Iran weist Trumps neuen Sanktionskrieg zurück – Teheran droht: „Kein einziger Tropfen Öl“
Die Trump-Regierung versucht, Iran wirtschaftlich noch weiter abzuriegeln, doch aus Teheran kommt keine Bereitschaft zum Nachgeben. Finanzminister Seyed Ali Madanizadeh erklärte, das Land habe einen auf 2 Jahre angelegten Wirtschaftsplan, der weitere amerikanische Sanktionen bereits berücksichtige. „Sanktionen sind für Iran nichts Neues.“ US-Finanzminister Scott Bessent hatte zuvor mehr als 60 Unternehmen, Personen und Schiffe weltweit mit neuen Strafmaßnahmen belegt. Washington wirft ihnen vor, Iran bei der Beschaffung von Nuklear- und Raketentechnik, Cyberoperationen und Öleinnahmen zu helfen. Nun sollen fünf Bereiche besonders getroffen werden: digitale Vermögenswerte, Technologie, Gold, Luftfahrt und Schifffahrt. Bessent kündigte an, der Druck werde von Tag zu Tag wachsen, bis Iran wirtschaftlich kaum noch Ausweichmöglichkeiten habe. Die Revolutionsgarden antworteten, getroffen werde damit vor allem die Bevölkerung. Washington wolle mit seinem Wirtschaftskrieg Lebensgrundlagen zerstören und das Vertrauen innerhalb des Landes beschädigen.
Trump hatte den gemeinsam mit Israel Ende Februar begonnenen Krieg als schnell und entscheidend angekündigt. Davon ist Ende August wenig übrig. Eine im Juni geschlossene Waffenruhe zerbrach wenige Wochen später, nachdem Iran die Blockade der Straße von Hormus wieder aufgenommen hatte. Nun droht Trump mit „Wirtschaftskrieg und Isolation in beispiellosem Ausmaß“ und will auch Staaten bestrafen, die weiter mit Iran Geschäfte machen. Zu den wichtigsten Handelspartnern gehören China, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Emirate stoppten vergangene Woche ihren Handel und ihre Finanzgeschäfte mit Iran, wenige Stunden nachdem Trump mit Präsident Mohammed bin Zayed telefoniert hatte. Ob Washington die Entscheidung verlangte, ist nicht bekannt. Bei China wird es für Trump schwieriger. Präsident Xi Jinping soll im kommenden Monat nach Washington kommen, und selbst Beobachter bezweifeln, dass Trump bereit ist, Peking wegen Iran mit wirklich schweren Sanktionen zu treffen. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf hält die amerikanischen Drohungen ohnehin für Großsprecherei und erklärte, die USA könnten es sich wirtschaftlich gar nicht leisten, ihre Beziehungen zu immer weiteren Ländern einzuschränken.
Gefährlich wird es dort, wo aus wirtschaftlichem Druck wieder militärischer Druck werden kann. Mehrere Analysten halten es für wahrscheinlicher, dass Iran auf die neuen Sanktionen mit weiteren Angriffen reagiert, als dass Teheran Trumps Forderungen zum Atomprogramm und zur Öffnung der Straße von Hormus akzeptiert. Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei sagte, Washington wiederhole Methoden, die bereits gescheitert seien; Iran werde alle internationalen Möglichkeiten gegen die Sanktionen nutzen. Noch deutlicher wurde Mohsen Rezaei vom Obersten Nationalen Sicherheitsrat. Sollte die amerikanische Kampagne weitergehen, werde aus der Golfregion „kein einziger Tropfen Öl“ mehr exportiert. Jede Regierung, die sich an Amerikas Wirtschaftskrieg beteilige oder ihn unterstütze, werde Iran als Kriegspartei betrachten. Die Drohung ist nicht theoretisch. Golfstaaten wurden bereits mit iranischen Drohnen und Raketen angegriffen, amerikanische Stützpunkte ebenfalls, und die Blockade von Hormus trifft Öl- und Gasexporte längst praktisch. Gleichzeitig hat der jahrelange Sanktionsdruck Inflation und Arbeitslosigkeit im Iran verschärft und zu den Massenprotesten dieses Jahres beigetragen, die das Regime mit brutaler Gewalt niederschlug; nach Angaben iranischer Menschenrechtsgruppen im Exil wurden Tausende Demonstranten getötet. Trumps neue Rechnung lautet trotzdem wieder: noch mehr Druck. Teherans Antwort lautet bisher nicht Kapitulation, sondern die Drohung, die Rechnung an den gesamten Persischen Golf weiterzugeben.