Schwierige Situtuation. Die Kommunisten hatten und haben eine zu starke Klientel, als dass sie quasi verdrängt werden konnten. Am rechten Rand hatte sich schon seit der Wende Schirinowskij etabliert. Niemand nahm und selbst heute nimmt ihn nicht ernst, er galt und gilt immer noch als Politclown, der ein gewisses Spektrum abdeckt und den man wohl auch deshalb gewähren lässt. Warum sie entstehen konnten? Wahrscheinlich ein recht übliches Erscheinungsbild vieler Umbruchgesellschaften, die sich erst einmal richtig in demokratischen Strukturen etablieren müssen. Das will gelernt sein.
Und jetzt beißt sich die Katze fatalerweise in den Schwanz. Durch jahrelange "Arbeit" und Schaffung autoritärer Strukturen hat sich in der politischen Mitte, egal ob mit eher rechts/konservativen Gedanken oder eher links kaum eine ernst zu nehmende Alternative entwickelt oder entwickeln können. Parteien wie Jabloko etwa wird immer und immer wieder durch Schikanen das Leben schwer gemacht. Genau das ist auch ein Grund, weswegen sich tatsächlich sehr viele Russen von der Politik abgewandt und sich quasi ins Privatleben zurück gezogen haben. Und eigentlich waren und sind Russen tendenziell schon politisch interessiert. Manche hatten den Status quo akzeptiert: Wir lassen Putin gewähren, solange sich im sozialen Bereich etwas zum Wohle der breiteren Massen tut. Oder sie haben sich an ihn gewöhnt, ist es ihnen ansonsten egal. Oder resigniert.
Somit kommst du fast um diese extremen Flügel nicht herum und du brauchst (vorläufig) wirklich gemeinsame Initiativen wahrscheinlich auch mit ihnen, um mit gemeinsamer Stimme wirklich Putin gefährden zu können. Andererseits werden diese extremen Flügel sowohl Politiker der Mitte als auch viele (potenzielle) Demonstranten abschrecken. Die einerseits vielleicht (langsam) den Putin überdrüssig sind, andererseits nichts mit Faschisten etc. zu tun haben wollen. Mal sehen, an größe Änderungen nach den Präsidentschaftswahlen glaube ich nicht. Aber vielleicht entwickeln trotz allem mehr und mehr Moskauer und andere eine Art "Bürgergesellschaft" und zwar in der Mitte. Damit wäre man schon auf dem guten Weg
