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Antisemitismus:Erziehung zum Hass

Designer Galliano sagt Schau in New York ab
Der britische Modeschöpfer John Galliano hat eine geplante Ausstellung seiner Werke im Metropolitan Museum of Art in New York abgesagt. Das teilte der 65-Jährige am Montag auf Instagram mit. Hintergrund sind in der Vergangenheit getätigte rassistische und antisemitische Aussagen Gallianos.

„Nach langer Überlegung und Gesprächen mit allen Beteiligten habe ich schweren Herzens entschieden, dass es das Beste ist, die Ausstellung zum jetzigen Zeitpunkt nicht stattfinden zu lassen“, schrieb Galliano am Montag auf Instagram.

„Ich übernehme weiterhin die volle Verantwortung für den Schmerz, den meine Worte in der Vergangenheit ausgelöst haben, insbesondere für das Leid, das ich der jüdischen und asiatischen Gemeinschaft zugefügt habe, und ich bin nach wie vor zutiefst traurig darüber“, fügte er hinzu.

Aussagen führten zu Verurteilung
Ein französisches Gericht hatte Galliano im Jahr 2011 wegen rassistischer und antisemitischer Äußerungen schuldig gesprochen, nachdem er in einer Bar in Paris gegen Juden und Asiaten gerichtete Parolen von sich gegeben hatte und seine Liebe zum NS-Diktator Adolf Hitler bekundet hatte.

 
Frau bei antisemitischem Angriff in Berlin verletzt
Nach einem mutmaßlich antisemitisch motivierten Angriff mit einer abgebrochenen Glasflasche auf eine Frau in Berlin ermittelt der deutsche Staatsschutz. Nach Polizeiangaben vom Wochenende ereignete sich die Attacke auf die 43-Jährige in der Nacht auf Freitag auf einer Straße im Berliner Bezirk Mitte. Sie habe Schnittverletzungen an den Händen erlitten, als sie den Angriff abwehrte.

Die Frau habe nach Stand der Ermittlungen einen Davidstern getragen und sei von zwei Männern auf diesen angesprochen worden, hieß es. Die Unbekannten hätten sie antisemitisch beleidigt, einer habe sie mit der abgebrochenen Flasche attackiert. Danach seien sie geflüchtet. Die Verletzungen der 43-Jährigen wurden in einem Krankenhaus versorgt.

Aus der Landespolitik kamen entsetzte Reaktionen. Es handle sich um eine „abscheuliche Tat“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Berliner Linken-Spitze um Elif Eralp.

 
Feuer bei Nebeneingang von deutscher Synagoge gelegt
Bei einem Nebeneingang der neuen Synagoge Wuppertal im Westen Deutschlands ist gestern ein Feuer gelegt worden. Es sei von Angehörigen der Synagoge gelöscht worden, berichtete ein Sprecher der Polizei. Verletzt worden sei niemand.

Der Sachschaden sei gering, die Staatsschutzabteilung sei eingeschaltet worden, hieß es. Zuerst hatte die „Jüdische Allgemeine“ darüber berichtet.

Kurze Zeit später habe man in Tatortnähe einen verdächtigen Mann festgenommen, berichtete der Sprecher. Nähere Angaben zu möglichen Hintergründen machte die Polizei nicht. Die Kriminalpolizei ermittle, die Spurensicherung sei an Ort und Stelle.

Zentralrat spricht von „Brandanschlag“
Der Zentralrat der Juden in Deutschland sprach von einem „Brandanschlag“. „Erneut ist es in der Zeit der jüdischen hohen Feiertage zu einem Anschlag auf eine Synagoge gekommen“, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster laut einer Mitteilung. Der Täter habe den Anschlag am helllichten Tag durchgeführt.

„Von Unrechtsbewusstsein oder Scham fehlt jede Spur. Dieses Vorgehen bezeugt die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses, auf die unsere Gesellschaft bisher keine Antwort gefunden hat.“

 
Polizei verhinderte "Tragödie" nach Schüssen vor Synagoge in Kanada
Ein Mann eröffnete vor der Synagoge Feuer auf Polizisten. Die Polizei erschoss den Schützen. Ein Polizist wurde schwer verletzt

Belleville – Bei dem bewaffneten Angriff vor einer Synagoge in Kanada am jüdischen Feiertag Jom Kippur ist nach Angaben der Polizei eine "unvorstellbare Tragödie" verhindert worden. Der Polizeichef von Belleville, Murray Rodd, sprach am Donnerstag vor Journalisten von einem "gezielten Angriff auf die jüdische Gemeinschaft". Der Schütze verfügte demnach "über die Mittel, das Motiv und die Vorgehensweise, um eine große Zahl von Opfern herbeizuführen" und die Synagoge "zu zerstören".

