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Trump lehnt Iran-Gespräche ab und setzt auf wirtschaftlichen Druck
Der US-Präsident droht Handelspartnern des Iran mit Konsequenzen.
Die USA streben nach den Worten von US-Präsident Donald Trump derzeit keine Gespräche mit dem Iran an und setzen stattdessen auf wirtschaftlichen Druck. „Wir wollen nicht mit ihnen sprechen. Wir streben kein Treffen oder Ähnliches an“, sagte Trump am Donnerstag im Oval Office. Zuvor hatte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklärt, die wirtschaftlichen Maßnahmen der USA würden so lange fortgesetzt, bis der Iran zu ernsthaften Verhandlungen bereit sei.

Mit der „Operation Economic Outcast“ solle die iranische Wirtschaft „zerstört“ werden, sagte Leavitt im Fernsehsender Fox News. Derzeit fänden keine Verhandlungen statt. Trump halte sich jedoch weiterhin alle Optionen offen.

 
Iran: Diplomatie könnte wieder in Gang kommen
Der iranische Außenminister Abbas Araktschi hat im festgefahrenen Konflikt mit den USA die Tür für eine diplomatische Lösung offen gehalten.

„Es ist nicht unmöglich, die Diplomatie wieder auf Kurs zu bringen“, teilte Araktschi via X mit. Die USA müssten aber verstehen: „Druck funktioniert nicht. Die USA sollten Vertrauen aufbauen, respektvoll sprechen, unsere Rechte anerkennen und ihre Verpflichtungen einhalten“, fügte er hinzu.

Neue Runde diplomatischer Bemühungen
In den vergangenen Tagen hatten regionale Staaten eine neue Runde diplomatischer Bemühungen begonnen. Am Montag war eine Delegation unter Leitung des pakistanischen Armeechefs Asim Munir in Teheran. Am Dienstag folgte Omans Außenminister Badr al-Busaidi. Gestern traf sich Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani mit Araktschi.

 
Lange Schlangen vor Tankstellen in Teheran
In der iranischen Hauptstadt Teheran haben Ängste vor Versorgungsengpässen lange Schlangen vor Tankstellen ausgelöst. Autofahrer warteten in der Millionenmetropole sogar mitten in der Nacht vor den Zapfsäulen, wie Einwohner berichteten. Die Schlangen seien teils länger als einen Kilometer gewesen, hieß es.

Präsident Massud Peseschkian hatte in einer Kabinettssitzung diese Woche Probleme infolge des Krieges eingeräumt, den die USA und Israel Ende Februar gegen das Land begonnen hatten. Er rief die Regierung mit ihrer Fahrzeugflotte selbst zu Sparsamkeit auf, wie die auf Wirtschaftsnachrichten spezialisierte Nachrichtenagentur ILNA berichtete. Auch die Bevölkerung müsse kooperieren.

Einigen Tankstellen ging Sprit aus
Am Montag sei in Teheran so viel Benzin getankt worden wie noch nie in diesem Jahr, berichtete das Portal Chabaronline unter Berufung auf Behörden. Einigen Tankstellen mussten zeitweise den Betrieb einstellen, weil ihnen der Kraftstoff ausgegangen war, sagte der regionale Leiter der Nationalen Erdölgesellschaft, Fereidun Jasemi. Er nannte Gerüchte über Benzinengpässe in sozialen Netzwerken als Grund für die Rekordnachfrage.

 
Kein Sieg für den Iran, aber eine schwere Niederlage für die USA
Der Krieg am Golf geht in das zweite Halbjahr, eine Lösung ist nicht in Sicht. Der Nahe Osten sucht nach einer neuen Sicherheitsarchitektur

Vor sechs Monaten wurde der US-israelische Krieg gegen den Iran, der laut US-Präsident "vier bis sechs Wochen" dauern sollte, mit einem "Enthauptungsschlag" eröffnet. Die Tötung des Oberhaupts der Islamischen Republik, Ali Khamenei, nannte Donald Trump "die bisher größte Chance für das iranische Volk, ihr Land zurückzuerobern". Fünf Wochen später, als das erwünschte Ergebnis ausblieb, drohte er mit der Auslöschung der iranischen Zivilisation.

Das Regime in Teheran ist noch immer am Ruder, und die neue Führungselite scheint, anders als unter dem alten Khamenei, keine Konfrontation zu scheuen. Trump hat nun den härtest möglichen Wirtschaftskrieg verkündet: Da der Iran seit Jahrzehnten mit Sanktionen zu leben gelernt hat, müssen die USA wortwörtlich die ganze Welt in ihre Strafdrohungen einbeziehen. Einerseits könnte das Ergebnisse bringen. Andererseits schafft man so keine Verbündeten, um Teheran zu einem Kompromiss zu zwingen.

Denn um Kompromisse geht es mittlerweile. Es mag kein "Sieg" für die schwer getroffene Islamische Republik mit ihrem unsichtbaren Führer Mojtaba Khamenei sein, aber eine schwere Niederlage für die USA. Sie geht weit über den konkreten Krieg hinaus. Vom "letzten Seufzer einer kaputten Ordnung" spricht der US-Politikwissenschafter Marc Lynch in Foreign Affairs. Er sieht, wie viele Experten und Expertinnen, das Ende des "Amerikanischen Nahen Osten" gekommen.

