weltweiten Vermittlung von Geschäftsflugzeugen, Millionen Anfragen laufen jährlich über die Plattform. Genau diese Größe macht den Fall politisch brisant, weil hier sichtbar wird, wie leicht sich Verbote umgehen lassen, wenn Kontrolle an den Schnittstellen endet.
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