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Nachrichten aus Europa

EU: Beitrittsverhandlungen mit Ukraine begonnen
Die EU hat die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine begonnen. Vertreter beider Seiten starteten gestern am Abend in Luxemburg offiziell die Gespräche zum ersten Themenblock, wie ein Sprecher des Rates der Mitgliedsstaaten der dpa sagte.

Mit dem ersten Verhandlungsabschnitt werden Gespräche über Themen wie das Justizsystem, den Grundwerteschutz und Sicherheit begonnen. Kandidatenländer müssen dabei unter anderem nachweisen, dass ihre Rechtssysteme, der Grenzschutz und die Polizei den EU-Standards entsprechen.

Der Schritt der Eröffnung des ersten Verhandlungsabschnitts gilt nach einer zweijährigen Hängepartie wegen einer Blockade Ungarns als wichtiges Zeichen an die Ukraine, dass sich ihre Reformanstrengungen lohnen.

Selenskyj: „Klares Signal“
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lobte den Verhandlungsbeginn. „Die Eröffnung des ersten Clusters in den EU-Beitrittsverhandlungen Moldawiens und der Ukraine senden das klare Signal, dass Europas Fortschritt nicht gestoppt werden kann“, sagte Selenskyj in einem auf seinen sozialen Netzwerken verbreiteten Video.

 
EU – Bei Hofe

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Nach dem bitteren Bruch über den Iran-Krieg, Grönland und den Truppenabzug umwerben Europas Staatschefs beim G7-Gipfel in Évian-les-Bains den amerikanischen Präsidenten wieder, mit einem Trikot, Komplimenten und einem Diner in Versailles. Sie haben begriffen, dass ihnen kein anderer Plan bleibt!
Als Bundeskanzler Friedrich Merz dem Präsidenten am Dienstagmorgen ein Fußballtrikot mit der Nummer siebenundvierzig überreichte, war es eine Geste, wie sie ein ausländischer Staatsmann in Trumps erster Amtszeit gemacht hätte, schmeichelnd und besänftigend, ganz auf das Gefallen des anderen berechnet. Nur lag hinter Merz eine bittere Zeit, in der er und andere europäische Regierende den Krieg im Iran verurteilt und Trump damit zu der Drohung gereizt hatten, einen Teil der amerikanischen Truppen vom Kontinent abzuziehen.

Europas Bündnis mit den Vereinigten Staaten mochte weiter auf der Kippe stehen, doch am ersten vollen Tag des Gipfels der Sieben in dem alpinen Kurort zeigten die Regierenden, dass sie bereit blieben, sich höflich zu geben. Bei allem Gerangel des vergangenen Jahres scheinen sie zu dem Schluss gekommen, dass man einen störrischen Präsidenten am besten umwirbt, zumal man ihn in heiklen Fragen wie dem Krieg in der Ukraine noch braucht. Man sei in derselben Mannschaft, schrieb Merz in den sozialen Netzen und wünschte verspätet zum achtzigsten Geburtstag.


:oida:
 

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Grünes Licht für umstrittene Abschiebezentren
Das EU-Parlament hat heute in Straßburg mit klarer Mehrheit grünes Licht für das umstrittene „EU-Abschiebegesetz“ gegeben. Das vor einem Jahr von Migrationskommissar Magnus Brunner (ÖVP) präsentierte Gesetz ermöglicht schnellere und effizientere Rückführungen von Menschen aus Drittstaaten, die sich illegal in der EU aufhalten.

Auch Abschiebezentren in Drittstaaten können nun errichtet werden. Diese „Return-Hubs“ sollen möglich sein, wenn es einen Rückführbescheid gibt. Abkommen können mit einem Drittland geschlossen werden, das die internationalen Menschenrechtsstandards und -grundsätze achtet. Menschenrechtsorganisationen hatten hier Bedenken geäußert.

Karner will schnell mit Abschiebezentren starten
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) will die Abschiebezentren gemeinsam mit einer „Gruppe der Umsetzer“ rasch starten. Konkrete Länder, in denen diese Zentren eingerichtet werden könnten, wollte Karner nicht nennen. Im Gespräch sind etwa Uganda und Kasachstan.

 
Kennzeichnungspflicht fällt
EU schwächt Regeln zu Gentechnik ab
Mit modernen Gentechnikverfahren veränderte Lebensmittel dürfen in der EU künftig ohne spezielle Kennzeichnung im Supermarkt verkauft werden. Das EU-Parlament stimmte am Mittwoch mehrheitlich dafür, entsprechende Züchtungen in vielen Fällen von bisher strengen Regeln auszunehmen. Befürworter erhoffen sich dadurch vor allem ertragreichere und gegen den Klimawandel resistente Lebensmittel. Allerdings gibt es auch reichlich Kritik.

