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Nachrichten aus Bosnien und Herzegowina

Nur noch wenige Tage bis zu den Wahlen in BiH: „Es beginnt beim Gehalt und endet beim Krieg“
Im Wahlkampf für die Wahlen in Bosnien und Herzegowina dominieren erneut Themen wie ethnische Identität, das Erbe des Krieges und die Beziehungen zwischen den Nationalitäten, während die Wirtschaft – den Auftritten der politischen Akteure nach zu urteilen – im Hintergrund geblieben ist. Obwohl fast alle Parteien ausgearbeitete Wirtschaftsprogramme vorweisen können, gibt es im öffentlichen Raum nicht genügend Platz für sie, schreibt die Deutsche Welle.

An Wirtschaftsprogrammen mangelt es dabei keineswegs. Die SDP BiH setzt sich seit Jahren für eine exportorientierte Wirtschaft, eine Reform des Steuersystems und eine Entlastung der Unternehmer von Abgaben ein. Die Partei der demokratischen Aktion (SDA) hat ihren Wahlkampf teilweise mit dem Slogan „3x50“ auf die Wirtschaft ausgerichtet und verspricht damit Investitionen in Höhe von 50 Milliarden Mark, 50.000 neue Arbeitsplätze sowie um 50 Prozent höhere Gehälter und Renten.
Denis Bećirović, Kandidat für das bosniakische Mitglied des Staatspräsidiums von BiH, stützt seinen Wahlkampf auf den Kampf gegen Arbeitslosigkeit, Korruption und Armut, obwohl diese Bereiche gar nicht in die direkte Zuständigkeit des Amtes fallen, für das er kandidiert. Auch die Parteien SNSD und SDS versprechen Investitionen und neue Arbeitsplätze, allerdings ohne eine konkrete Erklärung, wie sie diese Ziele überhaupt erreichen wollen.

Viele Versprechen, wenige konkrete Antworten
Das Problem liegt nicht am Mangel an wirtschaftlichen Versprechen, sondern daran, dass für sie in der politischen Debatte kein Platz ist. Selbst wenn Kandidaten Themen wie Gehälter, Bildung oder Investitionen anschneiden, kehrt der öffentliche Diskurs schnell zu Fragen der politischen Vertretung der Völker zurück: der Wahl des kroatischen Mitglieds des Staatspräsidiums, den Beziehungen zu Dragan Čović, Milorad Dodik und Bakir Izetbegović sowie zu ungelösten Fragen aus der Vergangenheit.
Der Politikwissenschaftler Mladen Bubonjić aus Banja Luka erklärte gegenüber der DW, dass wirtschaftliche Themen in den Wahlkämpfen meistens nur als Dekoration dienen. „Die Parteien versprechen alles Mögliche – von höheren Gehältern über Renten und neue Arbeitsplätze bis hin zu Investitionen –, aber sie bieten selten klare Pläne und Erklärungen, woher sie die Mittel dafür nehmen wollen“, so Bubonjić.

Er ist der Ansicht, dass den Bürgern eine verantwortungsvolle Regierung am meisten nützen würde, die die Korruption verringert, die politische Kontrolle über öffentliche Unternehmen abschafft, die Wirtschaft entlastet und die europäischen Reformen beschleunigt. „Die bisherige Erfahrung zeigt, dass vielen politischen Optionen das eigene Wohlergehen und die Verteilung von Posten wichtiger sind als der Lebensstandard der Bürger. Die Unterschiede zwischen ihnen beschränken sich meist auf die Frage, wie sie öffentliches Geld und Institutionen verwalten wollen“, warnt Bubonjić.

Der Einfluss der Wahlen auf den europäischen Weg
In Bosnien und Herzegowina ist es schwer abzuschätzen, welches politische Szenario wirtschaftlichen Wohlstand bringen könnte, da das Land mit strukturellen Problemen konfrontiert ist, die über einen bloßen Regierungswechsel hinausgehen. Ein komplexes Verwaltungssystem, drei Regierungsebenen, zehn Kantone und die Aufteilung in Entitäten verteuern den Verwaltungsapparat und verlangsamen die Entscheidungsfindung. Dennoch könnte das Wahlergebnis das Tempo der europäischen Integration beeinflussen. BiH erhielt Ende 2022 den Kandidatenstatus, und der Europäische Rat beschloss im März 2024, Beitrittsverhandlungen aufzunehmen.

 
Geheime Bosnien-Karte aufgetaucht – droht die Neuaufteilung des Landes?
Eine anonyme Karte sorgt in politischen Kreisen für Aufsehen – und stellt die territoriale Ordnung Bosniens grundlegend infrage.

