"Endzeitfaschismus" der Tech-Oligarchen?
Warum die US-Superreichen für das "Survival of the Fittest" vorsorgen
Warum in aller Welt will Elon Musk unbedingt eine Kolonie auf dem Mars gründen? Warum wollte Peter Thiel in Neuseeland eine "Freedom City" bauen (der lokale Widerstand verhinderte es)? Warum hat Mark Zuckerberg in Hawaii einen Untergrundbunker errichtet? Warum gibt es in Guatemala eine "Gated Community" für Superreiche, die ihren eigenen Gesetzen untersteht?
Die Antwort, die die bekannte Kapitalismuskritikerin Naomi Klein und ihre Co-Autorin Astra Taylor vom Guardian in einem Buch namens "End Time Fascism" geben (erscheint Mitte September), ist verblüffend einfach: Die Tech-Oligarchen, die man genauso gut Tech-Faschisten nennen könne – oder auch Tech-Suprematisten –, gehen vom Ende der Welt aus. Ein Ende, das sie und die von ihnen beeinflussten Politiker, namentlich Donald Trump, auch aktiv herbeiführen. Durch Klimazerstörung, amoklaufende Künstliche Intelligenz usw. Gleichzeitig möchten sie dem für sich selbst vorbauen und dabei auch noch weitere unermessliche Reichtümer scheffeln.
Transhumanismus statt Demokratie
Steile These, was? Aber es erklärt möglicherweise etwas an dem bizarren Verhalten der harten politischen Rechten, die von den Tech-Oligarchen beeinflusst wird. Warum bekämpft Trumps Regierung so intensiv die Impfprogramme? Warum wird massiv der Umweltschutz abgebaut? Warum will er Europäern Milliarden zahlen, wenn sie auf Windkraft verzichten? Warum werden Programme gegen Seuchen im Globalen Süden zusammengestrichen? Vielleicht, damit so die Apokalypse, die ohnehin kommt, schneller kommt und sich die Oligarchen und ihr Präsident noch rechtzeitig in ihre abgesicherten Refugien zurückziehen können?
Der Verstand weigert sich zunächst, das zu glauben. Aber schauen wir uns die politischen Haltungen von Musk, Thiel &Co. an (da gibt es einige, die weniger bekannt, aber mindestens so freaky sind). Sie glauben nicht (mehr) an die Demokratie, an gewählte Regierungen überhaupt, sondern sie sind der ausgesprochenen oder impliziten Ansicht, dass die Welt von genialen Unternehmern beherrscht werden sollte. Und zwar mithilfe von Künstlicher Intelligenz, aber auch von "Transhumanismus", der auf eine Art Mensch/Maschine-Hybrid hinausläuft – etwa indem man menschliche Intelligenz in eine generelle Künstliche Intelligenz "hochlädt".
Dies vor dem Hintergrund von drei großen, apokalyptischen Geschehnissen: die Covid-Pandemie, die als Vorbote noch viel furchtbarerer Seuchen begriffen wird; der Klimawandel, der nicht mehr zu leugnen ist; und die Massenmigration, die ihre Zufluchtsorte bedroht.
Naomi Klein und Astra Taylor fassen es zusammen: "Einfach gesprochen, bereiten sich die mächtigsten Leute der Welt auf das Ende der Welt vor, ein Ende, das sie selbst frenetisch beschleunigen". Dieser "Endzeit-Faschismus" will überall auf der Welt Festungen bauen, "extrem wohlhabende, demokratiebefreite sichere Häfen unter der alleinigen Kontrolle der Superreichen, beschützt von privaten Söldnern, bedient von KI-Robotern und finanziert durch Krypto-Währungen". Anmerkung: Auch Herbert Kickl möchte Österreich in eine "Festung" verwandeln.
Natürlich wird das so nicht funktionieren. Aber es genügt, dass der Tech-Faschismus praktisch bereits das Funktionieren der entwickelten Welt beherrscht. Ohne die Technologien dieser Leute läuft heute nichts mehr. Kein privater internationaler Zahlungsverkehr, keine Waffensysteme, keine Informationstechnologie. Es wird Zeit, sich damit näher zu befassen. (Hans Rauscher, 22.8.2026)
Warum die US-Superreichen für das "Survival of the Fittest" vorsorgen
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