"Sehr geehrter Herr Mladić,
ich habe mich von Ihrer Unschuld überzeugt. Hiermit schreibe ich Ihnen, um Ihnen meine Hochachtung zum Ausdruck zu bringen. Und wenn Milliarden Menschen von mir verlangten, diese Worte zurückzunehmen, so würde ich sie immer und immer wiederholen. Ich habe Hochachtung vor Ihren charakterlichen Stärken! Es war eine beispiellose Hilfsaktion, wie sie sich um die moslemische Bevölkerung aus Srebrenica sorgten und die Evakuierung meisterten. Ich kann nur ahnen, wie spannungsgeladen die damalige Situation war, mit der Sie und Ihre Soldaten konfrontiert worden sind. Ich habe großen Respekt vor Ihrer Fairness, mit der Sie auch die niederländischen Soldaten behandelten. Es zeichnet Ihre Menschlichkeit aus, dass Sie nach den grausamen Morden an serbischen Frauen, Kindern und Männern, die Kontrolle über die schwierige Situation in Srebrenica bewahren konnten.
Meine Kraft werde ich einsetzen um der Welt zu zeigen, was Sie schon für so viele Serben sind -- ein Held!
Es ist ein Verdienst jener Menschen, die ihren klaren Verstand benutzen und den Widersprüchen nachgegangen sind, um die Welt über das aufklären was wirklich in Srebrenica geschehen ist. Ich wusste nichts von den grausamen Tötungen an serbischen Zivilisten. Als ich davon erfahren habe, wollte ich unbedingt mehr erfahren und begab mich selber auf die Suche. Als Sie im Mai 2011 verhaftet wurden, nahm ich mir Filmdokumentationen vor, die die „Hinrichtungs-Behauptungen" verbreiteten. Ich erkannte, wie naiv die "aufgeklärte" Gesellschaft ist und wie simpel sie manipuliert wird.
Meine Suche führte mich bis nach Bosnien. In Vlasenica traf ich mich mit Zoran Jovanović und verbrachte mit ihm einen Tag in der Gegend. Wir fuhren den Südweg, den Sie im Juli 1995 nach Srebrenica entlang kamen. Ich sehe diesen Moment deutlich vor Augen, weil mir Jovanović auf der Strecke sehr viel über Sie erzählte. Er lobte ebenfalls Ihren guten Charakter und betonte das Unrecht an Ihnen. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen um meine tiefe Anteilnahme am Verlust ihrer Tochter auszusprechen. Ich glaube nicht mehr den Darstellungen westlicher Medien über den Todeshergang. Es ist ein schreckliches Verbrechen, dass an Ihnen verübt wird.
In Skelani traf ich mich mit Angehörigen serbischer Massakeropfer und sah in Kravica die Gedenkstätte der getöteten serbischen Frauen, Kinder und Männer. Es ist für mich unmöglich das alles in Worte zu fassen. Zoran Jovanović sagte zu mir, „Die Urteile in Den Haag sind wie ein Fluch für uns Serben. Alles läuft verkehrt herum." Dabei nahm er eine Flasche und stellte sie auf den Kopf.
Ja, das habe ich erkannt -- alles dreht sich in die falsche Richtung.
Täter sind "Opfer" und Opfer sind "Täter"!
Für meine arrogante Gesellschaft, die mit ihrer einfältigen Ignoranz dieses Verbrechen an Ihnen und den anderen Serben ermöglichten, schäme ich mich. Die wirklichen Gefangenen befinden sich außerhalb der Gefängnismauern in Gefangenschaft Ihrer manipulierten Gedankenwelt.
Halten Sie bitte durch, denn es geben Menschen, die für Gerechtigkeit und Ihre Freiheit kämpfen.
Hochachtungsvoll
Helga Fuchs