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Islam-Seminar: «Ohne Kopftuch fühlte ich mich chancenlos»
Richard Müller
Montag, 29. März 2010, 18:40 Uhr, Aktualisiert 21:07 Uhr
Am vergangenen Wochenende haben über 100 Muslime an einem Bildungsseminar des Islamischen Zentralrats Schweiz teilgenommen. «Schweiz aktuell» war mit zwei Journalistinnen im bündnerischen Disentis vor Ort. Trotz des offiziell freundlichen Empfangs, empfanden sie die Haltung der Seminarteilnehmer als distanziert und kritisch.
Videoplayer LivestreamIslam-Seminar in Disentis
Islam-Seminar in Disentis
Weil Islam-Prediger Abu Anas in den Medien mit frauenfeindlichen und gewaltbereiten Aussagen zitiert wurde und so in einem kritischen Licht erschien, stand das Schweizer Fernsehen plötzlich als «Hetzmedium» da. Anas fühlte sich Missverstanden. Seine Aussage über die Züchtigung von Frauen sei symbolisch gemeint gewesen.
Weil ich das Gefühl hatte als Journalistin und Frau ohne ein Kopftuch chancenlos zu sein , habe ich eins angezogen.»
Rachel Honegger, Redaktorin «Schweiz aktuell»
«Ich war plötzlich dafür verantwortlich, dass manche Medien den Menschen die Worte im Munde umdrehen und Inhalte aus ihrem Kontext gerissen werden», so empfindet es Redaktorin Livia Baettig im Rückblick.
Schwierige Arbeitsbedingungen
Die Interviews wurden deshalb von den Organisatoren des Islam-Seminars gefilmt. Damit wollten sie verhindern, dass aus ihrer Sicht etwas falsch dargestellt wird. «Die meisten Seminarteilnehmer wollten darum auch keine Interviews vor der Kamera geben», erklärt Baettig.
Strenge Kontrollen
Offenbar kontrollierten die Organisatoren auch streng, was der Kameramann filmte. «Ein Schwenk zur Türe, hinter welcher die Frauen sitzen, war verboten», sagt die Redaktorin. Aufnahmen wurden nur nach langem Diskutieren und aus grosser Distanz bewilligt.
«Ich wurde in die Schranken gewiesen»
Auch «Schweiz aktuell»-Redaktorin Rachel Honegger empfand die Situation als schwierig. Sie durfte den Raum, in dem das Seminar abgehalten wurde, während den Vorbereitungen nicht betreten. Honegger weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass der Raum öffentlicher Grund ist. Trotzdem hatte sie das Gefühl, dass der Zugang zu den Teilnehmern schwierig war, weil sie kein Kopftuch trug. «Ich wurde in die Schranken gewiesen, während einem männlichen Journalisten-Kollegen keine Grenzen gesetzt wurden.»
«Weil ich das Gefühl hatte als Journalistin und Frau ohne ein Kopftuch chancenlos zu sein, habe ich eins angezogen», sagt die Journalistin. Nur so sah Honegger überhaupt eine Möglichkeit, um an die Seminarteilnehmer heran zu kommen und ihre Arbeit ungehindert in Disentis machen zu können.
«Toleranz braucht es auf beiden Seiten. Dazu gehört auch, dass ich in meiner Rolle als Journalistin auf Schweizer Gemeindeboden ohne Kopftuch ungehindert arbeiten kann»,
Islam-Seminar: «Ohne Kopftuch fühlte ich mich chancenlos» / Schweiz / SF Tagesschau
Richard Müller
Montag, 29. März 2010, 18:40 Uhr, Aktualisiert 21:07 Uhr
Am vergangenen Wochenende haben über 100 Muslime an einem Bildungsseminar des Islamischen Zentralrats Schweiz teilgenommen. «Schweiz aktuell» war mit zwei Journalistinnen im bündnerischen Disentis vor Ort. Trotz des offiziell freundlichen Empfangs, empfanden sie die Haltung der Seminarteilnehmer als distanziert und kritisch.
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Islam-Seminar in Disentis
Weil Islam-Prediger Abu Anas in den Medien mit frauenfeindlichen und gewaltbereiten Aussagen zitiert wurde und so in einem kritischen Licht erschien, stand das Schweizer Fernsehen plötzlich als «Hetzmedium» da. Anas fühlte sich Missverstanden. Seine Aussage über die Züchtigung von Frauen sei symbolisch gemeint gewesen.
Weil ich das Gefühl hatte als Journalistin und Frau ohne ein Kopftuch chancenlos zu sein , habe ich eins angezogen.»
Rachel Honegger, Redaktorin «Schweiz aktuell»
«Ich war plötzlich dafür verantwortlich, dass manche Medien den Menschen die Worte im Munde umdrehen und Inhalte aus ihrem Kontext gerissen werden», so empfindet es Redaktorin Livia Baettig im Rückblick.
Schwierige Arbeitsbedingungen
Die Interviews wurden deshalb von den Organisatoren des Islam-Seminars gefilmt. Damit wollten sie verhindern, dass aus ihrer Sicht etwas falsch dargestellt wird. «Die meisten Seminarteilnehmer wollten darum auch keine Interviews vor der Kamera geben», erklärt Baettig.
Strenge Kontrollen
Offenbar kontrollierten die Organisatoren auch streng, was der Kameramann filmte. «Ein Schwenk zur Türe, hinter welcher die Frauen sitzen, war verboten», sagt die Redaktorin. Aufnahmen wurden nur nach langem Diskutieren und aus grosser Distanz bewilligt.
«Ich wurde in die Schranken gewiesen»
Auch «Schweiz aktuell»-Redaktorin Rachel Honegger empfand die Situation als schwierig. Sie durfte den Raum, in dem das Seminar abgehalten wurde, während den Vorbereitungen nicht betreten. Honegger weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass der Raum öffentlicher Grund ist. Trotzdem hatte sie das Gefühl, dass der Zugang zu den Teilnehmern schwierig war, weil sie kein Kopftuch trug. «Ich wurde in die Schranken gewiesen, während einem männlichen Journalisten-Kollegen keine Grenzen gesetzt wurden.»
«Weil ich das Gefühl hatte als Journalistin und Frau ohne ein Kopftuch chancenlos zu sein, habe ich eins angezogen», sagt die Journalistin. Nur so sah Honegger überhaupt eine Möglichkeit, um an die Seminarteilnehmer heran zu kommen und ihre Arbeit ungehindert in Disentis machen zu können.
«Toleranz braucht es auf beiden Seiten. Dazu gehört auch, dass ich in meiner Rolle als Journalistin auf Schweizer Gemeindeboden ohne Kopftuch ungehindert arbeiten kann»,
Islam-Seminar: «Ohne Kopftuch fühlte ich mich chancenlos» / Schweiz / SF Tagesschau
