Späte Abrechnung mit Assads Folterapparat: Warum der Wiener Prozess historisch ist
In der ersten Gerichtswoche erkannte Ex-Assad-General Khaled Al Halabi ein Folterwerkzeug in seiner Dienststelle nicht wieder. Er warf Zeugen vor, Vorwürfe für bessere Asylchancen erfunden zu haben
Khaled Al Halabi wird seit Montag in Handschellen am Wiener Landesgericht vorgeführt. Der ehemalige Geheimdienstgeneral des syrischen Assad-Regimes, der sich vor einem Gericht in Europa verantworten muss, hielt sein Gesicht beim Eintreten stets hinter einer Mappe verborgen.
Kaum eine Szene beschreibt, wie symbolträchtig dieses Verfahren ist, wie folgende vom Sommer 2021: Da war der Sturz des Assad-Regimes noch fern. Dennoch sammelten weltweit Forscher und Anwältinnen – viele aus Syrien – unermüdlich Beweise gegen die Machthaber und ihre Schergen. Eines der Teams tastete sich damals, unter falschem Namen, an den syrischen Ex-Geheimdienstbeamten Amjad Youssef heran.
Stolz auf Massaker
Die Forscher hatten herausgefunden, dass Youssef hinter dem Tadamon-Massaker in Damaskus, bei dem 2013 mindestens 288 Zivilisten vor laufender Kamera hingerichtet wurden, stecken könnte. In einem Videocall mit den Forschern plauderte Youssef offen aus, dass er "viele, sehr viele" Menschen getötet habe – und stolz darauf sei.
Seine Unverhohlenheit zeugt von der Straffreiheit, in der sich das brutale Regime und sein Apparat lange wähnten. Dabei war in Deutschland kurz zuvor, im Februar 2021, mit der Verurteilung des syrischen Geheimdienstbeamten Eyad al-Gharib wegen Folter gerade der erste Schuldspruch gegen einen Regimevertreter gefallen.
In der ersten Gerichtswoche erkannte Ex-Assad-General Khaled Al Halabi ein Folterwerkzeug in seiner Dienststelle nicht wieder. Er warf Zeugen vor, Vorwürfe für bessere Asylchancen erfunden zu haben
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