Zum Thema:
Faschismus und Rassismus in Europa
Und so sieht das Ergebnis dieses
tödlichen Rassismus aus, eine
Ukrainerin, medial auf eine "
prorussische Separatisten" reduizert, wird nach Angriffen des Miliärs und rechtsextremer und faschistischer Sturmtruppen zu Grabe getragen:
Quelle, Bild in höherer Auflösung
Der von den entsprechenden deutschen Medien penetrant verwendete Begriff "
pro-russisch" entstammt genau diesem
rassistischen Sumpf, einhergehend mit einer Weigerung, Faschisten und Rechtsextremisten Faschisten und Rechtsextremisten zu nennen.
Gleichzeitig kreieren die gleichen Medien den guten pro-EU Oligarchen und verharmlosen dessen kriminelle Vergangenheit und Gegenwart.
Die Gleichschaltung der
pro-rassistischen, pro-faschistischen, pro-antisemitischen, pro-mafiösen, kurz: die Gleichschaltung der
kapitalistischen Medien ist derart auffällig, dass ein Blick hinter die Kulissen Klarheit bringt und die Lösung ein Treppenwitz ist.
Pogrom in Odessa
Es führt ein
direkter Weg von den Geschehnissen auf dem Maidan, als Faschisten und Rechtsextremisten Brandbomben auf unbewaffnete Polizisten schleuderten, zu dem
Pogrom in Odessa, bei dem vor den Augen der Weltöffentlichkeit Faschisten und Rechtsextremisten
Brandbomben in das Gewerkschaftshaus schleuderten, in dem dann mindestens 40
Menschen verbrannten.
Ein Pogrom
mit Ansage, da die Faschisten, Rechtsextremisten und der oben erwähnte Personenkreis genau dies stetig
ankündigen und fordern. Auch die Nationalsozialisten in Deutschland kündigten alle ihre schrecklichen Taten vorher an,
ihnen glaubte nur kaum jemand.
Die
pro-rassistischen, pro-faschistischen, pro-antisemitischen, pro-mafiösen, kurz: die
kapitalistischen Medien verharmlosen und verherrlichen die Gewalt auf dem Maidan und sie
vertuschen den Pogrom in Odessa so weit es möglich ist.
Nicht nur der Pogrom in Odessa, auch der
massive Gewalteinsatz gegen Zivilisten, der von der von Faschisten und Rechtsextremisten durchsetzten "
Übergangsregierung" in Kiew angeordnet und vom Militär und von den extra dazu mit faschistischen und rechtsextremistischen Gewalttätern gebildeten
Sturmtruppen durchgeführt wurde, wird durch die
pro-rassistischen, pro-faschistischen, pro-antisemitischen, pro-mafiösen, kurz: die
kapitalistischen Medien verharmlost oder verschwiegen.
Auch dieses Verhalten ist derart auffällig, dass ein Blick hinter die Kulissen Klarheit bringt und die Lösung ein Treppenwitz ist.
Gewerkschaftshaus
Bei dem Pogrom in Odessa handelt es sich nicht nur um eine Gewalttat von Faschisten und Rechtsextremisten, die Parallelen in der Vergangenheit hat. Dieser Pogrom ist auch ein eindeutiges
Signal in die Zukunft. Entschlüsselt bedeutet er, dass sich dem im Wirtschaftsraum der EU entstehenden
kriminellen Turbo-Neoliberalismus, der auch Extraprofite mit Migranten macht, eine "
kriminelle Ordnungsmacht"
andient und etablieren will, die sicherstellt, dass die Kreise des kriminellen Turbo-Neoliberalismus weder durch Gewerkschaften noch durch sonstige Arbeitnehmervereinigungen gestört werden, auch um den Preis vieler Toter.
Genau dafür kandidiert Jarosch. Die Arbeitgeber haben die Botschaft, genau wie vor 80 Jahren wohlwollend zur Kenntnis genommen.
Es war der 2. Mai 1933, als die deutschen Faschisten die Gewerkschaftshäuser überfielen.
Faschismus in Berlin
Bevor wir nun in der Gegenwart hinter den Vorhang schauen, noch ein Blick zurück.
Auch Politiker in Berlin verharmlosen die von Faschisten und Rechtsextremisten durchsetzte "
Übergangsregierung" in Kiew oder leugnen wie die Grünen die Existenz von Faschisten und Rechtsextremisten gänzlich.
