Türkei will Hand reichen
Als einer der ersten Staaten will die Türkei eine Unabhängigkeit der abtrünnigen südserbischen Provinz Kosovo anerkennen. "Eine Woche wird es nicht dauern. Es wird in den ersten 24 oder 48 Stunden passieren", sagte ein türkischer Regierungsvertreter der Tageszeitung "Zaman". Nach etwa einem Monat, wenn sich der Sturm etwas gelegt hat, sollen Vertreter der Kosovo-Albaner und der Serben zu Gesprächen in die Türkei eingeladen werden.
Denn Ankara will es sich nicht mit Serbien oder gar Moskau - international dem entschiedensten Gegner der Abspaltung - verderben. Nach dem Muster Kosovo könnten für die Türkei in anderen Regionen eigene Interessen auf dem Spiel stehen.
Die Unterstützung der schon für diesen Sonntag erwarteten einseitigen Unabhängigkeitserklärung des fast nur noch von Albanern bewohnten Kosovos, das jahrhundertelang unter osmanischer Kontrolle war, soll deswegen keinen Beispielcharakter für andere Konflikte bekommen. Die Lage im Kosovo soll nicht mit der Situation des kurdischen Autonomiegebietes im Norden des Irak oder der überwiegend von Armeniern bewohnten Enklave Berg-Karabach auf dem Gebiet des mit der Türkei befreundeten Aserbaidschan verglichen werden. In beiden Fällen lehnt Ankara eine Abspaltung ab.
Kosovo als Sonderfall?
Das Kosovo sei ein Sonderfall, meinte auch Fatmir Sejdiu, der albanische Präsident des Kosovo, als er in der vergangenen Woche Ankara besuchte. "Es kann kein Beispiel für ein andere Region oder ein anderes Land sein." Zur Begründung wird herangezogen, dass das Kosovo bereits in Jugoslawien eine Provinz gewesen ist.
In der EU meint vor allem Zypern, dass diese Begründung politisch auf wackligen Beinen steht und das Kosovo sehr wohl zum Präzedenzfall werden kann. Nikosia fürchtet, dass nach dem Kosovo auch die nur von der Türkei anerkannte "Türkische Republik Nordzypern" auf weitergehende internationale Anerkennung drängen könnte. Beim Referendum 2004 hatten die griechischen Zyprer den Plan der Vereinten Nationen (UN) zur Überwindung der Teilung der Insel abgelehnt, die türkischen Zyprer dagegen der Lösung zugestimmt.
Die Situation auf der geteilten Mittelmeerinsel, auf der die türkischen Bewohner 1983 die Unabhängigkeit proklamierten, ähnele dem Kosovo, sagte ein türkischer Regierungsvertreter der Tageszeitung "Zaman".