"Wissen nicht, ob andere Orbáns auftauchen": Brix fordert eine schnellere und radikalere EU
Das Ende des Einstimmigkeitsprinzips "wäre ein großer Fehler", sagt der ehemalige Leiter der Diplomatischen Akademie bei Martin Thür in der "ZiB 2"
Einen Kredit von 90 Milliarden Euro bekommt die Ukraine von der EU, das Paket wurde bisher von Ungarn unter Viktor Orbán blockiert. Es wurde es beschlossen, die Mittel sollen unter anderem für Sozialleistungen, Infrastruktur und Rüstung eingesetzt werden. Thema beim EU-Gipel in Zypern ist freilich auch der Krieg im Nahen Osten. Viktor Orbán war in Zypern nicht dabei. Wie geht es mit der EU weiter nach Orbán? Wird ihn jemand der 26 anderen EU-Staaten vermissen? "Er wird sicher nicht vermisst werden", sagt Emil Brix in der ZiB 2 bei Martin Thür. Der langjährige Leiter der Diplomatischen Akademie und frühere Botschafter in Moskau. Aber: "Was wir aber nicht wissen ist, ob nicht andere Orbáns auftauchen werden".
Slowenien könne sich etwa EU-kritisch gerieren, sollte eine Regierung unter Ex-Premier Janša zustande kommen. Auch eine neue Regierung in Bulgarien sei vermutlich EU-kritischer als die bisherige. Thür hat noch Tschechien oder die Slowakei auf dieser Liste. Wie groß ist die Macht dieser Länder? "In Wirklichkeit entscheidet der Europäische Rat", so Brix. Und dieser Rat entscheidet bei grundsätzlichen Fragen mit Einstimmigkeit. "Das heißt, selbst das kleinste Mitglied kann ein Problem werden". Hier gehe es um das Aushandeln von Vor- und Nachteilen. Das habe Orbán sehr bewusst gemacht und übertrieben, aber das sei Teil dieses Prozesses, der in der EU derzeit ablaufe.
Einen gemeinsamen Weg finden
Was sagt Brix zu Forderungen, dieses Einstimmigkeitsprinzip abzuschaffen? "Ich würde das für einen großen Fehler halten", findet er. Das sei gefährlich für den Zusammenhalt der Europäischen Union. Wenn man Staaten überstimmt, könne die Skepsis gegenüber der EU noch weiter zunehmen oder auch ein Austritt dieser Staaten drohen. Es brauche Wege, wie man besser zu dieser Einstimmigkeit kommt. "Da funktioniert einiges nicht", so der Diplomat, "wir müssen darauf schauen, dass wir einen Weg finden, um Gemeinsamkeiten – vielleicht auch pragmatisch – aller 27 zu erreichen".
www.derstandard.at
Das Ende des Einstimmigkeitsprinzips "wäre ein großer Fehler", sagt der ehemalige Leiter der Diplomatischen Akademie bei Martin Thür in der "ZiB 2"
Einen Kredit von 90 Milliarden Euro bekommt die Ukraine von der EU, das Paket wurde bisher von Ungarn unter Viktor Orbán blockiert. Es wurde es beschlossen, die Mittel sollen unter anderem für Sozialleistungen, Infrastruktur und Rüstung eingesetzt werden. Thema beim EU-Gipel in Zypern ist freilich auch der Krieg im Nahen Osten. Viktor Orbán war in Zypern nicht dabei. Wie geht es mit der EU weiter nach Orbán? Wird ihn jemand der 26 anderen EU-Staaten vermissen? "Er wird sicher nicht vermisst werden", sagt Emil Brix in der ZiB 2 bei Martin Thür. Der langjährige Leiter der Diplomatischen Akademie und frühere Botschafter in Moskau. Aber: "Was wir aber nicht wissen ist, ob nicht andere Orbáns auftauchen werden".
Slowenien könne sich etwa EU-kritisch gerieren, sollte eine Regierung unter Ex-Premier Janša zustande kommen. Auch eine neue Regierung in Bulgarien sei vermutlich EU-kritischer als die bisherige. Thür hat noch Tschechien oder die Slowakei auf dieser Liste. Wie groß ist die Macht dieser Länder? "In Wirklichkeit entscheidet der Europäische Rat", so Brix. Und dieser Rat entscheidet bei grundsätzlichen Fragen mit Einstimmigkeit. "Das heißt, selbst das kleinste Mitglied kann ein Problem werden". Hier gehe es um das Aushandeln von Vor- und Nachteilen. Das habe Orbán sehr bewusst gemacht und übertrieben, aber das sei Teil dieses Prozesses, der in der EU derzeit ablaufe.
Einen gemeinsamen Weg finden
Was sagt Brix zu Forderungen, dieses Einstimmigkeitsprinzip abzuschaffen? "Ich würde das für einen großen Fehler halten", findet er. Das sei gefährlich für den Zusammenhalt der Europäischen Union. Wenn man Staaten überstimmt, könne die Skepsis gegenüber der EU noch weiter zunehmen oder auch ein Austritt dieser Staaten drohen. Es brauche Wege, wie man besser zu dieser Einstimmigkeit kommt. "Da funktioniert einiges nicht", so der Diplomat, "wir müssen darauf schauen, dass wir einen Weg finden, um Gemeinsamkeiten – vielleicht auch pragmatisch – aller 27 zu erreichen".
"Wissen nicht, ob andere Orbáns auftauchen": Brix fordert eine schnellere und radikalere EU
Das Ende des Einstimmigkeitsprinzips "wäre ein großer Fehler", sagt der ehemalige Leiter der Diplomatischen Akademie bei Martin Thür in der "ZiB 2"