Eine anonyme Karte kursiert derzeit in politischen Kreisen und schlägt eine grundlegende Neuordnung Bosnien und Herzegowinas vor: Das Land soll demnach in vier territoriale Einheiten aufgeteilt werden – eine bosniakische, eine kroatische, eine serbische und eine sogenannte zentrale Einheit. Der Vorschlag hat politische Diskussionen ausgelöst und fällt in eine Phase ohnehin angespannter Verhältnisse rund um die verfassungsrechtliche Zukunft des Landes. Derzeit ist Bosnien und Herzegowina gemäß dem Dayton-Abkommen (1995 unterzeichneter Friedensvertrag, der den Bosnien-Krieg beendete) in zwei Entitäten sowie den Brcko-Distrikt gegliedert.

Vier neue Einheiten
Der Karte zufolge würde die serbische Einheit den Großteil der heutigen Republika Srpska umfassen, während die kroatische Einheit die westliche Herzegowina sowie Teile der Posavina einschließen soll. Die bosniakische Einheit erstreckt sich demnach über den Kanton Una-Sana sowie Zentral- und Ostbosnien. Als multiethnische Zone konzipiert, würde die zentrale Einheit Sarajevo und angrenzende Gebiete Mittelbosniens abdecken.

Rechtlich oder institutionell bindend ist der Vorschlag nicht – solche Karten entfalten keinerlei formale Wirkung. Sie illustrieren jedoch, welche Szenarien im politischen Diskurs über die territoriale Zukunft des Landes kursieren.

Politischer Kontext
Dass derartige Entwürfe gerade jetzt auftauchen, ist kein Zufall. Milorad Dodik hält an seinen Autonomiebestrebungen für die Republika Srpska fest, und Veröffentlichungen dieser Art fallen regelmäßig in Phasen verschärfter politischer Auseinandersetzungen – wo sie Debatten über eine mögliche Neugliederung zusätzlich befeuern können.

Für die bosnisch-kroatisch-serbische Diaspora in Österreich sind solche Entwicklungen von besonderer Bedeutung: Sie verfolgen die politischen Verhältnisse im Herkunftsland nicht nur aus der Distanz, sondern sind durch familiäre, soziale und historische Bindungen unmittelbar mit ihnen verbunden.

 
Wahl in Bosnien und Herzegowina
Gefangen im ethnischen System
Am Sonntag finden in Bosnien-Herzegowina Wahlen statt. 31 Jahre nach dem Ende des Krieges prägen ethnische Konflikte und nationalistische Rhetorik weiterhin die Politik des multiethnischen Landes. Während Parteien vor allem über die Interessen von Bosniaken, Serben und Kroaten mobilisieren, geraten Korruption, Abwanderung, wirtschaftliche Probleme und der stockende EU-Kurs in den Hintergrund. „Das Ethnische steht im Vordergrund und weniger die Sachfragen“, sagt Politologe Vedran Dzihic gegenüber ORF.at.

Ein Grund dafür liegt im politischen System. Das mit dem Dayton-Abkommen geschaffene Staatsgebilde verteilt die Macht zwischen den Bevölkerungsgruppen Bosniaken, Serben und Kroaten. „Anstelle von Bürgerinnen bzw. Bürgern stehen in der Verfassung des Landes ethnisch definierte Menschen“, erklärt der Balkan-Experte und gebürtige Bosnier Dzihic vom Österreichischen Institut für Internationale Politik (oiip).

Gewählt werden am Sonntag das dreiköpfige Staatspräsidium – jeweils mit einem Vertreter der Volksgruppen – und das gesamtstaatliche Parlament sowie die Parlamente der beiden Entitäten: die Föderation Bosnien und Herzegowina mit mehrheitlich kroatischer und bosniakischer Bevölkerung und die serbisch-dominierte Republika Srpska. Hinzu kommen die zehn Kantone der Föderation und die Präsidentschaft der Republika Srpska. Insgesamt sind 7.028 Kandidatinnen und Kandidaten registriert.

 
Wahlen in Bosnien-Herzegowina
Bosnien-Herzegowina hat immer noch mit den Wunden des Bürgerkrieges aus den 90er-Jahren zu kämpfen. Zwischen den drei Hauptbevölkerungsgruppen herrscht Misstrauen. ORF-Korrespondentin Cornelia Primosch ist aber auf einen Bereich gestoßen, in dem die Zusammenarbeit funktioniert: auf dem Fußballfeld.

Videobericht
 
Schengen-Vorstoß
Kein EU-Beitritt nötig: So könnte BiH die Grenzkontrollen loswerden
Weniger Personenkontrollen an der Grenze zu Kroatien, noch bevor Bosnien-Herzegowina EU-Mitglied wird? Ein österreichischer Experte schlägt eine frühere Schengen-Aufnahme für den Westbalkan vor. Doch die Voraussetzungen sind anspruchsvoll.

Die Staaten des Westbalkans sollen einen klaren Fahrplan für die Aufnahme in den Schengen-Raum erhalten – als Zwischenziel auf dem Weg zur EU-Mitgliedschaft. Dafür wirbt Kristof Bender, stellvertretender Vorsitzender der Europäischen Stabilitätsinitiative ESI. Der österreichische Südosteuropa-Experte veröffentlichte seinen Vorschlag am 24. September 2026 in einem Gastbeitrag der Neuen Zürcher Zeitung und erläuterte ihn anschließend gegenüber der Nachrichtenagentur FENA.

