Aktuelles

Wirtschaft EU

Industrie will Barrieren
Importe aus China als EU-Balanceakt
Während die europäische Wirtschaft mit Problemen kämpft, wird in der EU mehr und mehr aus China importiert. Mit den auch durch staatliche Förderungen geschaffenen niedrigeren Preisen kann die EU-Wirtschaft nicht mithalten. Die EU-Kommission will nun gegenwirken und erwägt Handelsbarrieren. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen steht die schwierige Aufgabe bevor, jene EU-Länder auf ihre Seite zu ziehen, die einen Handelsstreit fürchten und ihre Beziehungen zu China gefährdet sehen.

Am Freitag berieten die EU-Kommissarinnen und EU-Kommissare über mehrere Möglichkeiten, Importe aus China zu beschränken. Der derzeitige Stand der Handels- und Investitionsbeziehungen sei „nicht nachhaltig“, erklärte die EU-Kommission nach der Sitzung. „Die heutige Debatte sollte den wachsenden Konsens in Europa über die Notwendigkeit bestätigen, auf den China-Schock 2.0 zu reagieren“, sagte der französische EU-Industriekommissar Stephane Sejourne gegenüber dem Nachrichtenportal Politico.

Er forderte Schutzzölle für ganze Branchen nach dem Vorbild der Elektroautos. Sejourne verwies zudem auf bestehende Vorgaben für wichtige Rohstoffe, die künftig nicht mehr zu mehr als 60 Prozent aus einem einzigen Staat kommen sollen. Sein Land führt Bemühungen an, die europäischen Betriebe vor einer Marktüberschwemmung mit günstigeren Waren aus China zu schützen. Frankreich ging bereits rigoros gegen die chinesische Plattform Shein vor.

 
Hat Europa schon gegen die USA und China verloren, Herr Holzner?
Der Chef des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche schreibt Europas Wirtschaft trotz aller Unkenrufe nicht ab – und sieht einen klaren Grund, warum die Krise Österreich besonders hart trifft

Im Vergleich zu den USA und China scheint Europa wirtschaftlich ins Hintertreffen zu geraten – zumindest entsteht oft dieser Eindruck. Doch stimmt das? Welche Maßnahmen braucht es? Und warum steckt Österreich besonders tief in der Krise? Antworten von Mario Holzner, Chef des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW).

STANDARD: Herr Holzner, die USA haben die KI, die Chinesen haben noch dazu die Industrie. Was hat eigentlich Europa?

Holzner: In Europa gibt es nicht nur ebenfalls Industrie, es ist sogar die mitunter qualitativ beste global. Das gilt insbesondere für die Bereiche Maschinen, chemische Industrie und pharmazeutische Erzeugnisse. In diesen Sektoren führt zumindest kurz- und mittelfristig kein Weg an Europa vorbei – auch wenn China inzwischen qualitativ in Segmente hineinrückt, wie es vor einem Jahrzehnt nicht der Fall war. Anders ist die Lage allerdings bei KI: Europa ist im gesamten Digitalbereich nicht federführend. Aber selbst hier muss man relativieren: Bei der Implementierung von KI in der höherwertigen mechanischen und industriellen Produktion gibt es für Europa gute Möglichkeiten. Viele Firmen auf dem Kontinent sind an dieser Schnittstelle unterwegs.

STANDARD: In der politischen und öffentlichen Debatte herrscht oft der Eindruck, Europa habe bereits gegen seine wirtschaftlichen Rivalen verloren oder sei gerade dabei. Man muss sich ja nur die E-Autos aus China anschauen: Dagegen ist die europäische Verbrennertechnologie aus der Zeit gefallen.

Holzner: Im Bereich Automobilindustrie hat man – besser gesagt: hat im Wesentlichen die deutsche Autoindustrie – den Trend verschlafen. Da geht es nicht nur um die Frage Verbrenner oder E-Auto, sondern auch darum, dass chinesische Autos viel mehr Unterhaltungselektronik beinhalten. Sie sind quasi ein Gesamtkunstwerk, das dem Geschmack jüngerer Generationen mehr entspricht als europäische Modelle, insbesondere in Asien, aber auch global. Aber ich würde die europäische Automobilindustrie nicht abschreiben: Es sind noch immer starke Marken; interessanterweise legen sich vor allem reiche Chinesen gern ein deutsches Luxusauto als Zweitwagen zu.

