„America First“ – nur nicht für Amerikas Viehzüchter: Trumps Billigfleisch-Plan bringt selbst Republikaner gegen ihn auf
Donald Trump will die hohen Rindfleischpreise in den USA drücken und dafür 300.000 Tonnen Rindfleisch zollfrei aus dem Ausland holen. Das importierte Fleisch werde rund 25 Prozent günstiger sein als die derzeitigen Preise, verspricht der Präsident. Für amerikanische Verbraucher klingt das zunächst verlockend, denn ein Pfund Hackfleisch kostet inzwischen durchschnittlich rund 6,89 Dollar, etwa drei Dollar mehr als vor zehn Jahren.
Doch ausgerechnet unter Trumps eigenen Wählern auf dem Land wächst der Ärger. Jim Richardson ist 77 Jahre alt, betreibt im texanischen Georgetown eine Ranch mit rund 100 Rindern und verkauft sein hormon- und antibiotikafreies Fleisch auf Bauernmärkten und an Restaurants. Seine Einnahmen sind bereits zurückgegangen, während Verarbeitung, Diesel, Etiketten, Verpackungen, Arbeitskräfte und Strom immer teurer wurden. Richardson musste seine Preise deshalb verdoppeln. Nun soll er zusätzlich gegen billigeres Importfleisch antreten. Der Mann bezeichnet sich selbst als konservativ und hat Trump 2024 gewählt. Heute sagt er, er sei „enttäuscht“. Was ihm vor allem fehlt, ist Stabilität statt ständig neuer wirtschaftlicher Entscheidungen, deren Richtung sich innerhalb kurzer Zeit wieder ändern kann. Richardson fürchtet außerdem, dass Kunden automatisch zum billigeren Fleisch greifen, obwohl Produktionsbedingungen und der Einsatz von Antibiotika oder anderen Mitteln im Herkunftsland völlig anders sein könnten. Sein Ärger ist kein Einzelfall. Landwirtschaftsverbände und republikanische Politiker aus mehreren Bundesstaaten warnen inzwischen offen davor, dass Trump genau jene amerikanischen Produzenten unter Druck setzt, die er seit Jahren zu seinen treuesten Unterstützern zählt
Die Zahl der Rinder in den USA ist bereits historisch niedrig, extreme Wetterlagen belasten die Betriebe zusätzlich und Trumps Handelskonflikte haben Kosten und Unsicherheit weiter erhöht. Garrett Hawkins vom Landwirtschaftsverband Missouri sagt, die neuen Importe würden das Vertrauen in den Markt weiter beschädigen. Vor allem lösen sie nach seiner Ansicht die Ursachen hoher Lebensmittelpreise nicht, sondern schieben die Verantwortung auf amerikanische Bauern und Viehzüchter. Trump hält dagegen. Er liebe die Rancher, sagte er am Freitag, doch auch diese würden zugeben, dass Hilfe nötig sei, um die Preise zu senken. Genau deshalb werde nun importiert. Politisch ist dabei ein Detail kaum zu übersehen: Die zollfreie Einfuhr ist zunächst für 90 Tage vorgesehen und endet damit erst nach den Zwischenwahlen.
In Iowa, wo ein besonders knappes Senatsrennen erwartet wird, ist Trumps Entscheidung bereits zum Wahlkampfthema geworden. Die republikanische Kandidatin Ashley Hinson nennt die Importe eine „schlechte Idee“, die den Landwirten noch mehr Unsicherheit bringe. Ihr demokratischer Gegner Josh Turek spricht von einem weiteren Schlag gegen Viehzüchter, die bereits unter Zöllen und den durch den Iran-Krieg gestiegenen Dieselpreisen leiden. Besonders deutlich wird der republikanische Abgeordnete Dawson Holle aus North Dakota. Er unterstützt Trump weiterhin, sagt aber ebenso klar, dass Unterstützung für einen Präsidenten nicht bedeute, bei einer falschen Entscheidung zu schweigen. Sein Satz trifft Trumps Problem ziemlich genau: „Man stellt Amerika nicht an erste Stelle, indem man amerikanische Viehzüchter an die zweite setzt.“ Trump möchte den Wählern vor den Zwischenwahlen billigeres Rindfleisch präsentieren. Dafür lässt er ausgerechnet jene Bauern gegen ausländische Konkurrenz antreten, denen er jahrelang versprochen hat, dass unter „America First“ zuerst sie geschützt würden.
Unsere Recherchen decken auf, dass ... Trump, der in seiner gesamten Wirtschaftspolitik den Klimawandel kategorisch ausklammerte, hat den amerikanischen Rinderzüchtern einen doppelten Schlag versetzt. Während große Teile des Landes von immer heftigeren Dürren heimgesucht wurden, verteuerte seine...
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