Das hat mehrere Gründe.
Ein Plan sieht vor, die Beteiligung und Existenz von Faschisten und Rechtsextremisten zu leugnen, da diese angeblich erfolgreich von "normalen" Politikern eingerahmt werden und bei der anstehenden Wahl keine Rolle spielen werden.
Richtig, das
hat Tradition.
Auch von Papen und Hugenberg glaubten, Hitler als Kanzler in einer von konservativen Ministern dominierten Regierung "
einrahmen" und "
zähmen" zu können.
Deutlich wird das in einem Beitrag des Spiegel, in dem es heißt:
Russland feiert Sieg über Nazi-Deutschland: Angela Merkel auf der Anklagebank
An diesem Freitagmorgen rief mich ein ehemaliger Offizier einer russischen Eliteeinheit an, den ich bei einer Recherche kennengelernt hatte. "Wie kann denn Eure Bundeskanzlerin nur so etwas tun", fragte er immer wieder. "Die neue Junta in Kiew besteht doch aus Faschisten. Wieso helft Ihr denen? Erst zog Hitler über die Ukraine her und jetzt Merkel."
Ich hielt dagegen: Der gestürzte ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch sei einfach ein Dieb. Die neuen Machthaber in Kiew agierten zwar wenig umsichtig, aber Übergangspräsident Turtschinow und Übergangspremier Jazenuk seien keine Faschisten. Die gedankliche Linie zwischen Hitler und Merkel sei absurd und üble Propaganda."
Auch von Papen und Hugenberg waren keine Nationalsozialisten.
Weiterhin gibt es in Berlin Unterstützer des kriminellen Turbo-Neoliberalismus, der Extraprofite durch Migration erwirtschaften will und die Ausschaltung von Gewerkschaften und Arbeitnehmervereinigungen unterstützt. Auch das hat Tradition:
"Viele forderten stattdessen Hitler als Kanzler, darunter nationalkonservative Unternehmer mit der von Hjalmar Schacht organisierten Industrielleneingabe. Diese „nationalkonservativen Kräfte in Wirtschaft, Militär und Bürokratie“ strebten die „autoritäre (monarchistische) Umgestaltung des Staates“, die „dauerhafte Ausschaltung von KPD, SPD und Gewerkschaften“, den „Abbau der steuerlichen und sozialstaatlichen Belastungen der Wirtschaft“, die „schnelle Überwindung des Versailler Vertrages“ und die „Aufrüstung“ an."
So haben wir einerseits die Situation, dass die
pro-rassistischen, pro-faschistischen, pro-antisemitischen, pro-mafiösen, kurz: die
kapitalistischen Medien die Existenz von Faschisten und Rechtsextremisten leugnen und verharmlosen, wir haben auch die Situation, dass die
pro-rassistischen, pro-faschistischen, pro-antisemitischen, pro-mafiösen, kurz: die
kapitalistischen Politiker die Existenz von Faschisten und Rechtsextremisten leugnen.
Als wenn das noch nicht bedenklich genug wäre, gehen immer mehr Länder dazu über,
deutsche Politik und Politiker als faschistoid zu bezeichnen.
Ähnlich wie es im Privaten bedenklich ist, wenn alle dem Betroffenen sagen, er weise bestimmte Züge auf, nur der Betroffene weist das von sich, so ist es auch im Politischen ratsam, sich der Wirklichkeit zu stellen, wie unangenehm sie auch sein mag.
Sehr oft werden deutsche Politiker im Zuge der
Troika-Maßnahmen, die über andere Länder verhängt werden, mit Oberlippenbärtchen und Hakenkreuz dargestellt. Worum handelt es sich bei den Troika-Maßnahmen? Diese Maßnahmen setzten
Rahmenbedingungen und von den zuständigen einheimischen Politikern erwartet man
uneingeschränkte Mitarbeit. Die
Umsetzung liegt alleine in ihren Händen. Wenn etwas nicht stimmt, wenn es Probleme gibt, Arbeitslosigkeit, Kindersterblichkeit, können sie
niemanden, am wenigsten die Deutschen, dafür verantwortlich machen. Die Troika, die Deutschen sind nur dazu da, ihnen zu
helfen und ihnen die
Verantwortung für die Bestrafung derjenigen abzunehmen, die die Regeln missachten, indem sie beispielsweise nicht genug sparen und die Sozialkosten in die Höhe treiben.