Für die betroffenen Lebensmittel gelten weiterhin dieselben Sicherheitsvorgaben wie für Züchtungen, die etwa durch Kreuzung und Auslese entstanden sind. Komplett ungeprüft kommen auch künftig gentechnisch veränderte Pflanzen nicht auf den Markt. Die Änderungen wurden bereits von den EU-Staaten bestätigt und sollen voraussichtlich ab Mitte 2028 angewendet werden.

Befürworter erhoffen sich dadurch Obst- und Gemüsesorten, die ertragreicher, resistenter gegen den Klimawandel und nährstoffreicher sind. Außerhalb der EU kann man nach Angaben des EU-Parlaments zum Beispiel derart veränderte Mais-, Weizen- und Reissorten mit geringerem Wasserbedarf kaufen sowie Bananen und Pilze, die nicht braun werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erwarten zudem eine einfachere Forschung durch weniger strenge Vorgaben.

 
Der Krieg endet – Europas Abhängigkeit nicht
Der Krieg mit dem Iran hat Europas alte Schwäche erneut sichtbar gemacht. Kaum gerieten Öl und Gas unter Druck und die Straße von Hormus ins Wanken, stiegen die Kosten für Energieimporte in wenigen Wochen um Milliarden. In Brüssel wird deshalb längst nicht mehr nur über Krisenreaktionen gesprochen, sondern über neue Wege, die Abhängigkeiten verändern sollen. Im Zentrum steht ein Vorhaben, das Indien über den Nahen Osten mit Europa verbinden soll. Hinter dem sperrigen Namen Indien-Nahost-Europa-Korridor steht ein großes Ziel: Handel, Energie und Datenströme künftig breiter aufzustellen und nicht länger auf wenige empfindliche Routen angewiesen zu sein.

Die Europäische Kommission sieht darin mehr als ein Infrastrukturprojekt. Geplant wird mit Leitungen, Stromverbindungen und neuen Transportachsen, die künftig auch Regionen umgehen sollen, die immer wieder zu geopolitischen Brennpunkten werden. Hinter verschlossenen Türen gilt die politische Unterstützung innerhalb der Europäischen Union als deutlich größer, als die Zahl der offiziellen Unterzeichner vermuten lässt. Gleichzeitig zeigt das Projekt die Grenzen europäischer Ambitionen. Ohne eine Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien bleibt der Korridor schwer vorstellbar. Saudi-Arabien wiederum knüpft eine Normalisierung weiter an Fortschritte bei einem palästinensischen Staat – etwas, das die israelische Regierung bislang ablehnt.

Parallel richtet Europa den Blick auf den Golf. Neue Energieverbindungen, zusätzliche Leitungen und Investitionen in erneuerbare Energien sollen helfen, künftige Schocks abzufedern. Dazu gehört auch ein Stromkabel zwischen Europa, Zypern und perspektivisch Israel, das seit Jahren geplant wird und bislang an Geld und Verfahren hängt. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung einen alten Widerspruch: Während über grüne Zukunft gesprochen wird, gelten ausgerechnet Öl- und Gasleitungen kurzfristig als die schnellste Antwort. Der Krieg hat Europa nicht unabhängig gemacht. Er hat nur deutlicher gemacht, wie teuer Abhängigkeit geworden ist.
 
EU-Gipfel ringt um härtere Linie gegenüber China
Einen Tag nach der G-7-Zusammenkunft treffen einander heute Nachmittag die EU-Staats- und -Regierungschefs zu einem Gipfel – im Zentrum steht dabei der Umgang mit dem wirtschaftlichen Partner und zugleich Konkurrenten China.

Zudem stehen Gespräche zur weiteren Unterstützung der Ukraine, zur Situation im Nahen Osten sowie zum neuen langfristigen EU-Budget auf der Agenda des zweitägigen Treffens.

Selenskyj als Gast dabei
Heute empfangen die EU-Spitzen zunächst den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Es ist Selenskyjs erster Besuch in der belgischen Hauptstadt, seit sein innerhalb der EU bekanntester Gegner, der ehemalige ungarische Regierungschef Viktor Orban, im April aus dem Amt gewählt wurde.

