Ich weiß nicht warum, aber seit einiger Zeit könnte ich jeden Tag mit dir streiten. Schon der erste Satz hat es mir schwer gemacht, den Rest zu lesen. Aber ok, ich werde mich bemühen.
Es hängt davon ab, wie man es interpretiert. Es könnte auch darum gehen, dass man den Teil der Verantwortung übernimmt, den man auch tatsächlich hat, und das würde Vieles einfacher machen. Auch für einen selbst, weil man sich 1. in eine aktivere Rolle bringt und 2. direkt in die Zukunft katapultiert wird. Aber das scheint nicht mal ansatzweise gewollt zu sein, aus welchen Gründen auch immer.
Du schreibst es ja auch selbst, vieles kann so oder so verstanden werden. Eine rigoros anti-serbische Lesart wird immer zu den gleichen Ergebnissen führen und hat selbstverständlich auch den Vorteil, dass man sich mit den eigenen Verfehlungen erst gar nicht auseinandersetzen muss, zumal diese ja auch ein Teil der eigenen Geschichte waren, insbesondere auch die Misswirtschaft! Ich weiß auch nicht, warum hier bloß die Beogradska Banka existiert. Dass es eine Ljuljanska auch gab, kommt nur dann vor, wo es auch weh tat. Auch eine Zagrebacka gab/gibt es und zwar schon länger als Tito.
Dass Infrastrukturprojekte auch heute kaum ein Land alleine bewältigen kann, sollte jedem u.U. auch klar sein. Aber daraus kann auch eine "Ideologie" oder was auch immer angedichtet werden. Viele dieser Projekte wurden erst nach dem Zerfall von YU realisiert. Egal ob in Slo, HR oder Serbien (ja, auch in Serbien!)
Auch kann man diesen krassen Unterschiede als ideologisch gewollt hinstellen. Dabei ist es auch ganz gut, völlig unter den Teppich zu kehren, was die Ausgangslage nach WK II war. Soweit ich mich erinnern kann, betrug die Analphabetenquote rd. 90 %. Würde sehr gerne wissen, wie hoch sie in 1990 war. Aber klar, es war alles nur Scheiße und schlecht. Irgendwie brauchen auch die aktuellen Verantwortlichen eine Basis dafür, ihren Bürgern zu verklickern, warum es trotz Misswirtschaft weniger Ungleichheit gab als heute. Sicher waren auch die Kommunisten korrupte Schweine. Aber wenn man sie mit so manchem aus der neueren Geschichte vergleicht, waren sie unglaublich bescheiden.
Weder der Panslawismus, noch SKS, noch YU waren serbische Ideen/Ideologien. Das weißt aber du sicher ganz besser als ich, gerade dir wird ein Ante Trumbic untergekommen sein. Deswegen ist es mir auch völlig unverständlich, wieso man den Serben ständig jeden Müll in die Schuhe schiebt.
Auch sonst ist mir völlig unverständlich, wie man angesichts der Dreistigkeiten und auch Unverschämtheiten hier als Serbe überhaupt noch einen Satz schreiben kann.
Du musst mal versuchen das ganze etwas objektiver zu sehen. Du hast eine üblich-geprägte Sicht auf Serbien und tendierst zur serbischen Sicht, weil sie viel Kontra bekommen. Das ist verständlich, vielleicht auch löblich, macht dich aber auch blind.
Von serbischer Seite kamen hier die üblichen Kommentare:
Bosniaken anerkennen nicht ihre slawischen Wurzlen
der erste kroatische König war ein Serbe
Tito war Kroate, also handelte er als Kroate
Cetniks waren keine Faschisten
nicht serbische Montes sind durchnässt vom Islam
und natürlich darf Zivojin Misic nicht fehlen, der schon früh erkannte, wie undankbar und hinterhältig die Kroaten sind, denn schließlich hat man HR ja gerettet...