Halt, nun ist mir etwas durcheinander geraten. Obiger Text ist die leicht modifizierte Fassung eines Auszuges aus dem sehr empfehlenswerten Buch von
David Albahari, Götz und Meyer, welches von einem
Vernichtungslager in Belgrad handelt. Der Originaltext geht so:
"Von den sogenannten Blockwarten, die sich um die Ordnung in den Pavillons kümmerten, und von den Lagerpolizisten - es waren hauptsächlich jüngere Frauen, die für Disziplin sorgten - erwartete man uneingeschränkte Mitarbeit. Ja, so wie sie sich selbst ernährten, so passten die Juden auch auf sich selbst auf. Wenn etwas nicht stimmte, konnten sie niemanden, am wenigsten die Deutschen, dafür verantwortlich machen. Diese seien, wie Kommandant Andorfer erklärte, nur dazu da, ihnen zu helfen und, was am wichtigsten war, ihnen die Verantwortung für die Bestrafung derjenigen abzunehmen, die die Regeln missachten, indem sie beispielsweise Briefe schrieben und sie aus dem Lager schmuggelten. So wurde exemplarisch ein Bote erschossen, der jeden Tag zum jüdischen Krankenhaus im Dorcol ging und Briefe der Lagerinsassen an ihre kranken Verwandten und Freunde mitnahm. Er ist nicht unseretwegen auf dem Lagergelände erschossen worden, sagte der Leiter des Judenreferats der Belgrader Gestapo, der Scharführer Fritz Starcke, sondern euretwegen, und darum - er hob den Zeigefinger und legte eine dramatische Pause ein - paßt gut auf, was Ihr tut!"
Vielleicht wird nun verständlich, warum umliegende Länder
berechtigt Vergleiche ziehen. In der Ukraine läuft es ähnlich und auch dort sind die Vergleiche berechtigt. Somit handelt es sich nicht nur um Faschisten und Rechtsextremisten innerhalb der Ukraine sondern zusätzlich um altbekannte
faschistische und rechtsextremistische Strukturen, die der Ukraine von außerhalb
aufgezwungen werden.
"Wie üblich, war der Zahlung ein sogenannter »Letter of Intent« vorausgegangen. Eine Absichtserklärung, in der »Übergangspräsident« Olexander Turtschinow, Premierminister Arseni Jazenjuk, Finanzminister Olexandr Schlapak und Nationalbankchef Stepan Kubiv dem Fonds in Washington eine Liste von Plänen vorlegen, die zur Stabilisierung der Wirtschaft des Landes umgesetzt werden sollen. Die stammt ebenso wenig wie zuvor unter anderem in Griechenland aus deren eigener Feder. Vielmehr wurde ihnen der neoliberale Gruselkatalog von den sogenannten Beratern diktiert, die der IWF ins Land geschickt hatte. Ihre Umsetzung ist die Voraussetzung dafür, daß die Überweisungen aus Washington nicht abreißen. Allerdings überläßt man es denjenigen, die dem Spardiktat unterworfen sind, die Forderungen der Kreditgeber zu formulieren, damit der Anschein nationaler Souveränität erhalten bleibt."
Wem das noch nicht reicht, der sei daran erinnert, die ersten
Gaslastwagen wurden im November 1941 in der
Ukraine eingesetzt, später gab es sie überall: von Leningrad bis
Sewastepol, von Berlin bis Maidanek, von
Lemberg bis Pjatigorsk, von Danzig bis Wien.
Geschichtsumschreibung
Ja, diese leidige Vergangenheit. Da heißt doch tatsächlich Hollande den "
Russen Putin" zum 70. Jahrestag der
Landung der Alliierten willkommen. Man werde nie vergessen, dass während des Zweiten Weltkriegs
Millionen Russen ihr Leben im Kampf gegen die deutschen Nazis gelassen haben. Auch nimmt Putin mit Präsidenten anderer Ex-Sowjetrepubliken an den Feierlichkeiten zum 69. Jahrestag des
Sieges über Hitler-Deutschland teil und warnt in einer Rede vor der Gefahr eines
neuen Faschismus, er wirft der Führung in Kiew vor, sich von dieser Ideologie leiten zu lassen.