Eine EU-Mitgliedschaft ist für die Zugehörigkeit zum Schengen-Raum nicht zwingend erforderlich: Unter den derzeit 29 Schengen-Staaten sind mit Norwegen, Island, der Schweiz und Liechtenstein vier Länder, die nicht der EU angehören. Bender sieht deshalb auch für den Westbalkan grundsätzlich einen möglichen Weg über eine eigens ausgehandelte Vereinbarung. Ein entsprechendes EU-Angebot ist bislang jedoch nicht beschlossen.

 
Schengen-Vorstoß
Kein EU-Beitritt nötig: So könnte BiH die Grenzkontrollen loswerden
Weniger Personenkontrollen an der Grenze zu Kroatien, noch bevor Bosnien-Herzegowina EU-Mitglied wird? Ein österreichischer Experte schlägt eine frühere Schengen-Aufnahme für den Westbalkan vor. Doch die Voraussetzungen sind anspruchsvoll.

Die Staaten des Westbalkans sollen einen klaren Fahrplan für die Aufnahme in den Schengen-Raum erhalten – als Zwischenziel auf dem Weg zur EU-Mitgliedschaft. Dafür wirbt Kristof Bender, stellvertretender Vorsitzender der Europäischen Stabilitätsinitiative ESI. Der österreichische Südosteuropa-Experte veröffentlichte seinen Vorschlag am 24. September 2026 in einem Gastbeitrag der Neuen Zürcher Zeitung und erläuterte ihn anschließend gegenüber der Nachrichtenagentur FENA.

Eine EU-Mitgliedschaft ist für die Zugehörigkeit zum Schengen-Raum nicht zwingend erforderlich: Unter den derzeit 29 Schengen-Staaten sind mit Norwegen, Island, der Schweiz und Liechtenstein vier Länder, die nicht der EU angehören. Bender sieht deshalb auch für den Westbalkan grundsätzlich einen möglichen Weg über eine eigens ausgehandelte Vereinbarung. Ein entsprechendes EU-Angebot ist bislang jedoch nicht beschlossen.

Norwegen, Schweiz, Island und Lichtenstein sagt doch schon alles 😉
Den Westbalkan mit solchen Ländern gleichzusetzen ist schon utopisch und wird auch nie passieren.
 
Bosnien bleibt politisch zerrissen - Linke, Nationalisten und Moskau-nahe Kräfte liegen vorn
Nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Wahllokale zeichnet sich für Bosniens dreiköpfiges Staatspräsidium erneut eine ethnisch klar getrennte Führung ab. Der sozialdemokratische Bosniake Denis Bećirović liegt in der Föderation mit 26,66 Prozent vorn, daneben führt die kroatische Nationalistin Darijana Filipović mit 14 Prozent. In der Republika Srpska kommt die pro-russische Nationalistin Željka Cvijanović auf 55,34 Prozent. Die Wahlbeteiligung blieb mit 42,2 Prozent niedrig, während Frust über Wirtschaft, politische Blockaden und die schleppenden EU-Beitrittsgespräche anhält. Zugleich ringen EU, Russland und die USA weiter um Einfluss im Land. Entscheidend wird sein, ob nach der Wahl Reformen bei Justiz und Korruptionsbekämpfung endlich vorankommen oder die gegenseitigen Blockaden weitergehen.
 
Bosnien-Herzegowina: Nationalisten weiter bestimmende Kraft
Nach den gestrigen Wahlen in Bosnien-Herzegowina bleiben nationalistische Parteien weiterhin bestimmende Kraft. Veränderungen zeichnen sich damit kaum ab, wie nach Angaben der Zentralen Wahlkommission (CIK) bekannt wurde, die sich auf die Auszählung von über 90 Prozent der Wahllokale stützen. Mit nur 41,5 Prozent (2022: 51,5 Prozent) erreichte die Wahlbeteiligung einen neuen Tiefststand.

In das dreiköpfige Staatspräsidium wurden erneut der Bosniake Denis Becirovic und die Serbin Zeljka Cvijanovic gewählt. Neu ist lediglich das kroatische Mitglied Darijana Filipovic.

Teils deutliche Entscheidungen
Der Sozialdemokrat Becirovic setzte sich im Rennen um den bosniakischen Sitz mit 38,1 Prozent der Stimmen gegen den Chef der muslimisch-nationalistischen SDA-Partei, Bakir Izetbegovic, mit 34 Prozent durch.

Die Serbin Cvijanovic, die der nationalistischen Regierungspartei SNSD im serbischen Landesteil angehört, gewann demnach mit 55,6 Prozent der Stimmen klar gegen ihren Herausforderer Marinko Bozovic von der gemäßigt nationalistischen SDS mit 26,8 Prozent.

 
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