Ich denke, man versucht auf serbischer Seite auf letzter Strecke nochmal alles raus zu holen und noch eine Eskalation durch die Verzögerungen herbeizuführen. Die nächste Verhandlungsrunde in Brüssel steht kurz bevor und da möchte man mit Sicherheit die Albaner als Gewaltbereit und die Serben als bedroht im Kosovo darstellen und so die eigene Verhandlungsposition verbessern. Wenn wir bis jetzt nicht drauf rein gefallen sind und uns nicht haben provozieren lassen, dann dürfen wir das auch im letzten Moment nicht erlauben.
Ich weiß, dass es scheiße gelaufen ist für uns aber jetzt heißt es nach vorne schauen und den nächsten kleinen Sieg im Blick behalten. Und den holen wir jetzt nicht mehr in Mitrovica sondern in Brüssel. Und da gilt es Belgrad darzustellen als was es ist: ein autokratisches, kriegstreibendes und für den Frieden brandgefährliches Regime, dessen Einfluss auf die Nachbarländer mit jedem Mittel eingedämmt werden muss.
Ich denke, die nächsten 48 Stunden werden die Barrikaden mindestens noch stehen. Das konnte man der Aussage des Bierkastenträgers von Sheshel entnehmen, der gestern Abend verlauten ließ, dass es 24-48 braucht um die Barrikaden zu räumen und kurze Zeit später dann sagte, dass es an den Serben im norden Kosovos liegt, dieses zu entfernen. So hat er sich seiner Verantwortung entledigt und kann trotzdem noch ein paar Tage zündeln bis er dann nach Brüssel zitiert wird und Fakten auf den Tisch legen muss.
Mitte Januar sollen die Sonderbeauftragten von Scholz und Macron sowie der US Sonderbeauftragte für den Westbalkan im Kosovo mit ihren zusätzlichen schriftlichen Erläuterungen zu gewissen Punkten zu dem Deutsch-Französischen Plan kommen, die die kosovarische Seite verlangt hat. Falls kein weiterer Klärungsbedarf besteht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die kosovarische Seite diesem Plan zustimmen, inklusive der sogenannten Assoziation der serbischen Kommunen, die jedoch strikt nach kosovarischer Verfassung gegründet wird und keine Exekutivbefugnisse haben wird und keine politische Zwischenebene zwischen Kommunaler und Zentraler Exekutivebene darstellen darf. Laut Präsidentin Osmani wurde das bereits bei einem Treffen mit Secretary Blinken im Weißen Haus geklärt, wonach die Amerikaner völlig hinter dem Kosovo stehen, wonach die sogenannte Assoziation der serbischen Gemeinden nicht außerhalb des Kosovarischen Verfassungsrahmens gegründet werden muss und soll.
Heißt also, dass die sogenannte Assoziation nicht mehr oder weniger als einer NGO entsprechen wird. Die gibt es nämlich nach der Kosovarischen Verfassung, die laut Artikel 123 und Artikel 124 die nach der Europäischen Karta zur Lokalen Selbstverwaltung die Assoziation der Kommunen vorsieht und erlaubt. Eine solche gibt es auch schon im Kosovo, die AKK - Asociacioni i Komunave te Kosoves:
https://komunat-ks.net/?lang=sq
Im Endeffekt heißt das, dass Belgrad einem solchen Plan zustimmen müsste. Dann müsste man aber auch den Serben beibringen, dass die sogenannte Assoziation der serbischen Gemeinden leider keine Exekutivbefugnisse haben wird. Und ab da wird es dann schwierig für Vuçko. Und all diese Barrikaden und diese Drohgebärden muss man im Lichte dieser Entwicklungen sehen. Daher behaupte ich, dass Vuçko sich noch ein paar Tage aufplustern wird bevor er dann seine Flügel einklappen und in die Realität zurückkehren wird und sich mit dem Deutsch-Französischen Plan auseinander setzen muss.