Eskalation in überfüllten Gefängnissen – sperrt Österreich zu viele ein?
Die Justizanstalten platzen aus allen Nähten, obwohl die Kriminalität gesunken ist. Gerichtspräsident Forsthuber nennt die Zustände nicht nur wegen der mutmaßlichen Misshandlung eines Häftlings explosiv– und empfiehlt, Insaßen viel früher zu entlassen
"Die Lage gleicht einem Pulverfass": Diese Diagnose drängt sich Friedrich Forsthuber aus aktuellem Anlass auf. Der Strafrichter kennt den vom Falter veröffentlichten Fall eines mutmaßlich misshandelten Hälftlings nicht im Detail, weshalb er dazu auch keine Stellung nimmt. Doch die "bedrohlichen Zustände" in den heimischen Justizanstalten, die in Eskalationen münden, sind ihm wohlvertraut: "Es ist fast ein Wunder, dass es nicht zu mehr Zusammenstößen kommt."
Was Forsthuber, Präsident des Wiener Landesgerichts für Strafsachen und Obmann der Richtervereinigung für eben diesen Fachbereich, damit meint, ist "massive Überlastung". Zu 108 Prozent sind Österreichs Gefängnisse laut Justizministerium aktuell belegt, an manchen Standorten ist die Überfüllung noch drückender. Von Überstunden gestresste Beamte träfen auf viel zu viele Häftlinge, die oft zum Nichtstun gezwungen seien, erzählt der Jurist: Aus Personalmangel würden diese mancherorts schon ab 14.30 Uhr bis zum nächsten Morgen in die Zellen gesperrt, statt sich in der Anstalt bewegen oder arbeiten zu können.
Länger einsperren
Wie dieser Notstand zu erklären ist? Nicht mit gestiegener Kriminalität. In den vergangenen zwanzig Jahren ist die Zahl der Verurteilungen trotz gewachsener Bevölkerung um rund 40 Prozent auf knapp 28.000 im Jahr 2024 zurückgegangen, bei den Freiheitsstrafen betrug das Minus 30 Prozent. Dennoch hat die Rate der Inhaftierten mit 108 Personen pro 100.000 Einwohnern nun wieder den damaligen Stand erreicht. Besonders in der jüngsten Vergangenheit wies die Kurve steil nach oben.
www.derstandard.at
Die Justizanstalten platzen aus allen Nähten, obwohl die Kriminalität gesunken ist. Gerichtspräsident Forsthuber nennt die Zustände nicht nur wegen der mutmaßlichen Misshandlung eines Häftlings explosiv– und empfiehlt, Insaßen viel früher zu entlassen
"Die Lage gleicht einem Pulverfass": Diese Diagnose drängt sich Friedrich Forsthuber aus aktuellem Anlass auf. Der Strafrichter kennt den vom Falter veröffentlichten Fall eines mutmaßlich misshandelten Hälftlings nicht im Detail, weshalb er dazu auch keine Stellung nimmt. Doch die "bedrohlichen Zustände" in den heimischen Justizanstalten, die in Eskalationen münden, sind ihm wohlvertraut: "Es ist fast ein Wunder, dass es nicht zu mehr Zusammenstößen kommt."
Was Forsthuber, Präsident des Wiener Landesgerichts für Strafsachen und Obmann der Richtervereinigung für eben diesen Fachbereich, damit meint, ist "massive Überlastung". Zu 108 Prozent sind Österreichs Gefängnisse laut Justizministerium aktuell belegt, an manchen Standorten ist die Überfüllung noch drückender. Von Überstunden gestresste Beamte träfen auf viel zu viele Häftlinge, die oft zum Nichtstun gezwungen seien, erzählt der Jurist: Aus Personalmangel würden diese mancherorts schon ab 14.30 Uhr bis zum nächsten Morgen in die Zellen gesperrt, statt sich in der Anstalt bewegen oder arbeiten zu können.
Länger einsperren
Wie dieser Notstand zu erklären ist? Nicht mit gestiegener Kriminalität. In den vergangenen zwanzig Jahren ist die Zahl der Verurteilungen trotz gewachsener Bevölkerung um rund 40 Prozent auf knapp 28.000 im Jahr 2024 zurückgegangen, bei den Freiheitsstrafen betrug das Minus 30 Prozent. Dennoch hat die Rate der Inhaftierten mit 108 Personen pro 100.000 Einwohnern nun wieder den damaligen Stand erreicht. Besonders in der jüngsten Vergangenheit wies die Kurve steil nach oben.
Eskalation in überfüllten Gefängnissen – sperrt Österreich zu viele ein?
Die Justizanstalten platzen aus allen Nähten, obwohl die Kriminalität gesunken ist. Gerichtspräsident Forsthuber nennt die Zustände nicht nur wegen der mutmaßlichen Misshandlung eines Häftlings explosiv– und empfiehlt, Insaßen viel früher zu entlassen