Auch wenn viele es nicht glauben, Jovan Raskovic auch, trotz all seiner negativen Eigenschaften bin ich mir bis heute sicher, mit ihm hätten wir alle einen Kompromiss und Formel für ein Zusammenleben gefunden.
Die Opposition in der Krajina war praktisch der Willkür Milosevics ausgeliefert, es war ein physisches und politisches Käfig, da Slobo in der Krajina seine parallele Regierungsstruktur installiert hat. Die Krajina hatte bis zu ihrem Ende nie ihre eigene administrative Infrastruktur und es ist eine Farce zu glauben, die Krajina hätte ihre eigene authentische Politik geführt.
Milosevic konnte vor allem durch parallele Polizeikräfte, seinem Schosshund Martic und den Roten Baretten die Umsetzung der Entscheidungen kontrollieren und Ungehorsam wurde nicht selten mit dem Leben bezahlt. Der Bürgermeister von Vrginmost Obradovic bezahlte mit seinem Leben weil er das perfide doppelte Spiel durchschaut hat, Veljko Dzakula ein hoher politischer Funktionär aus West Slawonien versuchte eine gemässigte Politik zu Kroatien zu kreieren und wurde mitten in Belgrad verhaftet und in einem geheimen Gefängnis in der Krajina inhaftiert. Die Umstände wie Raskovic "natürlichen Todes gestorben" ist sind bis heute noch nicht geklärt.
Milan Babic war zu Beginn auf radikalem Kurs unterwegs und hat damals viele Oppositionäre verfolgt. Im direkten Vergleich zu Martic war er sehr intelligent, mit äusserst ausgeprägten Leader-Eigenschaften und mit einem grossen Talent gesegnet für politische Manipulationen. Babic hatte eigentlich zwei politische Phasen: zu erst seine nationalistische zu Beginn des Krieges, dann seine zweite nach dem Zerwürfnis mit Milosevic als man ihn versucht hat zu töten wo sein einziges politisches Projekt war, die biologische Existenz der Serben in Kroatien zu retten, auch unter der Sahovnica.
Sehe ich auch so. Man reduziert Raskovic meist nur auf Karadzic und sein Buch mit dem berühmten Zitat. Dabei hat er ja damals versucht Tudjman zu warnen oder zur Vernunft zu bringen... ich finde nicht die richtigen Worte dafür. Jedenfalls ist es vor allem mit dem Blick danach interessant, weil das GEspräch zwischen Tudjman und Raskovic, aus heutiger Sicht betrachtet, wie eine Anleitung für Tudjman erscheint und Raskovic, soweit ich das noch im Kopf habe, mit den meisten Punkten Recht behielt. Angeblich soll Tudjman dabei gegrinst haben, aber das sind eben immer diese Feinheiten. Vermutlich wussten beide, was im Hintergrund lief. Vielleicht hat Raskovic Tudjman falsch eingeschätzt. Wenn man sich dann noch anschaut, wie in den GEbieten der Krajinaserben gewählt wurde, gar nicht so sehr die SDS, wie man denken würde, sondern die Linken.
Bis heute glaube ich nicht, dass Tudjman ein Serbenhasser war. Wenn man bedenkt, wie er mit politischen Gegnern umging oder Gebiete abstrafte, die ihn nicht wählten, dann kann man schon das Argument sehen, dass Serben in HR vor allem ein Problem für seinen Machterhalt darstellten. Dazu noch, dass er mit den Kräften, die er benötigte, um die Unabhängigkeit zu erreichen, Zusammenstöße vorprogrammiert waren. Und dann eben die Abläufe RSK-Intern. Das sind schon verdammt viele Zufälle. Ohne die Stimmungsmache zwischen Kroaten und Serben hätte er nie so schnell und so breit aufgestellt an die Macht kommen können. Deswegen kann man auch die nationalistische Haltung bei Raskovic und Babic (in der damaligen Situation) bei Seite schieben und erkennen, wie man damals Kroaten und Serben täuschte und gegeneinander aufgehetzt hat.