Vielleicht in ein oder zwei Generationen. Wobei das unsicher ist, denn in diesen Breitengraden bekommt man die Wähler idr leichter mit Nationalismus hinter sich, auch wenn dafür wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen muss weshalb das aus der Politik nicht verschwinden wird. .
Der Einsatz von Nationalismus als politisches Machtinstrument ist ein Werkzeug, das weltweit funktioniert – selbst wenn es der eigenen Bevölkerung nachweislich wirtschaftlich schadet. Was Sie beschreiben, ist die bewusste Priorisierung von Identität und Stolz über Wohlstand. Diese Dynamik wird in der Politikwissenschaft oft als
Identitätspolitik oder das Ausspielen von
„Brot gegen Stolz“ analysiert.
Dass diese Haltung auch in ein oder zwei Generationen nicht automatisch verschwindet, liegt daran, dass Nationalismus auf tiefen psychologischen und strukturellen Mechanismen beruht, die weit über Serbien oder den Balkan hinausgehen:
Warum Nationalismus als Stimmenfänger universal funktioniert
- Emotion schlägt Ökonomie: Wirtschaftliche Argumente (wie BIP-Wachstum, Inflation oder EU-Subventionen) sind rational und oft abstrakt. Nationalismus hingegen spricht Urängste und Urbedürfnisse an: Zugehörigkeit, kollektiven Stolz und den Schutz vor einer (oft konstruierten) äußeren Bedrohung.
- Die Erschaffung von Sündenböcken: Wenn eine Regierung wirtschaftlich versagt, ist Nationalismus das perfekte Ablenkungsmanöver. Anstatt Korruption oder marode Infrastruktur zu erklären, wird die Schuld auf äußere Feinde oder Minderheiten geschoben. Das funktioniert in Belgrad genauso wie in anderen Teilen der Welt.
- Das Erbe der Traumata: In Regionen mit ungelösten historischen Konflikten reicht ein Funke, um alte Ängste zu reaktivieren. Eltern und Großeltern geben diese Erzählungen oft unbewusst an die nächste Generation weiter.
Globale Parallelen: Nationalismus schlägt Wohlstand
Dieses Phänomen, dass Wähler für das „nationale Gefühl“ wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen, sieht man auf fast allen Breitengraden:
- Der Brexit im Vereinigten Königreich: Eines der klarsten Beispiele der jüngeren Geschichte. Gegen den Rat fast aller Ökonomen stimmte eine Mehrheit für den EU-Austritt – getrieben von Parolen wie "Take back control". Wirtschaftliche Einbußen wurden zugunsten der vermeintlichen nationalen Souveränität bewusst akzeptiert oder kleingeredet.
- Die Sanktionspolitik in Russland: Trotz massiver wirtschaftlicher Einschränkungen durch internationale Sanktionen schafft es die dortige Führung seit Jahren, die Bevölkerung über ein Narrativ der „Belagerung durch den Westen“ und des nationalen Großmachtstils hinter sich zu versammeln.
- Populismus in Lateinamerika und den USA: Ob unter dem Slogan "America First", der zu teuren Handelskriegen führte, oder bei autokratischen Tendenzen in Ländern wie Venezuela oder El Salvador – das Versprechen von nationaler Stärke und Sicherheit zieht Wähler oft stärker an als ein stabiles Wirtschaftsprogramm.
Warum der Generationenwechsel keine Garantie ist
Es ist ein weit verbreiteter Glaube, dass die Jugend automatisch liberaler, kosmopolitischer und pragmatischer denkt. Die Realität zeigt jedoch oft ein anderes Bild. Wenn das Bildungssystem, die Medienlandschaft und das familiäre Umfeld über Jahrzehnte hinweg nationalistische Narrative reproduzieren, wächst auch die Jugend damit auf. Oft sind es sogar gerade junge Menschen, die in Zeiten von Perspektivlosigkeit und hoher Jugendarbeitslosigkeit im radikalen Nationalismus Halt und eine Identität suchen.