 
Eurozone: Industriestimmung trübte sich weniger ein als erwartet
Einkaufsmanagerindex fiel im Mai um 0,6 Punkte auf 51,6 Punkte. Stimmungsbild in Eurozone ist höchst unterschiedlich

Die Stimmung in den Industrieunternehmen der Eurozone hat sich im Mai weniger eingetrübt als erwartet. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex fiel um 0,6 Punkte auf 51,6 Punkte, wie S&P Global mitteilte. Belastet wird die Industrie durch die Auswirkungen des Iran-Kriegs.

Der Stimmungsindikator lag trotz des Dämpfers weiter über der sogenannten Wachstumsschwelle von 50 Punkten."Obwohl die Hersteller im Euroraum im Mai zum vierten Mal in Folge ein Wachstum verzeichneten, zeigt der Sektor Anzeichen dafür, dass er unter der Last steigender Preise und Lieferengpässen leidet, die auf den Krieg im Nahen Osten zurückzuführen sind", kommentierte Chris Williamson, Chefökonom bei S&P Global.

In der Eurozone ist das Bild gemischt. In Deutschland gab der Indikator nach und liegt nur noch knapp über der Wachstumsschwelle. In Frankreich fiel die Stimmung kräftig, ebenso in Spanien. In Italien verbesserte sich die Stimmung in der Industrie unerwartet. (APA, 1.6.2026)


 
Hohe Inflation
EZB-Zinsanhebung praktisch fix
In Österreich ist die Inflation schon seit März über der Dreiprozentmarke. Im Mai, so die Daten der Schnellschätzung vom Dienstag, stieg die Teuerung im gesamten Euro-Raum auf den höchsten Wert seit Herbst 2023. Bereits davor war – wegen des durch den Iran-Krieg ausgelösten Preisschubs – der Druck auf die EZB, den Leitzins anzuheben, groß. Nun ist eine Anhebung nächste Woche praktisch unausweichlich, so die einhellige Meinung von Analystinnen und Analysten.

Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Mai um durchschnittlich 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. In Österreich, wo die Teuerung im Jänner nach mehreren Jahren praktisch genau auf den Euro-Zone-Schnitt gesunken war (2,0 vs. 1,9 Prozent), stieg die Teuerung im Mai laut Schnellschätzung sogar auf 3,7 Prozent.

3,2 Prozent bedeuten den höchsten Wert in der Euro-Zone seit September 2023. Im April war die Inflation bereits auf 3,0 Prozent geklettert. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht sich mit einem starken Preisauftrieb konfrontiert. Sie hält eine Teuerung von 2,0 Prozent mittelfristig für ideal für die Konjunktur.

Erstmals seit Herbst 2023
„Die EZB ist bereits auf dem Sprung, die Leitzinsen in der nächsten Woche anzuheben“, sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Auch der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg erwartet, dass die EZB bei der Zinssitzung am Donnerstag kommender Woche den Leitzins erstmals seit September 2023 anheben wird. Das bedeutet, dass es, sofern man nachfragt, etwas mehr Geld für Erspartes geben könnte. Gewiss ist, dass die Zinsraten für Kredite, insbesondere Wohnen, steigen werden.

 
Erstmals seit drei Jahren
Europäische Zentralbank hebt Leitzins an
Vor dem Hintergrund wachsender Inflationsraten wegen des Iran-Krieges hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag die Leitzinsen zum ersten Mal seit fast drei Jahren wieder angehoben. Der Einlagenzinssatz steigt damit wie von vielen Fachleuten erwartet von 2,0 auf 2,25 Prozent. Die Inflation im Euro-Raum war zuletzt laut Schnellschätzung im Mai auf über drei Prozent gestiegen, den höchsten Wert seit Herbst 2023. Die EZB hält eine Teuerung von zwei Prozent mittelfristig für ideal für die Konjunktur.