Das alles stößt in Berlin und um Berlin herum auf heftige
Bedenken und Unwillen. Missmutig verstauen die pro-rassistischen, pro-faschistischen, pro-antisemitischen, pro-mafiösen, kurz: die kapitalistischen "
Journalisten" ihre Entwürfe wieder in den Schubladen. Vielleicht ist es nächstes Jahr soweit, wenn dann endlich die deutsche Bundeskanzlerin zusammen mit den Alliierten
den Sieg über den russischen Faschismus feiert, wenn auch nach kleinen Umwegen.
Da empfängt man in Berlin lieber den
Rechtspopulisten Viktor Orbán und rollt ihm einen roten Teppich aus.
Am
Tag der Befreiung vom Faschismus verkündet er vor der ersten Garde der deutschen Politik, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, den Botschaftern Mexikos und Chinas seine
nationale Ideologie. Am Nachmittag dann schüttelte er Angela Merkel die Hand.
Die Kanzlerin hatte bereits am Tag zuvor passenden Besuch: Der ukrainische Präsidentschaftskandidat und Oligarch Petro Poroschenko, Vertreter
des kriminellen Turbo-Neoliberalismus, bezeichnete bei dieser Gelegenheit die Aufständischen in der Ostukraine als "
geisteskrank" und lehnte internationale
Friedensgespräche mit ihnen ab.
Hier geht es weiter : https://www.freitag.de/autoren/mopperkopp/die-machtergreifung-viii
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http://www.idaev.de/cms/upload/Stephan_Bundschuh_Wer_vom_Rassismus_nicht_sprechen_will.pdf
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http://de.wikipedia.org/wiki/Elemente_und_Urspr%C3%BCnge_totaler_Herrschaft
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http://books.google.de/books?id=c4N...en&sa=X&ei=QJ53U_aSK4zQ4QSRkIHADg&redir_esc=y
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2.1.1 Nationalismus
Der Nationalismus findet seinen Ausdruck im Nationalstaat, der auf der Einheit von Volk, Territorium und Staat beruht. Das Volk ist dabei eine Menge von Menschen, die Sprache und Kultur, Kunst und Literatur gemeinsam haben. Die Wurzel des Wortes Nation liegt im lateinischen Wort
nasci, geboren werden und der Perfekt-Form davon
natus/a/um esse, geboren sein. Der Nationalstaat soll also die Erweiterung einer Gemeinschaft der von einer Mutter geborenen Kinder sein. Das Geborensein von einer Mutter ist zweifellos ein natürliches Band zwischen Menschen (sofern die Kategorie des Natürlichen überhaupt sinnvoll auf zwischenmenschliche Beziehungen angewendet werden kann) und so soll auch der Nationalstaat eine gleichsam "natürliche" Verfassung darstellen.
[SUP]1[/SUP] Unglücklicherweise ist aber die Einheit von Volk (also Sprache), Territorium und Staat
[SUP]2[/SUP] immer eine Illusion gewesen, und das sogar im Falle Frankreichs, das Arendt die Nation
par excellence nennt. In jedem Staat werden unterschiedliche Dialekte oder sogar ganz verschiedene Sprachen gesprochen, jeder Staat birgt in sich Minderheiten fremder Nationen und jede Nation hat eigene Minderheiten in fremden Staaten. Arendt zeigt, daß diese Widersprüche in der Praxis nicht zu lösen sind und erklärt deshalb die nationalstaatliche Verfassung für gescheitert. Die einzig denkbare Lösung des Minderheitenproblems besteht in Assimilation oder physischer Vernichtung. Und obwohl die Vernunft in dieser Lage gebietet, Abstriche am Konzept des Nationalstaates zu machen, ist es leider eine historische Tatsache, daß der andere Weg, der der Vernichtung, erprobt worden ist.
Und das ist was gerade passiert! Die Faschisten wollen die Ost- und Süd-Ukrainer (alle russisch sprechenden) vernichten!
