EZB steckt Hedgefonds Insider-Infos
Die Geschichte klingt wie aus einem schlechten "Wall Street"-Film. Ein führender Notenbanker trifft in einem Londoner Luxushotel eine ausgewählte Gruppe von Bankern und Hedgefondsmanagern und informiert diese über ein neues, durchaus gewichtiges Detail der Geldpolitik. Erst 14 Stunden später erfährt der Rest des Marktes von den Aussagen des Zentralbankers. In der Zwischenzeit machen die für ihre aggressiven Wetten bekannten Akteure das Geschäft ihres Lebens.
Doch das Ganze war kein fiktionaler Hollywood-Stoff, sondern fand real statt.
EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré hatte am Montagabend um 19.30 Uhr deutscher Zeit im luxuriösen Londoner "Berkeley Hotel" einer illustren Schar an Finanzprofis – unter ihnen auch der Chefanlagestratege von George Soros – erklärt, dass die Notenbank ihr Aufkaufprogramm für Staatsanleihen vor dem Hochsommer intensivieren werde...
Unmittelbar nach der Coeuré-Rede rutschte die Gemeinschaftswährung um 19.45 Uhr deutscher Zeit um knapp 0,5 Prozent ab. Da die Hedgefonds ihre Wetten mit einem Hebel von 100 oder gar 1000 versehen, konnten sie 50 oder gar 500 Prozent machen. Wer bis zur Veröffentlichung am folgenden Morgen wartete, konnte gar mehr als 2000 Prozent mit der Wette einstreichen.
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Die EZB und ihre gewaltigen Kollateralschäden
Über der EZB-Zentrale braut sich was zusammen: Die Anti-Deflationsmaßnahmen greifen nicht so recht. / Bild: (c) REUTERS (KAI PFAFFENBACH)
Das Anti-Deflationsprogramm der EZB pumpt Blasen auf, kommt aber in der Realwirtschaft nicht an. Wenn die EZB auch noch Hedgefonds mit Insider-Infos bedient, dann ist das ziemlich bedenklich.
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