Über den auch für die Sparer wichtigen Einlagenzinssatz steuert die Geldpolitik maßgeblich ihre Geldpolitik. Zuletzt hatten die Währungshüter im September 2023 die Zinsen heraufgesetzt. Die hohen Energiekosten durch den Iran-Krieg und die dadurch gestiegene Teuerung hatten den Schritt nun notwendig gemacht. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen rechnen für September mit einer weiteren Zinsanhebung.

Hinsichtlich der weiteren Inflationsentwicklung erwartet die Notenbank im wahrscheinlichsten Szenario für dieses Jahr eine Teuerungsrate von durchschnittlich 3,0 Prozent für den Euro-Raum. Der Wert liegt deutlich über der mittelfristig angepeilten Marke von 2,0 Prozent, bei der die EZB mit Sitz in Frankfurt am Main ihr wichtigstes Ziel gewahrt sieht: für einen stabilen Euro zu sorgen und so die Kaufkraft der Menschen zu erhalten.

 
Grünes Licht für Umsetzung des Zolldeals mit USA
Die Umsetzung der Zollvereinbarung zwischen der EU und den USA aus dem vergangenen Jahr hat die letzte politische Hürde genommen: Das Europaparlament stimmte heute in Straßburg dafür, europäische Zölle auf US-Industriewaren wie Autos und Maschinen zeitweise abzuschaffen.

Der Rat der EU-Länder muss nun formal grünes Licht geben, das dürfte vor einer von US-Präsident Donald Trump gesetzten Frist am 4. Juli abgeschlossen sein.

Die Zollabschaffung soll mit Inkrafttreten des Gesetzes greifen und am 31. Dezember 2029 auslaufen. Sie ist das Kernstück der Vereinbarung zwischen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump vom vergangenen August. Der US-Präsident versprach im Gegenzug, auf die meisten EU-Produkte maximal einen Zoll von 15 Prozent zu erheben.

 
Eurozone: Konjunktur erholt sich dritten Monat in Folge
Die Aufhellung in der deutschen Industrie bringt Rückenwind, die hohen Erzeugerpreise belasten jedoch, Autobauer leiden unter Strukturwandel

Es geht wieder ein wenig aufwärts mit der Konjunktur in der Eurozone. Finanzmarktexperten bewerten die konjunkturelle Entwicklung im Euroraum nämlich erneut positiver. Der von Sentix erhobene Konjunkturindikator legte im Juli um 10,3 Punkte auf minus 3,1 Punkte zu, wie das Analyse-Institut am Montag mitteilte. Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf minus 10,0 Punkte gerechnet.

Bereits im Mai und Juni hatte sich der Indikator erholt. Im März und April hatten die Auswirkungen des Iran-Kriegs und der sprunghafte Anstieg der Rohölpreise den Indikator noch stark unter Druck gesetzt. "Rückenwind liefert die deutliche Aufhellung der deutschen Konjunktur", heißt es. "Die neuesten politischen Maßnahmen scheinen bei den Anlegern Eindruck zu machen." In Deutschland verbesserte sich der Indikator von minus 28,5 auf minus 19,4 Punkte.

Industrie mit mehr Aufträgen
Angetrieben von Großaufträgen für Flugzeuge, Züge und Rüstungsgüter hat die deutsche Industrie im Mai wieder Tritt gefasst. Das Neugeschäft wuchs um insgesamt 1,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Damit wurde der Dämpfer vom April (minus 3,2 Prozent) teilweise wettgemacht, obwohl die für die deutsche Wirtschaft zentrale Autoindustrie erneut weniger Aufträge erhielt.

 
EU-Parlament stimmt für Einführung des digitalen Euro
Das Europäische Parlament hat am Donnerstag in Straßburg für die Aufnahme der sogenannten Trilog-Verhandlungen mit den anderen EU-Institutionen über den digitalen Euro gestimmt. Der digitale Euro soll das Bargeld nicht ersetzen und Europa vor allem von US-Zahlungsdienstleistern unabhängiger machen.

Derzeit dominieren vor allem US-Anbieter wie Paypal, Mastercard und Visa den Markt für digitale Zahlungen in Europa. Mit einem digitalen Euro wollen die Euro-Notenbanken ihnen ein europäisches Angebot entgegensetzen.