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FLÜCHTLINGSBEWEGUNGEN UND RASSISMUS
ZUR AKTUALITÄT VON HANNAH ARENDT,
"DIE NATION DER MINDERHEITEN UND DAS VOLK DER STAATENLOSEN"
"Seit dem ersten Weltkrieg hat jeder Krieg und jede Revolution mit
einer Monotonie sondergleichen die Masse der Recht- und
Heimatlosen vermehrt...Und keine Paradoxie zeitgenössischer Politik
ist von einer bittereren Ironie erfüllt als die Diskrepanz zwischen den
Bemühungen wohlmeinender Idealisten, welche beharrlich Rechte als
unabdingbare Menschenrechte hinstellen, deren sich nur die Bürger
der blühendsten und zivilisiertesten Länder erfreuen, und der
Situation der Entrechteten selbst, die sich ebenso beharrlich
verschlechtert hat, bis das Internierungslager, das vor dem Zweiten
Weltkrieg doch nur eine ausnahmsweise realisierte Drohung für den
Staatenlosen war, zur Routinelösung des Aufenthaltsproblems der
'displaced persons' geworden ist."
(Hannah Arendt)
1
1.
Das vorliegende Heft behandelt die Migration in den 20er und 30er Jahren. Die Mobilisierung,
Entrechtung und Behandlung der Migranten jener Zeit gehört zur Vorgeschichte von Auschwitz.
In der heutigen Debatte über Flüchtlinge und Asyl ist die Kenntnis über jene
Flüchtlingsbewegungen nicht verbreitet. Niemand hat es unternommen, die aktuellen Fragen vor
diesem Hintergrund zu reflektieren. Die Parallelen zu Weimar, die in letzter Zeit gelegentlich
gezogen werden, sind mit dem Erscheinen der neonazistischen Glatzen verbunden, die vielleicht
wieder das Aufdämmern eines neuen politischen Systems signalisieren; sie zielen aber nicht auf
die Flüchtlingsfrage selbst und nicht auf den staatlichen Umgang mit den Flüchtlingen.
Kein Text, und auch die neuere und in Kenntnis der gegenwärtigen Verhältnisse geschriebene
Literatur
2
nicht, vermag das historische Thema eindringlicher zu beleuchten als das 9. Kapitel aus
Hannah Arendts "Elemente und Ursprünge". Ihre Beschreibung des Problems der Staatenlosen,
deren Schaffung, Internierung und Deportation, der Internationalisierung der Judenfrage als
Flüchtlingsproblem und des Zusammenbruchs des Asylrechts sowie der Aporien der
Menschenrechte ist von beklemmender Aktualität. Die Bemerkungen, die sich hier anschließen,
sind eine Reflexion dieses Texts. Ich gehe zunächst auf den Antisemitismus ein, den ich als gegen
eine Flüchtlingsbewegung gerichteten Rassismus interpretiere, dann auf den Zusammenhang von
Rassismus und staatlicher Regulation der Migration, im vierten Teil auf den Rassismus als
Subjektkonstitution und schließlich auf die Flüchtlingsbewegungen der Gegenwart.
Hier geht`s weiter : http://www.materialien.org/texte/migration/fluebewrass.pdf
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Rassismus und Repräsentationspolitik in der postmigrantischen Gesellschaft
Vassilis S. Tsianos,
Juliane Karakayali
18.3.2014
Als im Mai 2013 der sechste Integrationsgipfel der Bundesregierung zu Ende ging, sorgten einige selbstkritische Sätze der Bundeskanzlerin für einen Tabubruch im öffentlichen Reden und Nachdenken über Migration in Deutschland. Sie stellte das integrationspolitische Leitparadigma zur Debatte und lud ein, nach anderen Begriffen zu suchen, die mehr auf Teilhabe und Partizipation verweisen. Denn, so zitierte "Die Welt": "Für viele Zuwanderer stelle sich die Frage, ‚wann ist man endlich integriert‘? (…) Sie könne sich durchaus vorstellen, dass sich manche Migranten fragten: ‚Was soll ich jetzt noch machen? Ich habe Deutsch gelernt, ich habe einen deutschen Pass (…), was muss ich tun, damit ich als integriert wahrgenommen werde?‘"
[1] Das vermehrte Auftauchen der Teilhabe- und Partizipationssemantik im bundesrepublikanischen "Repräsentationsregime um Differenz und Andersheit" kann als Indiz dafür gewertet werden, dass sich Kräfteverhältnisse im Umgang mit den Diversitätsherausforderungen der postmigrantischen Gesellschaft verschoben haben.
