Der Frieden, den niemand unterschrieben hat
Um 0.24 Uhr, mitten in der Nacht, erscheint auf einer Plattform namens Truth Social ein Text in Großbuchstaben. Es ist die Stunde, in der Behauptungen keinen Widerspruch dulden, weil niemand wach ist, der widerspricht. Der Präsident der Vereinigten Staaten verkündet, das von ihm eingesetzte Gremium mit dem Namen Board of Peace habe an diesem Tag eine historische Übereinkunft erzielt: die vollständige Entwaffnung der Hamas und aller bewaffneten Gruppen in Gaza. Er dankt den Vermittlern aus Ägypten, Katar und der Türkei, er dankt vor allem seinem eigenen Team, und er schließt mit einem Satz, der sich selbst applaudiert. Alle hätten gesagt, dies sei niemals zu erreichen gewesen.
Eine von Washington vermittelte Waffenruhe war 9 Monate zuvor unterzeichnet worden. Seither steckt sie in ihrer zweiten Phase fest, jener, in der es um die Waffen geht und um den Wiederaufbau. Genau dort soll nun der Durchbruch gelungen sein. Wer die Nacht abwartet und den Morgen liest, findet ein anderes Bild als jenes aus Großbuchstaben.
Wer zugestimmt hat, und wer schweigt
Am Freitag erklärt die Hamas offiziell, man habe sich auf ein Dokument geeinigt, das eine stufenweise Entwaffnung vorsehe; der genaue Fahrplan solle binnen 14 Tagen ausgearbeitet werden, überwacht von einer internationalen Instanz. Es ist die Darstellung einer Seite, die ihre eigene Erzählung führt, und sie bleibt zu prüfen wie jede. Doch dieselbe Erklärung fügt eine Bedingung an, die den ganzen Vorgang aushebelt: Kein Schritt zur Entwaffnung werde erfolgen, bevor Israel seine Truppen aus Gaza zurückgezogen habe. Die Waffenniederlegung werde ohne israelische Beteiligung vollzogen. Die Hamas ihrerseits hat Anfang des Monats erklärt, ihre Regierung in Gaza aufgelöst zu haben, um die Macht an einen von den Vereinten Nationen gestützten Fachausschuss zu übergeben; das Abkommen sieht am Ende den Wiederaufbau des zerstörten Gebiets vor. Der zugrunde liegende 20-Punkte-Plan, den ein von Washington eingesetztes Gremium überwacht, verlangt die Übergabe sämtlicher Waffen und die Zerstörung des ausgedehnten Tunnelnetzes.
Das ist nicht, was der Präsident beschreibt. In seiner Darstellung ziehen sich die israelischen Kräfte ab, während die Entwaffnung fortschreite, ein sorgsam gestufter Ablauf, an dessen Ende eine internationale Stabilisierungstruppe gemeinsam mit einer neuen palästinensischen Polizei für die Sicherheit sorge und eine technokratische Regierung Gaza übernehme. In der Darstellung der Hamas geschieht das Umgekehrte: erst der Abzug, dann die Waffen. Zwei Reihenfolgen, die einander ausschließen, und beide werden als Bestandteil desselben Abkommens ausgegeben.
kaizen-blog.org
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Um 0.24 Uhr, mitten in der Nacht, erscheint auf einer Plattform namens Truth Social ein Text in Großbuchstaben. Es ist die Stunde, in der Behauptungen keinen Widerspruch dulden, weil niemand wach ist, der widerspricht. Der Präsident der Vereinigten Staaten verkündet, das von ihm eingesetzte Gremium mit dem Namen Board of Peace habe an diesem Tag eine historische Übereinkunft erzielt: die vollständige Entwaffnung der Hamas und aller bewaffneten Gruppen in Gaza. Er dankt den Vermittlern aus Ägypten, Katar und der Türkei, er dankt vor allem seinem eigenen Team, und er schließt mit einem Satz, der sich selbst applaudiert. Alle hätten gesagt, dies sei niemals zu erreichen gewesen.
Eine von Washington vermittelte Waffenruhe war 9 Monate zuvor unterzeichnet worden. Seither steckt sie in ihrer zweiten Phase fest, jener, in der es um die Waffen geht und um den Wiederaufbau. Genau dort soll nun der Durchbruch gelungen sein. Wer die Nacht abwartet und den Morgen liest, findet ein anderes Bild als jenes aus Großbuchstaben.
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Wer zugestimmt hat, und wer schweigt
Am Freitag erklärt die Hamas offiziell, man habe sich auf ein Dokument geeinigt, das eine stufenweise Entwaffnung vorsehe; der genaue Fahrplan solle binnen 14 Tagen ausgearbeitet werden, überwacht von einer internationalen Instanz. Es ist die Darstellung einer Seite, die ihre eigene Erzählung führt, und sie bleibt zu prüfen wie jede. Doch dieselbe Erklärung fügt eine Bedingung an, die den ganzen Vorgang aushebelt: Kein Schritt zur Entwaffnung werde erfolgen, bevor Israel seine Truppen aus Gaza zurückgezogen habe. Die Waffenniederlegung werde ohne israelische Beteiligung vollzogen. Die Hamas ihrerseits hat Anfang des Monats erklärt, ihre Regierung in Gaza aufgelöst zu haben, um die Macht an einen von den Vereinten Nationen gestützten Fachausschuss zu übergeben; das Abkommen sieht am Ende den Wiederaufbau des zerstörten Gebiets vor. Der zugrunde liegende 20-Punkte-Plan, den ein von Washington eingesetztes Gremium überwacht, verlangt die Übergabe sämtlicher Waffen und die Zerstörung des ausgedehnten Tunnelnetzes.
Das ist nicht, was der Präsident beschreibt. In seiner Darstellung ziehen sich die israelischen Kräfte ab, während die Entwaffnung fortschreite, ein sorgsam gestufter Ablauf, an dessen Ende eine internationale Stabilisierungstruppe gemeinsam mit einer neuen palästinensischen Polizei für die Sicherheit sorge und eine technokratische Regierung Gaza übernehme. In der Darstellung der Hamas geschieht das Umgekehrte: erst der Abzug, dann die Waffen. Zwei Reihenfolgen, die einander ausschließen, und beide werden als Bestandteil desselben Abkommens ausgegeben.
Der Frieden, den niemand unterschrieben hat
Um 0.24 Uhr, mitten in der Nacht, erscheint auf einer Plattform namens Truth Social ein Text in Großbuchstaben. Es ist die Stunde, in der Behauptungen keinen Widerspruch dulden, weil niemand wach ist, der widerspricht. Der Präsident der Vereinigten Staaten verkündet, das von ihm eingesetzte...
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