Im serbisch-kroatischen Krieg kämpften Neonazis vor allem auf Seiten der Kroaten. Sie dienten sowohl in reinen Söldnereinheiten als auch in den regulären Truppenverbänden. Die rechtsextreme kroatische Partei HSP unterhielt eine Privatarmee, die als HOS-Miliz Unterstützung und Zulauf unter anderem aus Deutschland erhielt. Es sind auffallend viele Angehörige der inzwischen verbotenen Neonazi-Organisation FAP, die es nach Kroatien zieht. Manche der Neonazi-Söldner fahren auch mal so für ein Wochenende ins ehemalige Jugoslawien, um an Kämpfen teilzunehmen.[3] Neonazis aus dem Dresdner Raum sollen eine Söldnertruppe mit dem Namen Schwarze Legion gebildet haben. Die Einheit europäischer Freiwilliger wurde nach Angaben des Bundesinnenministeriums von einem ehemaligen Offizier der NVA geführt.[4] Die "Schwarze Legion" (Crna Legija) war eine berüchtigte Einheit der kroatischen Ustascha-Bewegung.
Eine andere Einheit trug die Bezeichnung "1. Gardjska Brigada Baron Trenck". Trenck (1711-1749) war ein österreichischer Oberst, der sich im Krieg gegen Preußen durch besondere Grausamkeit hervortat.[5] In rechten Postillen wurde deutlich für eine Beteiligung der "Kameraden" an Kriegseinsätzen als Söldner geworben. Aufgerufen hatte das Blatt The New Order des US-amerikanischen Neonazis Gary Lauck, die Nationale Liste von Christian Worch in dem Pamphlet Index, und der Freiwillige, Organ der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Waffen-SS, äußerte sich lobend über das neonazistische Kriegsgeschäft.[6] 1992 ist im Neonazi-Pamphlet The New Order zu lesen, dass sich bei der HSP bzw. der HOS-Miliz "nationalistische Kräfte in Europa und der ganzen Weißen Welt auf der Basis der nationalen Selbstbestimmung" treffen würden. Laucks NSDAP/AO lässt die kroatische Ustascha hochleben, die 1941 unter dem Protektorat von Hitler und Mussolini den "Unabhängigen Staat Kroatien" ausgerufen hatte.[7]
Einer der Hauptakteure bei der Rekrutierung von Neonazis für die kroatischen Söldnerheere war der Wiener Gerhard Endres, langjähriger Vertrauter des Wehrsport-Aktivisten Gottfried Küssel. Nachdem sie in Kroatien als Söldner gedient hatten und dort den Deutschen Horst Klenz kennengelernt hatten, machten sich Alexander Neidlein, Franz Kunst (bei einem Feuergefecht mit der Polizei in der Nähe von Pretoria erschossen) und Stefan Rays 1994 nach Südafrika auf. Das "Reisegeld" hatte sich das Trio zuvor mit einem bewaffneten Überfall auf ein Lübecker Postamt beschafft. In Südafrika sollen sie sich der Todesschwadron der Afrikaaner Weerstands Beweging (AWB) von Eugene TerreBlanche angeschlossen haben.
Weitere Kroatien-Söldner waren Oliver Schweigert, Uwe Herker aus Hirschberg (1989 legal aus der DDR ausgereist), Thomas Lemke [8], der Kühnen-Stellvertreter Thomas Hainke aus Bielefeld, Michael Homeister, Christian Sennlaub, Michael Baatz. Letzerem ist es zu verdanken, dass die in Kreisen ehemaliger Kroatien-Söldner geplanten Attentate auf Staatsanwalt Hans-Heiko Klein und dem inzwischen verstorbenen Ignatz Bubis verhindert werden konnten. Nach seiner Rückkehr aus Kroatien hatte Baatz sich im Herbst 1994 den deutschen Sicherheitsbehörden gestellt.[9]
«Beute als Sold
Die Behörden verfolgten die Beteiligung deutscher Neonazis im jugoslawischen Krisenherd offenbar sehr aufmerksam. Nach Verlautbarungen des Bundeskriminalamts im Juli 1992 waren deutsche Rechtsextremisten nicht nur beim Aufbau einer Söldnertruppe für Kroatien beteiligt, sondern auch an Waffenlieferungen.[10] Der rheinland-pfälzische Innenminister Walter Zuber äußerte bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes 1995 seine Besorgnis über die Ausbildung von Neonazis an der Waffe als Söldner im ehemaligen Jugoslawien.[11] Eine Veröffentlichung des österreichischen Innenministeriums informierte 1994 darüber, dass die kroatische Armee keinen Sold bezahlt, sondern den Söldnern "selbstgemachte Beute als Sold" überläßt. Dies habe zu Mord und Raub unter den Söldnern und an der Zivilbevölkerung geführt. Auch Journalisten waren nach den Erkenntnissen der Behörde unter den Opfern der Neonazi-Söldner.[12]
In einigen wenigen Fällen kam es zu Anklagen gegen ehemalige Söldner durch bundesdeutsche Gerichte. Zu lebenslangen Freiheitsstrafen wurden Falk Simang und Ralf Rüdiger Mrachacz, ein ehemaliger NVA-Soldat, wegen des brutalen Mordes an einem deutschen Kameraden in Mostar, Bosnien im August 1993 verurteilt. Sie waren in der paramilitärischen Söldnertruppe des selbsternannten Generals Tuta gegen die muslimische Bevölkerung eingesetzt. Die 1. Strafkammer des Memminger Landgerichts befand die beiden des gemeinsamen Mordes für schuldig.[13] Der an dem Mord mitbeteiligte ehemalige Polizeischüler Harald Stefan Trupp aus Kärnten wurde 1996 von einem Klagenfurter Gericht zu elf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.[14] Der damals 65jährige Belgier Roger Spinnewyn, Vorsitzender des belgischen Vereins "Freunde von Südafrika" wurde nach seiner Zeugenaussage im Memminger Prozess noch im Landgericht verhaftet. Gegen ihn lag ein Haftbefehl wegen illegalen Waffenhandels vor.[15]
Anklage gegen den deutschen Ex-Söldner Roland Bartetzko erhob die Staatsanwaltschaft der Uno-Verwaltung im Kosovo Ende 2001, wie der SPIEGEL berichtete. Ihm werden Mord, versuchter Mord und Terrorismus vorgeworfen. Eine der Taten, die ihm zur Last gelegt wird, ist ein Sprengstoffanschlag in Pristina, bei dem der Leiter des serbischen Zentrums für Frieden und Toleranz, Aleksandar Petrovic, ums Leben kam und vier seiner Begleiter schwer verletzt wurden. Bevor Bartetzko im Kosovo aktiv war, soll er sich als Söldner im Bosnien-Krieg verdingt haben.[16] Das Verfahren wird im Februar 2002 eröffnet. Bartetzko wird wegen Mordes in einem Fall, versuchten Mordes in vier Fällen und Terrorismus rechtskräftig zu insgesamt 23 Jahren Haft verurteilt.[17]
Der Hamburger Verfassungsschutz schätzte, dass insgesamt wohl mehrere hundert Deutsche mitgekämpft haben.[18] Die österreichischen Behörden haben etwa 50 Österreicher aus der Neonazi-Szene ermittelt.[19]