An Jom Kippur sind die Synagogen traditionell voll besetzt. Der 29-jährige Angreifer hatte sich am Sonntagabend kurz vor Beginn der Gebete der Synagoge in Belleville in der Provinz Ontario genähert und laut Ermittlern das Feuer auf eine vor dem Gebäude postierte Einsatzkraft eröffnet. Zwei Polizeibeamte vor der Synagoge erwiderten den Behörden zufolge das Feuer. Der Schütze starb demnach später im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Ein Polizist wurde schwer verletzt, er befindet sich den Angaben zufolge aber in einem stabilen Zustand.

Ehemaliger Soldat
Bei dem Angreifer handelt es sich laut Polizeichef Rodd um einen ehemaligen Soldaten. Dieser hatte demnach mehrere Waffen, eine beträchtliche Menge Munition sowie Benzin bei sich. In einem bei der Pressekonferenz gezeigten Video ist zu hören, wie der Angreifer beim Eröffnen des Feuers ruft: "Ihr werdet für die Juden sterben!"

 
Antisemitismus
Der 7. Oktober und die Schuldumkehr
Vor genau drei Jahren hat die Terrororganisation Hamas einen beispiellosen Angriff auf Israel gestartet. In Israel und weltweit wird am Donnerstag der Opfer gedacht. Bei dem Überfall wurden ganze Orte in Israel verwüstet, mehr als 1.000 Menschen getötet, Hunderte entführt und in Geiselhaft gehalten. Das Grauen erschütterte Israel und die Welt. Der durch den Angriff ausgelöste Gaza-Krieg mit seinen Zehntausenden Toten verdrängte aber vielfach rasch nicht nur das Trauma der Israelis, sondern führte zu einem – bis heute anhaltenden – starken Anstieg des sekundären Antisemitismus und einer Schuldumkehr im Westen, Österreich inklusive.

Gleich am 7. Oktober und unmittelbar danach sei der sekundäre Antisemitismus in Österreich deutlich sichtbarer geworden, so Andreas Peham, Antisemitismusforscher am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), gegenüber ORF.at. Sekundärer Antisemitismus bezeichnet die Leugnung der Schoah und die Abwehrhaltung gegenüber der Erinnerung an die NS-Judenvernichtung.

Dabei gehe es immer um „Hass auf die Opfer von Antisemitismus“ – also auf Israelis oder Jüdinnen und Juden. Die Täter-Opfer-Umkehr habe auch in Österreich unmittelbar nach dem Überfall der Hamas auf Israel eingesetzt. Die Schuldgefühle, die hier wirken würden, seien vielfach unbewusst, erläutert Peham.

Allein die Antisemitismusstelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) verzeichnete im Vorjahr 1.532 Vorfälle. Das sind rund vier Attacken täglich – und ein neuer Höchststand, seit es den Bericht gibt, so IKG-Präsident Oskar Deutsch bei der Präsentation im April. Und das sind nur die Vorfälle, die tatsächlich gemeldet wurden.

 
Antisemitismus: IKG meldet 671 Vorfälle im ersten Halbjahr
Die Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien hat heuer im ersten Halbjahr 671 Vorfälle dokumentiert. Das bedeute zwar einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr, aber immer noch doppelt so viel wie vor dem Hamas-Angriff 2023 und dem darauffolgenden Gaza-Krieg.

Unter den gemeldeten Vorfällen finden sich zwölf physische Angriffe, 18 Bedrohungen, 68 Sachbeschädigungen, 226 Massenzuschriften und 347 Fälle verletzenden Verhaltens, hieß es am Donnerstag. Konkret waren es 726 Vorfälle im Vergleichszeitraum 2025, im ersten Halbjahr 2023, also vor dem 7. Oktober, hingegen 311.

IKG-Präsident Oskar Deutsch wird in einer Aussendung zitiert: „Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich nicht nur die Grenze des Sagbaren, sondern auch des Machbaren verschoben. Auf antisemitische Worte folgen Drohungen und Angriffe gegen Jüdinnen und Juden. Der Ausnahmezustand ist Alltag.“

Unterschiedliche Hintergründe
191 Vorfälle im ersten Halbjahr 2026 hatten nach Einschätzung der Meldestelle einen muslimischen, 162 einen linken und 147 einen rechten Hintergrund. Bei 171 Vorfällen sei keine eindeutige ideologische Zuordnung möglich gewesen.

Wie unmittelbar sich das Weltgeschehen und „damit verbundene Propaganda“ auf Jüdinnen und Juden in Österreich auswirke, zeigt sich nach Angaben der IKG am Beispiel des Krieges zwischen den USA/Israel und dem Iran: In den zwei Wochen nach Kriegsbeginn am 28. Februar registrierte die Meldestelle fast doppelt so viele Vorfälle wie in den zwei Wochen davor, der März wurde mit 152 Vorfällen zum meldestärksten Monat des Halbjahres.

 
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