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Vorgezogene Parlamentswahlen 2026 in Serbien🇷🇸

Malarina, großartig wie immer

Nachdem euch der Brasilien Text so gut gefallen hat und es momentan auch in Serbien (wie eh fast immer) politisch drunter und drüber geht, habe ich mich gefragt: Welcher österreichische Politiker oder Politikerin würde sich eigentlich in einem serbischen Wahlkampf am besten schlagen?

Weil Österreich und Serbien politisch schon einiges gemeinsam haben. In beiden Ländern ist Korruption etwas ganz Schlimmes, wenn man zu schlecht vernetzt ist, um an ihr beteiligt zu werden. Aber der serbische Wahlkampf ist schon eine andere Liga.
Im Österreichischen Wahlkampf geht es irgendwo darum, so viel Negatives am eigenen Land zu finden wie möglich. In Serbien musst du zuerst einmal beweisen, dass du Serbien liebst. Nicht so: “Ja, ich empfinde eine tiefe Verbundenheit mit diesem Land.“ Nein. Das reicht nicht. Du musst Serbien lieben, als wäre es gleichzeitig deine Mutter, dein Vater, deine Frau, dein Ehemann, dein ungeborenes Kind und ein Grundstück, um das du seit 1997 mit deinem Onkel vor Gericht streitest.

In Österreich musst du vermitteln, dass das Land vor die Hunde geht. In Serbien, dass das Land das großartigste Land der Welt ist, gegen das sich Mächte von außen verschworen haben.

Andreas Babler hätte wohl auch in Serbien okaye Chancen, aber nicht aus denselben Gründen wie in Brasilien. Babler kommt aus Traiskirchen. Das ist schon einmal perfekt. Einer vom Land, einer, der mit schlechter Infrastruktur aufwachsen musste, einer, der uns versteht, einer von uns. Serben vertrauen Politikern, bei denen man das Gefühl hat: Der kennt jemanden, der einen Bagger hat. Babler würde in Serbien schon funktionieren. Der kommt nach Šumadija, krempelt die Ärmel hoch und sagt: “Ich komme aus einfachen Verhältnissen.“ Und 14 serbische Großmütter gleichzeitig: “BRAVO SINEEEE!” Sein größtes Problem wäre natürlich die Sozialdemokratie. Er müsste erklären: “Ich möchte Vermögen stärker besteuern.“ Serbien so: “Bruder, welches Vermögen?“ “Große Vermögen.“ “Ah, also das von den Anderen?“ “Ja.“ “BRAVO, SINE! NIMM IHNEN ALLES!“ Aber Babler würde irgendwann einen entscheidenden Fehler machen. Er würde versuchen, über Inhalte zu reden. Das ist im serbischen Wahlkampf ein Anfängerfehler. Da kommt er mit: “Wir müssen über Kinderbetreuung sprechen.“ Und Vučić sagt: “KOSOVO.“ Babler: “Ja, aber die Kindergärten“ “KOSOVO.“ “Die Inflation“ “KOSOVO.“ “Pflege“ “KOSOVO.“ Nach drei Wochen sagt Babler selbst: “Kindergärten. Kosovo. Hacklerregelung. Kosovo. Vermögenssteuer. Kosovo…“

Beate Meinl-Reisinger hätte es wesentlich schwerer als Babler- Beate kommt nach Serbien und sagt: “Wir müssen endlich den Liberalismus stärken.“ Und Serbien: “WEN?“ “Den Liberalismus.“ Sie würde versuchen, den Leuten zu erklären, dass wir weniger Staat brauchen. Das kannst du einem Serben nach gefühlt 50 Jahren Vucic nicht erklären. Der Serbe will nicht weniger Staat. Er will einen Staat, der sich aus seinem Leben raushält, aber gleichzeitig persönlich dafür sorgt, dass sein Sohn einen Job bei der Gemeinde bekommt. Das ist ein komplett anderes Staatsverständnis. Der serbische Liberalismus ist: Der Staat soll sich nicht einmischen – außer ich kenne jemanden dort. Sich für Bildung einzusetzen und mit den Studierenden zu verbünden, würde sie außerdem schnell zur Staatsfeindin machen. Sogar von Novak Djokovic hat sich die serbische Regierung distanziert, weil er es wagte sich mit den Studentenprotesten zu solidarisieren und Djokovic ist in Serbien quasi Jesus.


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