Natürlich ist es beleidigend, wenn Erdogan als "Ziegenficker" bezeichnet wird, oder als "Präsident mit kleinem Schwanz" bzw. mit "Schrumpel-Klöten". Böhmermann war aber nicht so blöd und hat sein Gedicht einfach vorgetragen. Er hat es – und das war sehr klug – in einen Kontext gestellt. Er hat den Zuschauern erläutert, was er da tut und warum er es tut. Er hat am Anfang gesagt, dass der Song, den die NDR-Satiresendung extra 3 über Erdogan produzierte, eindeutig von der Meinungsfreiheit gedeckt ist, womit er recht hat. Dann hat er deutlich gemacht, wo die Grenze überschritten wäre: nämlich bei unerlaubter Schmähkritik. Und dann hat er – um dies anschaulich zu verdeutlichen – sein beleidigendes Gedicht vorgetragen, als Beispiel dafür, was rechtlich nicht mehr erlaubt ist.