Unter "Repräsentationsregime um Differenz und Andersheit" verstehen wir "das gesamte Repertoire an Bildern und visuellen Effekten, durch das ‚Differenzen‘ in einem beliebigen historischen Moment repräsentiert werden".
[2] Für den Soziologen Stuart Hall
[3] ist die Produktion und das Regieren von Differenz die Hauptleistung eines Repräsentationsregimes. Halls Verständnis von Repräsentation meint eine besondere Verschränkung von Mechanismen kultureller Dominanz und rassistischer Exklusion, in der aber auch die Präsenz von widerständigen und subversiven Subjektivierungen verortet wird. Hall erläuterte diese paradoxe Verschränkung von Dominanz und Widerstand am Beispiel der Schwarzen Arbeiterklasse in England: "Rasse ist untrennbar mit der Art und Weise verbunden, wie die Schwarze Arbeiterklasse (…) konstituiert wird. (…) Die Konstituierung dieser Fraktion als eine Klasse und die Klassenverhältnisse, die ihr zugeschrieben werden, funktionieren als race relations. ‚Rasse‘ ist also die Modalität, in der Klasse gelebt wird, das Medium, in dem Klassenverhältnisse erfahren werden, die Form, in der sie angeeignet und durchgekämpft werden."
[4] Differenzpolitik ist also im Sinne Halls Repräsentationspolitik. Die Frage nach den Grenzen und Möglichkeiten von Repräsentations- und Differenzpolitik (Identitätspolitik) kann nur auf der Grundlage einer Analyse des Rassismus der Gegenwart beantwortet werden. Denn ob und wie Repräsentationspolitik erfolgreich sein kann, hängt maßgeblich davon ab, wie sie sich wirkmächtig in die Konjunkturen einer sich etablierenden postmigrantischen Gesellschaft einschreiben kann, in welcher auch der Rassismus nicht unverändert bleibt.
Mit der Chiffre "postmigrantische Gesellschaft" verweisen wir auf die politischen, kulturellen und sozialen Transformationen von Gesellschaften mit einer Geschichte der postkolonialen und der Gastarbeiter-Migration. Für die Geschichte und Gegenwart von Einwanderungsgesellschaften wie die Deutschlands sind diesbezüglich insbesondere die Transformationen durch die Kämpfe um ein Recht auf Einbürgerung bedeutsam, das viele der ehemaligen Migrantinnen und Migranten inzwischen zu Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern macht. Der Begriff postmigrantisch versucht nicht, die Tatsache der Migration zu historisieren, sondern beschreibt eine Gesellschaft, die durch die Erfahrung der Migration strukturiert ist, was auch für alle aktuellen Formen der Einwanderung (wie Flucht, temporäre Migration) politisch, rechtlich und sozial bedeutsam ist. Auch wenn es schwierig ist, Postmigration im soziologischen Sinne zu definieren, so treten überall im Alltag so etwas wie postmigrantische Situationen auf, die dementsprechend die lebensweltliche Seite dieser Verhältnisse zum Ausdruck bringen: postnationale Wahrnehmungs- und Handlungsräume von Biografien, deren Selbstverhältnisse sich nicht unbedingt auf eigene Migrationserfahrungen beziehen, jedoch zwischen Mehrfachzugehörigkeiten und Mehrfachdiskriminierungen reflektiert und gelebt werden. Eine gegenwärtige Rassismusanalyse muss von dieser Realität ausgehen.
Rassismus verstehen wir als ein gesellschaftliches Verhältnis, das auf eine bestimmte Weise Menschen in hierarchische Beziehungen zueinander setzt. Der Rassismus organisiert die Gesellschaft entlang biologischer, ethnischer oder kultureller Gruppenzuschreibungen, wobei sich biologische und kulturelle Argumente häufig vermischen. Rassismus bezeichnet eine spezifische Verlaufsform sozialer Konflikte, in denen das Soziale tendenziell suspendiert wird zugunsten von Determinanten, die als dem menschlichen Handeln unzugänglich gelten wie Kultur, Biologie, Habitus.
