In der Türkei fiel nach Angaben der türkischen Familienministerin zwischen 2000 und 2006 fast täglich eine Frau einem Ehrenmord zum Opfer.[37][38] Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Metropol hielten im Jahr 2006 bis zu 30 Prozent aller türkischen Studenten „Ehrenmorde“ für eine legitime Reaktion auf eine Verletzung der Familienehre. Besonders hoch war die Zustimmung an osttürkischen Universitäten.[39]Eine 2007 veröffentlichte Untersuchung der Vereinten Nationen[40] kam zu dem Schluss, dass befragte Türken unterscheiden zwischen Morden um der Ehre Willen und Morden aufgrund von Tradition (türk. töre), denen ein Beschluss von Familiengremien zugrunde liegt. Anhand der Aussagen der Täter unterscheidet eine weitere Studie von 2012[41]zwischen drei verschiedenen Dimensionen der Ehre: Şeref (die Ehre des Familiennamens), Namus (sexuelle Reinheit, Keuschheit, Gesittetheit der Frau) und Itibar (soviel wie „Kredit“). Gerade der mögliche Verlust der Kreditwürdigkeit sei ein unterschätztes Motiv für Ehrenmorde, bei denen nach westlichem Verständnis zu oft die Verteidigung immaterieller Werte im Vordergrund stehe.[42][43]In Großstädten wie Istanbul und unter befragten Migranten wurden derartige Traditionsmorde als „das Problem anderer“ betrachtet, insbesondere als eines der östlichen und südöstlichen Regionen des Landes. Als Gründe hierfür wurden die dortige Unterentwicklung bzw. Rückständigkeit, die bestehenden Sozialstrukturen und andere Defizite angeführt. Morde um der Ehre Willenwurde hingegen von den Befragten überwiegend als unvermeidlich beschrieben, da sie auf dem Handeln Einzelner beruhen.