Die Maschine bekam Daten, deren Verlässlichkeit Menschen hätten prüfen müssen. Die letzte Verantwortung lag weiterhin beim Militär.
Unter Verteidigungsminister Pete Hegseth waren die personellen Mittel zum Schutz von Zivilisten zuvor drastisch gekürzt worden. Nach Angaben von Beteiligten an der Untersuchung schrumpften mehrere zuständige Arbeitsgruppen um rund 90 Prozent auf insgesamt weniger als 20 Beschäftigte. Beim US Central Command blieb von 10 Mitarbeitern noch 1. Niemand aus dieser Fachgruppe prüfte das Ziel in Minab vor dem Angriff. Eine solche Prüfung war nicht vorgeschrieben, hatte sich in den vergangenen Jahren jedoch eingebürgert. Ob sie die Katastrophe verhindert hätte, lässt sich nicht feststellen.
Am Morgen des 28. Februar holten Eltern ihre Kinder bereits aus der Schule ab, nachdem Meldungen über Angriffe eingegangen waren. Kurz nach 11 Uhr schlug die erste Rakete ein. Lehrkräfte brachten Kinder vom Hof in einen Gebetsraum. Wenige Minuten später traf die 2. Rakete. Das Dach stürzte teilweise ein. Nur wenige Kinder überlebten im Gebetsraum unter den Trümmern. Manche Eltern konnten ihre Kinder später allein anhand von Kleidungsstücken identifizieren. Den 7-jährigen Arash Gol-Azin erkannte sein Vater in der Leichenhalle an einer Socke.
Vor dem Abschuss hatten nach Angaben der Ermittlungsbeteiligten ungefähr 36 Menschen an der militärischen Zielprüfung mitgewirkt. Sie endete mit der Freigabe durch einen ranghohen Befehlshaber. Der Standort sei ein rechtmäßiges Ziel, die Erkenntnisse seien ausreichend und zum Schutz von Zivilisten seien angemessene Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden. So lauteten die Antworten, die ihm vorlagen. Die Ermittler kamen später zu dem Schluss, dass entlang der gesamten Entscheidungskette große Gewissheit über die falsche Einstufung des Gebäudes geherrscht habe. Ein beteiligter Pentagon-Beamter räumte ein, Minab habe gezeigt, dass man sich seiner Erkenntnisse niemals zu sicher sein dürfe.
Die unabhängige Untersuchungskommission der Vereinten Nationen zu Iran stellte inzwischen fest, die USA hätten ihre Pflicht verletzt, alle praktisch möglichen Maßnahmen zur Überprüfung des Ziels zu ergreifen. Dieses Versäumnis gehe über Fahrlässigkeit hinaus. Für den Angriff auf die Schule und einen weiteren amerikanischen Angriff vom selben Tag gebe es hinreichende Gründe für die Annahme von Kriegsverbrechen. Admiral Brad Cooper, der die Untersuchung anordnete, versprach dem Kongress im Mai Transparenz. Der Bericht ist seit Monaten nahezu fertig, wurde aber noch immer nicht veröffentlicht. Das Pentagon verweist weiterhin auf laufende Ermittlungen. Auch auf Fragen von mehr als 120 Abgeordneten zur Rolle künstlicher Intelligenz steht eine öffentliche Antwort aus. Senator Jack Reed wirft dem Ministerium vor, die Untersuchungsergebnisse bewusst zurückzuhalten. Der republikanische Senator Thom Tillis verlangt ebenfalls eine Unterrichtung des Kongresses.
Im Pentagon ist die Akte noch nicht geschlossen. In Minab haben die Familien ihre Kinder längst begraben.
Sie haben keine Berechtigung Anhänge anzusehen. Anhänge sind ausgeblendet.