Ich habe mir bis heute wirklich überlegt, ob ich dieses Erlebnis erzählen sollte.Am Ende habe ich mich dazu durchgerrungen. Weil, was ich erlebt habe ging mir hinterher gründlich unter die Haut.
Es war 2013 im August. Nach meinem Strandurlaub in Manavgat mit Kumpels, zwischen Side und Alanya, war ich auf der Durchreise über Ankara zur Heimatprovinz Kastamonu. Im Dorf angekommen wurde ich schon von Verwandten und Bekannten gleich herzlich empfangen. Die fünf Tage dort in der unberührten Natur gaben mir Kraftdoping für ein ganzes Jahr. Ich reise jedes Jahr gerne dorthin und einige User aus dem Forum wissen einigermaßen, wie fantastisch schön dort ist. Tagsüber ist es wie im Paradies. Nachts ist man in der Dunkelheit jedes wildem Getier( Bären, Wölfe,Schakale) ausgesetzt wenn man nicht aufmerksam im Freiem ist. So schön und auch so abgeschieden ist unser Heimatdorf.
In dem abgeschiedenen Dorf habe ich tagelang alleine übernachtet. Auch die Geistererzählungen von unseren älteren Dorfgenossen hatten mich damals mehr amüsiert als mir ein Schauer zu jagen.
Ein Tag vor meiner Heimreise nach Istanbul, musste ich das Dorf verlassen um mein Onkel, der am Küstenort wohnt, zu besuchen. Einfach " Hallo" sagen und Güle Güle ging garnicht. Daher habe ich bei meinem Onkel übernachtet bevor ich am nächsten Tag die Heimreise nach Istanbul antrat.
Mein Onkel hat dort ein sehr schönes dreistöckiges Haus, Platz genug um eine ganze Sippe zu beherbergen.
Nach dem vorzüglichen Abendessen musste ich mich früh Schlafen legen, um früh aufzustehen und später dem Verkehr in Istanbul nicht gefangen zu sein.
Nach dem wir uns Gute nacht gewünscht hatten, ging ich rauf in den zweiten Stock.
Ich habe immer die Angewohnheit, da wo ich schlafe mache ich die Tür immer zu, egal wo. Diese Tür hatte die unangenehme Eigenschaft , daß sie sowohl schwer als auch zu ging. Anscheinend war der Türrrahmen nach dem letzten Erdbeben ein wenig verzogen.
So richtig einschlafen konnte ich dennoch nicht. Ging raus eine Rauchen und schaute mir die Aussicht von seinem Grundstück aus die halbe nacht lang an. Aus der Anhöhe, wo sein Haus steht, hat man den gesamten Küstenort im Blick.
So gegen 2 Uhr Nachts legte ich mich Schlafen.
Ich weiß nicht wie spät es war, aber mit einem lauten Knartschen ging die Tür auf. Ich hebte leicht mein Kopf um zu sehen, wer mich in meiner nächtlichen Ruhe störte. Die Hand am Türgriff
festhaltend schaute mich die Person an. Ob es eine Person war, weiß ich bis heute nicht. Der schaute nicht, der starrte mich aus seinen Augenhöhlen an. Ich konnte kaum Gesichtszüge erkennen; zwei schwarze Löcher als Augen und ein dünner Schlitz als Mund.
Ich dachte in dem Moment : na typisch ,wie es in der Familie nur sein kann. Der Kontrollwahn, wie bei meiner Mutter als ich noch zu Hause wohnte, scheint bei meinem Onkel auch ausgeprägt zu sein, in dem er denken musste, daß ich einschlief, während der Fernseher weiterlief. Nach einem Seufzen legte ich mich wieder schlafen, um mein Onkel am nächsten morgen zur Rede zu Stellen, was der dämliche Kontrollgang Spätnachts soll. Meine Tante und er guckten sich verdutzt an, bis meine Tante meinte, daß mein Onkel die ganze Nacht nicht einmal aufgestanden wäre.
"Was meinst du damit, er ist nicht während der Nacht aufgestanden? Die Tür, die schwer auf und zu geht ging in der Nacht mit einem lauten Knall auf steht immer noch, wie aus den angeln gerissen weit auf" meckerte ich erbost. Meine Tante und mein Onkel guckten sich diesmal gegenseitig ernst an, als ob sie von mir was verschweigen würden.
Vor meiner Abreise meinte meine Tante, ich sollte das Ayetel- Kürsi mehrmals am Tag beten.
Bis heute weiß ich nicht genau, was es war, das mich aus seinen dunklen Augenhöhlen angestarrt hat. Ich weiss nur, diese mysteriöse Begegnung hat es zu jener Nacht gegeben.