Wirtschaftspolitisch China im Zentrum
Bei einem anschließenden Arbeitsabendessen sollen die Wettbewerbsfähigkeit Europas und der Umgang mit China und seinen staatlich besonders stark geförderten Exporten nach Europa diskutiert werden. Insbesondere Europas Industrie kann oft preismäßig nicht mithalten.

 
EU plant Instrument gegen Abhängigkeit von China
Die EU-Kommission plant ein neues Instrument zur Verringerung der Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen aus China. Das sei nötig, um Risiken zu verringern, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gestern nach dem EU-Gipfel in Brüssel.

Sie sprach von „klarer Unterstützung für eine europäische Antwort, die auf der Einheit der Mitgliedsstaaten und dem Dialog mit China beruht“. Die EU müsse das Problem globaler Ungleichgewichte angehen. Konkrete Maßnahmen wurden nicht genannt. Um Zölle soll es bei den Gesprächen der Staats- und Regierungsspitzen nicht gegangen sein.

Die EU ist derzeit bei mehreren Rohstoffen stark von China abhängig – etwa bei Magnesium und Seltenerdmetallen. Seltenerdmetalle stecken in Bildschirmen von Smartphones und Fernsehern, aber auch in den Antrieben für Elektromotoren, Halbleitern und Turbinen.

China hatte im April 2025 Exportkontrollen verhängt. Die Maßnahme wurde als Vergeltungsmaßnahme für die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump verstanden, die China besonders stark traf.

G-7 für Obergrenzen
Bei ihrem Treffen am Mittwoch im französischen Evian hatten sich die Spitzen der führenden Industrienationen (G-7) darauf verständigt, Obergrenzen für die Einfuhr bestimmter Rohstoffe zu erreichen, um so das Risiko der Erpressbarkeit durch Länder wie China zu verringern.

 
Macron und Sánchez ziehen eine Linie gegen Europas Abschiebepläne
In Brüssel entstand in diesen Tagen keine Debatte darüber, ob Europa Menschen ohne Aufenthaltsrecht zurückführen soll. Der Streit begann an einer anderen Stelle. Neunzehn Mitgliedstaaten forderten, den neuen europäischen Mechanismus für Abschiebezentren außerhalb der Europäischen Union möglichst schnell einzusetzen. Frankreich und Spanien stellten sich dagegen. Deutschland unterschrieb die Erklärung ebenfalls nicht. Emmanuel Macron machte deutlich, dass Frankreich schnellere und wirksamere Rückführungen unterstützt. Seine Ablehnung richtet sich gegen die Auslagerung selbst. Menschen in Staaten zu bringen, in denen sie nie gelebt haben und die sie gegen finanzielle Gegenleistungen aufnehmen, hält er weder praktisch noch politisch für überzeugend. Er sagte offen, er habe bislang kein solches Modell gesehen, das tatsächlich funktioniere. Für ihn wirft das nicht nur Fragen der Umsetzung auf, sondern auch die Frage, wie weit Europa bei eigenen Grundsätzen gehen will.

Pedro Sánchez formulierte ähnlich, aber direkter. Solche Zentren seien aus seiner Sicht nutzlos. Sie würden Geld kosten, Probleme nicht lösen und gleichzeitig Beziehungen zu Herkunfts- und Transitstaaten belasten – also zu genau den Ländern, mit denen Europa langfristig zusammenarbeiten müsse. Der Hintergrund ist ein neues europäisches Regelwerk, das nach endgültigem Abschluss ermöglichen soll, Menschen in Drittstaaten zu bringen, wenn eine unmittelbare Rückführung in das Herkunftsland nicht möglich ist. Etwa weil Staaten ihre Staatsangehörigen nicht zurücknehmen oder weil dort Gefahr durch Verfolgung, Folter oder andere schwere Schäden droht. Künftig könnte dafür auch ein Land genutzt werden, zu dem die betroffene Person vorher keinerlei Verbindung hatte.

Menschenrechtsorganisationen warnen vor den Folgen. Nach ihrer Einschätzung könnten Menschen unter Umständen bereits aus der Europäischen Union gebracht werden, obwohl Rechtsmittel noch laufen. Ein Einspruch allein stoppt eine Abschiebung demnach nicht automatisch. Dazu kommt die Sorge, dass Menschen lange in solchen Einrichtungen verbleiben oder später weiter in Länder abgeschoben werden, in denen ihnen erneut Gefahr droht. Macron und Sánchez lehnen nicht die Rückführung ab. Sie stellen die Frage, ob Europa am Ende Menschen außer Sicht bringt, ohne beantwortet zu haben, wohin sie rechtlich und tatsächlich gehören sollen.
 
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