Auch die Klärung des Verhältnisses zwischen Rassismus und rassistisch diskriminierten Menschen ist nicht einfach. Eine der großen sozialwissenschaftlichen Fragen in der internationalen Rassismusdebatte ist die,
wie Gruppen konstituiert und anschließend rassistisch marginalisiert werden. Ein Blick in die Geschichte des Rassismus macht Willkür und Variabilität rassistischer Grenzziehungen sichtbar. So hat der postkoloniale Theoretiker Paul Gilroy nachgezeichnet, wie die Aufteilung von Bevölkerungen entlang rassistischer Hierarchien immer wieder gewaltvoll durchgesetzt werden musste, weil der Rassismus sich nie auf eine "natürliche Weise" gegen bestimmte Gruppen von Menschen richtet.
[5] Denn selbst die biologistische Begründung der "White Supremacy" ("Weiße Vorherrschaft") stellt nur eine Rationalisierungslinie rassistischer Bevölkerungspolitik unter vielen dar. So argumentiert der Philosoph David Theo Goldberg, dass seit dem 19. Jahrhundert mindestens eine weitere Position neben die biologistische Auffassung der Minderwertigkeit getreten ist: der Historismus, der eine Art Pädagogisierung der "historischen Unreife" von minorisierten einheimischen Bevölkerungen anvisierte.
[6]
Eine historische Konstante ist dabei zu unterstreichen: Die rassistische Einteilung von Bevölkerungen geht mit der Einrichtung von Dominanzverhältnissen im Bereich der Arbeit und ihrer Mobilität einher.
[7] Obwohl Theoretiker wie William Edward Burghardt Du Bois, Eric Williams und Cyril Lionel Robert James bereits seit den 1930er Jahren auf den Charakter der Sklaverei und der Plantage als genuin moderne kapitalistische Ausbeutungsform hingewiesen haben, hat diese epochale Einsicht erst Ende der 1990er Jahre mit den Studien von Theodore W. Allen und Robert J. Steinfeld zur Sklaverei und unfreier Arbeitskraft Eingang in die Theoriebildung der kritischen Rassismusforschung gefunden. Allen und Steinfeld verweisen darauf, dass die "Erfindung der weißen Rasse" der Geschichte der gewaltvollen Durchsetzung einer rassistischen Segregation der Arbeitskräfte folgte. Sie kommen auf eine für die historisch fundierte Rassismustheorie entscheidende, "farbenfreie" Entdeckung: Sklaverei ist nicht das Produkt einer Ideologie des Rassismus (und der unhinterfragten Ideologie der White Supremacy), sondern im Gegenteil: Rassismus ist eine Folge der Sklaverei.
[8] Diese Erkenntnis ist wichtig, um nicht dem Kurzschluss zu erliegen, Menschen würden tatsächlich aufgrund ihrer "anderen" (in der Regel brutal "ge-
other-ten") Hautfarbe unterdrückt. Rassistische Ausschlüsse rekurrieren also auf politische und soziale Ressourcen, die unterschiedlich verteilt werden können, sie sind keine statischen Kategorien. Die Art und Weise, wie sich der Rassismus organisiert und wen er ausschließt, unterliegt historischen Veränderungen, die auch auf die Kämpfe gegen den Rassismus zurückzuführen sind.
Dies können wir auch an den aktuellen Konjunkturen des Rassismus nachvollziehen. Quer durch die Welt sind Konturen von Rassismen zu beobachten, die sich gegen Migrantinnen und Migranten und ihre Nachfahren richten. Rassismus präsentiert sich in verschiedenen, einander zum Teil überlagernden Formationen von offen rassistischer Gewalt bis hin zu subtilen Varianten eines institutionalisierten Rassismus. Mit institutionellem Rassismus werden Diskurse, Politiken und Praktiken von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Institutionen bezeichnet, die systematisch Ausgrenzung und Diskriminierung produzieren, ohne sich explizit und vorsätzlich rassistischer Begründungs- und Deutungsmuster zu bedienen. Die Hegemonie der Dominanzgesellschaft wird so sichergestellt, obwohl die Zuschreibungen und Verfahrensweisen als angemessen oder wertneutral erscheinen.
[9] Ein Beispiel hierfür ist die Orientierung der Schulen und Lehrpläne an herkunftsdeutschen Muttersprachlern. Aber auch offene rassistische Praktiken, die von Institutionen ausgehen, werden mit dem Begriff des institutionellen Rassismus bezeichnet. Dazu gehört zum Beispiel das
racial profiling, also die systematischen, verdachtsunabhängigen Kontrollen von Menschen aufgrund phänotypischer Erscheinung oder vermuteter Herkunft durch die Polizei oder die Residenzpflicht für Asylbewerberinnen und Asylbewerber.