Auf die Erwähnung, dass Krajinaserben in der KuK-Armee kämpften, kamen Ujobilder und die Aufforderung keine Fakten zu verdrehen (es ist fakt)
Ich bin nicht sicher, ob du das alles auf mich beziehst. Jedenfalls habe ich nicht behauptet, dass alles ideologisch gewollt war. Aber vieles hatte damit zu tun, das kann man auch ganz nüchtern belegen. Schon wenn man sich etwas mit Architektur auskennt, weiß man, dass im Sozialismus alles ideologisch war.
Gerne kommt man mit der Ausgangslage 45. Rein politisch müssten wir noch weiter zurückblicken, damit man Misic versteht und Trumbic. Trumbic ist natürlich eine interessante Figur, allerdings verstehe ich nicht, was du mir damit sagen willst, denn er war alles andere als begeistert, als 1929 Yu1 zu einer Diktatur wurde und beschwor dann die alten Zeiten mit Österreich. Ich habe auch schön öfter über andere geschrieben. Die Kroaten hatten lange ein sehr positives und hoffnungsvolles Bild von Serbien und leider erfüllten sich diese Hoffnungen nicht. Politisch gesehen war man da mit den Krajinaserben gar nicht so weit auseinander. Es gab auch Kroaten, die versuchten den Zusammenbruch 41 zu verhindern, gemeinsam mit Serben. Sogar bei der Ermordung des Königs zeigten Studenten Zagreb und viele andere ihr Mitgefühl/ ihre Solidarität, wie auch immer man das nennen will. Du beschwerst dich, dass man hier vieles nur einseitig betrachtet. Bei YU1 ist es hier sehr einseitig. Wieso sollte man nicht darüber reden, dass es keine Bosniaken gab, die es zuvor unter UÖ gab? Wieso nicht davon, welchen Status Kroaten hatten, Aufstände, etc. Klar schlachten hier einige Kroaten die Ermordung von Stipe Radic aus, auch Dijenigen, die klar rechts anzusiedeln sind. Nur macht es das nicht falscher.
Über den Panslawismus habe ich auch genug geschrieben, das muss ich jetzt nicht näher erläutern. Anfangs hatte er die meisten Vertreter in Kroatien, was auch damit zusammenhing, dass man mit ÖU nicht so glücklich war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das jemals als serbische Ideologie verkauft habe. Höchstens die Sicht einiger, dass YU serbisch geprägt war, bzw. unter serbischer Führung. (trau mich gar nicht Großserbien zu sagen)
Die großen Unterschiede zwischen Kroatien, Slowenien, Kosovo etc. sind ein Resultat aus Misswirtschaft, Ideenlosigkeit und ideologischer Grabenkämpfe. Mir kann keiner erzählen, dass keiner wegen der Verhältnisse im Kosovo sich nicht hätte in Grund und Boden schämen müsste.
Wer kontrollierte die Banken, wo lief alles zusammen?
Und dann die Unterstellung man wüsste nicht, was der eigene Beitrag war. Es ist doch nachzulesen, wann Tudjman erst an seine Mehrheit kam und wie das zu deuten war. Oder ab wann sich ein Nationalismus in Kroatien ausbreitete, nach dem kroatischen Frühling. Ab Tudjman steuerte man auf Krieg zu, wahrscheinlich in Absprache mit Serbien Slobo/Kadijevic.
Aber was 88/89 bedeutete will keinem bewusst werden. Und da geht es gar nicht mal darum, ob der Krieg deswegen ausbrach. Das war der Tod Jugoslawiens, der trotzdem ohne Krieg ausgehen hätte können. In den letzten Jahren war Yu nur noch ein Kadaver und wurde zerstört, die Idee war futsch.
Mein Highlight allerdings war die Frage, ob die Politiker in Jugoslawien auch schon so korrupt waren, wie heute. Und darauf soll man dann auch noch eingehen.