Kopenhagen: Ein Toter nach Schießerei bei Konferenz zu Meinungsfreiheit
Kopenhagen - Es wird nach zwei Tätern gefahndet, die von außen mit automatischen Waffen auf das Kulturzentrum gefeuert haben sollen, in dem die Diskussion stattfand. In den Fenstern des Hauses waren zahlreiche Einschusslöcher zu sehen. Die Angreifer sollen mit einem VW Polo geflüchtet sein.
Zu den Rednern bei der Konferenz zum Thema Kunst, Gotteslästerung und Meinungsfreiheit gehörte demnach auch der schwedische Mohammed-Karikaturist Lars Vilks. Er hatte 2007 für Aufsehen gesorgt, nachdem er den Propheten als Hund dargestellt hatte.Auf den Zeichner war damals von einem Ableger von al-Qaida im Irak ein Kopfgeld von 150.000 Dollar ausgesetzt worden. Der 68-Jährige war schon mehrfach Ziel von Anschlägen und stand unter Polizeischutz.
Vilks und der ebenfalls anwesende französische Botschafter in Dänemark, François Zimeray, seien nicht verletzt worden.
Zimeray sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Sie haben uns von außen beschossen. Dahinter steckte dieselbe Absicht wie bei 'Charlie Hebdo' - außer dass es ihnen nicht gelang hereinzukommen." Kugeln seien durch Türen gedrungen, alle Anwesenden hätten sich auf den Boden geworfen.
Der französische Außenminister Laurent Fabius verurteilte den "Terrorangriff" in aller Schärfe. Der Elysée-Palast kündigte an, dass sich der Innenminister Bernard Cazeneuve an den Tatort begeben werde. Beim islamistischen Anschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" starben im Januar zwölf Menschen.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/kopenhagen-ein-toter-nach-schiesserei-bei-konferenz-a-1018510.html
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Journalisten und Zeichner als Ziele von Anschlägen
Islamkritische Journalisten und Zeichner sind immer wieder Ziele von Anschlägen. Der bisher folgenschwerste ist gerade einmal einen Monat her.
Jänner 2015: Die Brüder Chérif und Said Kouachi stürmen in Paris die Redaktionsräume des religionskritischen Satiremagazins "Charlie Hebdo". Sie erschießen zwölf Menschen, darunter neun Journalisten. Zu den Toten zählt auch der unter dem Künstlernamen Charb bekannte Zeichner und Chef des Magazins, Stéphane Charbonnier. Im Zuge der Fahndung erschießt die Polizei zwei Tage später das Bruderpaar.
Februar 2013: Der 70 Jahre alte dänische Journalist Lars Hedegaard übersteht in Kopenhagen ein Attentat unverletzt und kann den unbekannten Täter selbst in die Flucht schlagen. Zuvor hatte eine Pistolenkugel den Kopf des Islamkritikers knapp verfehlt.
November 2011: Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf die Redaktion des französischen Satireblattes "Charlie Hebdo". Es brachte am selben Tag ein Sonderheft zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien heraus und hatte sich dazu in "Charia Hebdo" umbenannt. Als Chefredakteur war "Mohammed" benannt worden.
Mai 2011: Ein Kopenhagener Gericht verurteilt den Tschetschenen Lors Dukajew für einen versuchten Anschlag auf die Zeitung "Jyllands-Posten" zu zwölf Jahren Haft. Der 25-Jährige hatte sich 2010 in Kopenhagen bei der Explosion seines Sprengstoffes verletzt. Er wollte eine Briefbombe an die Redaktion der Zeitung schicken.
Mai 2010: Zwei Männer werfen Benzinflaschen durch ein Fenster in das Haus des schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks. Auf den Zeichner wurde bereits 2007 im Internet von einem El-Kaida-Ableger im Irak ein Kopfgeld von 150.000 Dollar ausgesetzt.
Jänner 2010: Der dänische Zeichner Kurt Westergaard, von dem die Mohammed-Karikaturen in "Jyllands-Posten" stammen, entkommt nur knapp einem Attentat. Bereits 2008 hatten die dänischen Behörden Mordpläne gegen ihn aufgedeckt. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen.
November 2004: Der niederländische Islamkritiker Theo van Gogh bezahlt einen Film über die Unterdrückung der Frauen im Islam mit dem Leben. Er wird in Amsterdam von einem muslimischen Extremisten ermordet. Auf der Leiche hinterließ der Täter einen Brief mit Morddrohungen gegen weitere Niederländer.