 
Sechs Monate Krieg, 66 Prozent Inflation: Jetzt räumt Teheran die wirtschaftlichen Schäden ein
Sechs Monate nach Beginn des Krieges mit den Vereinigten Staaten räumt die iranische Führung inzwischen selbst ein, wie schwer die Wirtschaft getroffen ist. Präsident Masoud Pezeshkian erklärte, Importe und Exporte seien infolge der amerikanischen Sanktionen und der Blockade iranischer Häfen um fast 35 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig erreichte die jährliche Inflation im vergangenen Monat 66 Prozent. Selbst der seit dem Angriff vom 28. Februar nicht mehr öffentlich aufgetretene oberste Führer Mojtaba Khamenei fordert die Regierung inzwischen schriftlich auf, sich ernsthaft um Inflation, Arbeitslosigkeit sowie die Preise für Waren und Dienstleistungen zu kümmern.

Washington erhöht den Druck weiter. Die Trump-Regierung hat Staaten und Unternehmen gewarnt, ihre Geschäfte mit Iran einzustellen, andernfalls drohten ihnen sogenannte Sekundärsanktionen. Bei den großen Handelspartnern China und Indien hält sich Washington bislang allerdings zurück, weil ein Angriff auf dortige Banken und Unternehmen auch die amerikanische und die Weltwirtschaft treffen könnte. Dafür geht das US-Finanzministerium nun gegen die ägyptische Banque Misr vor und will deren Filialen in den Vereinigten Arabischen Emiraten von Dollartransaktionen abschneiden. Zusätzlich wurden ein Unternehmen in Hongkong und eine mit der iranischen Bank Melli verbundene Person sanktioniert. Pezeshkian erklärte zugleich, dass Iran während der kurzen Vereinbarung mit den USA im Juni rund 90 Millionen Barrel Öl verkaufen konnte, nachdem Washington diese Verkäufe vorübergehend zugelassen hatte. Diese Phase hielt nicht lange.

Katar versucht inzwischen erneut, zwischen beiden Seiten zu vermitteln. Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani traf am Donnerstag die iranische Führung in Teheran und drängte auf eine Rückkehr zur freien Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Außenminister Abbas Araqchi bezeichnete die Gespräche anschließend als „kreativ“. Gerade dort bleibt die Lage aber festgefahren. Die USA erklären, ihre Streitkräfte hätten die vom iranischen Revolutionsgardekorps gelegten Seeminen geräumt, und Trump behauptet wiederholt, die Meerenge sei offen. Die Marine der Revolutionsgarden nennt das eine „offensichtliche Lüge“ und besteht darauf, dass Schiffe weiterhin iranische Erlaubnis benötigen. Die tatsächlichen Verkehrszahlen passen kaum zu einer Rückkehr zum Normalbetrieb: Am Donnerstag passierten nur sieben Frachtschiffe die Straße von Hormus, am Vortag waren es 17, der Durchschnitt der vergangenen zehn Tage lag bei 15. Während beide Seiten militärisch weiter Stärke zeigen, wird in Teheran immer schwerer zu übersehen, was dieser Krieg inzwischen im Alltag kostet.
 
Keine Fotos, keine Videos: Das rätselhafte Schweigen von Irans neuem Führer
Seit dem Tod seines Vaters Ali Khamenei steht Mojtaba Khamenei an der Spitze des Iran. Seit Kriegsbeginn gibt es weder Bilder noch Videos von ihm.
Seit sechs Monaten steht Mojtaba Khamenei an der Spitze des Irans. Doch für die Bevölkerung bleibt das neue religiöse und politische Oberhaupt des Landes unsichtbar. Seit seiner Ernennung wurden weder Bilder noch Tonaufnahmen von ihm veröffentlicht. Khamenei soll bei den Luftangriffen zu Beginn des Krieges Ende Februar, bei denen sein Vater und Vorgänger Ali getötet wurde, schwer verwundet worden sein.

Die Fragen nach seinem Gesundheitszustand und seiner Rolle werden angesichts der kritischen Lage des Landes immer drängender. Der Iran steht vor entscheidenden Weichenstellungen in einem Krieg, der den Nahen Osten in Brand gesetzt und die ohnehin fragile Wirtschaft des Landes weiter geschwächt hat.

Regieren aus dem Schatten heraus
Regierungsvertretern und Insidern zufolge hat Khamenei weiterhin die Kontrolle. Er regiere aus Sicherheitsgründen aus dem Schatten heraus, während er sich von seinen entstellenden Verletzungen erhole. Die alltäglichen Amtsgeschäfte habe er an eine Gruppe hochrangiger Politiker delegiert.

Da es jedoch seit seiner Ernennung eine Woche nach Kriegsbeginn kein Lebenszeichen in Form von Fotos oder Videos gibt, wächst die Skepsis in der Bevölkerung. In der Islamischen Republik gilt das Wort des Obersten Führers eigentlich als absolut. „Die Frage ist nicht mehr, ob Mojtaba am Leben ist, sondern ob der Iran noch einen funktionierenden Obersten Führer hat“, sagt Alex Vatanka vom Middle East Institute in Washington.

 
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