Trump verneigt sich vor Peking – und plötzlich ist China kein Feind mehr!
Donald Trump flog nach Peking als Präsident eines Landes, das China noch vor wenigen Monaten offiziell als größte strategische Bedrohung behandelte. Er verließ die Stadt mit Lobeshymnen auf Xi Jinping, mit freundlichen Worten über die „besondere Beziehung“ beider Länder und mit bemerkenswerter Stille zu Taiwan. Der Mann, der China einst beschuldigte, Amerika „zu töten“, der Strafzölle von bis zu 145 Prozent verhängte und Xi Jinping früher als „extrem schwer für Verhandlungen“ bezeichnete, präsentiert sich plötzlich wie ein Politiker, der die Konfrontation nicht mehr sucht, sondern eine Verständigung.
In Peking applaudierte Trump chinesischen Kindern mit amerikanischen Fahnen, schwärmte von den „schönsten Rosen“, die er je gesehen habe, und erklärte vor laufenden Kameras, amerikanische Konzernchefs seien mit ihm gekommen, um China ihren Respekt zu erweisen. Gleichzeitig wich er bei einem der wichtigsten Themen der gesamten Reise aus – Taiwan. Xi Jinping warnte offen davor, die Frage Taiwans falsch zu behandeln, sonst könne es zu einem Zusammenstoß beider Staaten kommen. Trump reagierte öffentlich praktisch gar nicht darauf. Selbst bei der Rückreise ließ er offen, ob er ein milliardenschweres Waffenpaket für Taiwan überhaupt noch genehmigen werde.
Damit verändert sich nicht nur der Ton zwischen Washington und Peking. Es verändert sich die gesamte Linie der amerikanischen China-Politik. Noch unter Joe Biden und auch zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit dominierten Begriffe wie Entkopplung, wirtschaftliche Abhängigkeit, Sicherheitsrisiko und technologische Konkurrenz. Jetzt reist Trump gemeinsam mit den mächtigsten Wirtschaftsführern der Vereinigten Staaten nach China und spricht plötzlich über Zusammenarbeit, Geschäfte und Stabilität. Mit dabei waren unter anderem Vertreter von Nvidia, Meta, Apple, Boeing und BlackRock – genau jener Konzerne also, die Milliarden am chinesischen Markt verdienen.
Besonders auffällig ist dabei, wie stark Xi Jinping die gesamte Reise kontrollierte. Der chinesische Präsident begleitete Trump praktisch überall persönlich, führte ihn durch die streng abgeschirmte Führungsanlage Zhongnanhai und präsentierte ihm eine neue Formel für die Beziehungen beider Staaten – „konstruktive strategische Stabilität“. Gemeint ist damit vor allem eines: keine überraschenden Eskalationen mehr, keine plötzlichen Sanktionen, keine neuen Zollschocks und möglichst keine direkten Provokationen gegen Peking.
Trump scheint diese Linie inzwischen mitzutragen. Dabei liegt auf amerikanischer Seite längst ein Pentagon-Bericht vor, der China offen vorwirft, die Vereinigten Staaten aus dem westlichen Pazifik verdrängen zu wollen, Taiwan militärisch unter Druck zu setzen und Cyberangriffe gegen die USA auszuweiten. Trump bestreitet diese Gefahren nicht einmal. Er scheint nur zu glauben, dass man mit Xi Jinping besser Geschäfte macht als Konfrontationen führt. Auch beim Iran zeigte sich diese neue Haltung. Trump behauptete nach dem Treffen, Xi Jinping wolle bei einer Lösung helfen und beide Länder würden ähnlich denken. Gleichzeitig erklärte das chinesische Außenministerium erneut, der Krieg hätte nie stattfinden dürfen. Hinweise darauf, dass China seine Unterstützung für Teheran tatsächlich einschränkt, gibt es bislang nicht. Trotzdem präsentierte Trump die Gespräche öffentlich als Erfolg.
In Washington wächst deshalb inzwischen die Sorge, dass Trump gegenüber Peking deutlich nachgiebiger geworden ist. Kritiker verweisen darauf, dass China Trump im Handelskrieg des vergangenen Jahres massiv unter Druck setzen konnte – unter anderem über seltene Erden und Lieferketten. In Peking glaubt man inzwischen offen, dass Trump seine Lektion gelernt habe. Ein chinesischer Analyst formulierte es ungewöhnlich direkt: „Jeder hat eine Lernkurve. Jetzt weiß Trump, wie man mit China umgeht.“