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Islamische Moralpolizisten fordern "Scharia-Zonen"
Meinung Dänemark
Von Henryk M. Broder
31.10.11
Eine islamische Organisation in Dänemark hat die Einführung von "Scharia-Zonen" in von Muslimen bewohnten Gebieten des Landes gefordert Foto: picture alliance / Photoshot
Vertreter europäischer Muslime stellen absurde Forderungen: In Dänemark wird bereits diskutiert, ob in Teilen des Landes die Scharia gelten soll.
Sonderbehandlung? Ja, bitte! Zwei Nachrichten der letzten Tage, die zusammengehören. Erstens: Auf einer Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OECD), die letzte Woche in Wien stattfand, forderten Vertreter einer "Initiative Europäischer Muslime für Sozialen Zusammenhalt" die Einführung von "Richtlinien gegen Islamophobie im öffentlichen Diskurs".
Die Redefreiheit in Europa sei mit Verantwortung verbunden, erklärte der Generalsekretär der Initiative, Bashy Quraishy. Man wolle "keine Sonderbehandlung", sondern denselben Schutz, den es gegen Homophobie und Antisemitismus längst gebe.
Zweitens: Eine islamische Organisation in Dänemark, die sich "Ruf zum Islam" nennt, hat die Einführung von " Scharia -Zonen" in von Muslimen bewohnten Gebieten des Landes gefordert. Zuerst in Tingbjerk, einem Vorort von Kopenhagen, dann in Nörrebro, mitten in der Hauptstadt, und später in weiteren Vierteln mit muslimischer Bevölkerung.
"Moralpolizei" soll Alkoholkonsum überwachen
In diesen Enklaven sollte eine Art "Moralpolizei" rund um die Uhr darauf achten, dass kein Alkohol konsumiert wird, keine Glücksspiele stattfinden und Diskotheken nicht besucht werden. Ungesagt blieb allerdings, ob diese Restriktionen nur für die Muslime oder alle Einwohner der genannten Viertel gelten sollten.
Gruppen, die ähnliche Absichten verfolgen, agieren inzwischen ganz offen in Großbritannien, Belgien, Frankreich und Spanien. Auch in deutschen Städten fällen "Scharia-Richter" bei Konflikten unter Muslimen "Urteile" nach den Regeln des Islam.
Nun käme kein Mensch auf die Idee, in Deutschland lebenden Italienern – beziehungsweise Deutschen mit italienischem Migrationshintergrund – das Recht einzuräumen, ihre Streitigkeiten nach den Regeln der Cosa Nostra austragen zu dürfen. Täten sie es doch, bekämen sie es mit der regulären Justiz zu tun. Allein die Debatte über ein solches "Recht" wäre eine Absurdität.
Bis jetzt hat auch niemand vorgeschlagen, den Verkauf von Schweinefleisch aus Rücksicht auf die Gefühle von Juden einzustellen oder Kühe für unantastbar zu erklären, um die Integration der in Deutschland lebenden Hindus nicht zu erschweren.
"Islamophobie im öffentlichen Diskurs"
Freilich: So wie die Dinge derzeit liegen, könnte schon dieser relativierende Hinweis als ein Zeichen von "Islamophobie im öffentlichen Diskurs" verstanden werden. Denn unter "Islamophobie" fällt alles, was Muslime als unangemessen und verletzend empfinden: Kritik an patriarchalischen Strukturen in Migrantenfamilien, der chronische Mangel an Selbstironie, die Neigung zum schnellen Beleidigtsein aus nichtigstem Anlass.
Man muss auch kein gelernter Dialektiker sein, um hinter der Versicherung der Initiative Europäischer Muslime für Sozialen Zusammenhalt, sie wolle "keine Sonderbehandlung", genau das Gegenteil zu erkennen.
Und wenn diese Initiative ausgerechnet Juden und Homosexuelle als besonders geschützte Spezies herausstreicht, mit denen die Muslime gleichgestellt werden möchten, dann könnte man ihr entgegenhalten, dass Antisemitismus und Homophobie heute vor allem in muslimischen Milieus weit verbreitet sind.
Wer freilich unbedingt unter der Herrschaft der Scharia leben möchte, dem sei das gegönnt: in Saudi-Arabien und Somalia, im Jemen und womöglich bald auch in Tunesien und Libyen. Wo die Sonne viel öfter lacht und Islamophobie ein Fremdwort ist.
http://m.welt.de/debatte/henryk-m-b...he-Moralpolizisten-fordern-Scharia-Zonen.html