Das Zahlungsmittel soll sowohl online als auch offline genutzt werden können und mit modernen Datenschutztechnologien funktionieren. Grundlegende Dienstleistungen wie die Kontoeröffnung und die Verwaltung von Guthaben sollen kostenlos sein. Die meisten Unternehmen wären nach Willen der Abgeordneten verpflichtet, den digitalen Euro zu akzeptieren. Ausnahmen sollen es für Selbstständige sowie kleine und Kleinstunternehmen geben.

Pilotprojekt 2027 angepeilt

 
Rütteln an Tabu in der Autoindustrie
Die europäische Autoindustrie steckt in einer tiefen Krise. Der größte Hersteller Volkswagen (VW) streicht seine Modellpalette zusammen, wie der deutsche Konzern am Donnerstag mitgeteilt hatte. Weitere Sparmaßnahmen, die Streichung Zehntausender Stellen und Werksschließungen sind im Gespräch. Viele Fragen dazu blieben bisher offen. Die Lage ist jedenfalls ernst genug für einen möglichen Tabubruch: produzieren in Europa für den Rivalen China.

Bei VW hatte am Donnerstag der Konzernvorstand dem Aufsichtsrat sein Zielbild für 2030 präsentiert, die Modellpalette soll längerfristig um 50 und die Zahl der Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent reduziert werden. Zu schon länger kolportierten Plänen für einen Abbau von bis zu 100.000 Stellen weltweit und die Schließung von vier Werken in Deutschland äußerte sich der Konzern nicht.

Der größte deutsche Pkw-Hersteller ist mit seinen Problemen allerdings nicht allein. Das deutsche „Handelsblatt“ hatte am Mittwoch mit Verweis auf eine Analyse der US-Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) berichtet, zahlreiche Produktionsstandorte in Europa dürften „wegen massiver Überkapazitäten vor dem Aus stehen“. Im Schnitt seien die Werke „nur zu 59 Prozent ausgelastet“. Damit sie sich rechneten, müssten sie eine Auslastung von „etwa 80 Prozent“ haben. Die Überkapazitäten entsprächen der Produktionskapazität von bis zu 90 Standorten in ganz Europa.

Knackpunkt Auslastung
Gleichfalls noch vor den Hiobsbotschaften aus dem Haus VW hatte am Mittwoch der deutsche Nachrichtensender NTV das Stichwort Auslastung aufgegriffen und die Frage gestellt: „Produzieren Chinesen bald in deutschen Werken?“ Personalabbau allein „löst die Krise nicht“, hinter den Kulissen gewinne deshalb diese „Idee an Gewicht, die lange undenkbar schien“. E-Autos chinesischer Hersteller „könnten künftig in deutschen Fabriken gebaut werden“.

 
EU-Kommission prüft Porta-Übernahme durch XXXLutz
Die Europäische Kommission untersucht die Übernahme von Porta durch den österreichischen Möbelriesen XXXLutz wegen möglicher Verstöße gegen EU-Wettbewerbsrecht. Konkret stehen die Unternehmen im Verdacht, mit der Durchführung der Übernahme nicht abgewartet zu haben, bis eine Genehmigung dafür vorlag, teilten die Brüsseler Wettbewerbshüter gestern mit.

Die geplante Transaktion zwischen XXXLutz und Porta wurde Anfang Jänner 2025 öffentlich bekanntgegeben, bei der EU-Kommission bisher aber nicht förmlich angemeldet. „Nach vorläufiger Einschätzung der Kommission hat diese Transaktion eine EU-weite Bedeutung und wäre der Kommission zu melden“, heißt es in der Mitteilung. Das wäre eine Zuwiderhandlung gegen die EU-Fusionskontrollverordnung.

Verstoß gegen Stillhalteverpflichtung möglich
Bis zur Freigabe dürfen die beteiligten Unternehmen laut EU-Regeln keine Maßnahmen ergreifen, die zu einem faktischen Kontrollwechsel führen – etwa die Abstimmung von Geschäftsabläufen oder den Austausch sensibler und wettbewerbsrelevanter Informationen.

 
Zurück
Oben