Rassistische Strategien in der Ära der postmigrantischen Gesellschaft operieren wesentlich fluider als jene des traditionellen Rassismus, der sich auf solche naturalisierenden Kategorien wie "Rasse" berief und über die offene und strukturelle Gewalt der Segregation und der Exklusion operierte. In Deutschland ist dies auch unter anderem im Zusammenhang mit den erfolgreichen Kämpfen der Migration zu sehen: Wurde die rassistische Diskriminierung von Migrantinnen und Migranten in den Zeiten der Gastarbeiteranwerbung noch vor allem über den Ausschluss von der deutschen Staatsangehörigkeit und den damit verbundenen Rechten organisiert, so hat sich dies geändert, vor allem nachdem im Jahr 2000 das Staatsangehörigkeitsrecht reformiert wurde. Ein großer Teil der Migrantinnen und Migranten und ihrer Nachkommen verfügt nun über die deutsche Staatsangehörigkeit.
Damit haben sich auch die rassistischen Diskurse und Praktiken verändert. Wurden früher beispielsweise Kinder nichtdeutscher Staatsangehörigkeit in sogenannten Ausländerregelklassen getrennt von deutschen Kindern unterrichtet, so ist diese Klasseneinteilung spätestens mit der Änderung des Staatsangehörigkeitsrechts obsolet geworden. Nichtsdestotrotz lässt sich an vielen Schulen eine Klasseneinteilung entlang der vermuteten Herkunft der Kinder feststellen, die nun aber anders gerechtfertigt wird: beispielsweise mit der nichtdeutschen Muttersprache der Kinder oder mit organisatorischen Abläufen wie einer Klassenbildung entlang der Teilnahme am muslimischen oder evangelischen/katholischen Religionsunterricht.
[10] Ein anderes Beispiel lässt sich auf der Ebene der Europäischen Union finden: Seitdem die Arbeitnehmerfreizügigkeit auch für die Mitgliedsländer Rumänien und Bulgarien gilt, wird die Migration aus diesen Ländern über die Mobilisierung antiziganistischer Diskurse skandalisiert.
Die Rassismen der Gegenwart schwanken zwischen biologistischen und kulturalistischen Markierungen der Über- und Unterlegenheit. Sie lassen sich auch in Ideologien der Gleichheit und der Emanzipation wiederfinden.
[11] Wenn Migrantinnen und Migranten als eine Gefahr für die mühsam erkämpften Rechte von Homosexuellen stilisiert werden und Homophobie, die zweifellos gesamtgesellschaftlich weit verbreitet ist, zu einem exklusiven Problem der Migration erklärt wird, dann ist das ein Beispiel für einen Rassismus, der im Namen der (Geschlechter-)Gleichheit operiert.
[12] Wenn die Möglichkeiten des Ehegattennachzugs (beispielsweise aus der Türkei) beschränkt werden mit der Begründung eines besseren Schutzes von Migrantinnen vor Zwangsehen, so ist dies ein Beispiel für einen Rassismus der Inklusion. Diese rassistischen Diskurse und Praxen lassen sich nicht nur über binäre Differenzierungen und Prozesse der Exklusion bestimmen, sondern vor allem über neuartige Prozesse einer limitierten Inklusion: Eine neue Staatsbürgerschaft bedeutet nicht eine bedingungslose staatsbürgerliche Anerkennung für ihre Subjekte, sie kann nachträglich eingeschränkt, also auch rückgängig gemacht werden. Exemplarisch dafür steht die Praxis der Ausbürgerung, das in mehreren Bundesländern eingeführte Kopftuchverbot für Lehrerinnen oder die staatsbürgerschaftsrechtliche Debatte zum Umgang mit den Risiken der Optionspflicht für "noch deutsche" Jugendliche.
[13] Damit produziert der Rassismus eine unübersehbare Menge in sich widersprüchlicher Erfahrungen, Subjektivitäten und transversaler gesellschaftlicher Realitäten.
[14]
Hier geht`s weiter : http://www.bpb.de/apuz/180863/repraesentationspolitik-in-der-postmigrantischen-gesellschaft?p=all
http://universal_lexikon.deacademic.com/114191/Rassismus