Wolfram für die Söhne: Wie Trump und sein Handelsminister Kasachstan zur Familiensache machten
Im September letzten Jahres trafen sich Handelsminister Howard Lutnick und Kasachstans Präsident im St. Regis Hotel in New York. Trump rief während des Treffens per Telefon dazu. Was dabei besiegelt wurde, war ein Zugang zu einer der weltgrößten unerschlossenen Wolframreserven im ländlichen Kasachstan – ein Metall, das für die Herstellung von Raketenköpfen, Kampfjets und Computerchips gebraucht wird. Das amerikanische Unternehmen, das diesen Zugang erhielt, heißt heute Kaz Resources. Die Trump-Regierung genehmigte vorab Anträge auf bis zu 1,6 Milliarden Dollar Bundesfinanzierung für das Projekt.
Das war das offizielle Geschäft. Dann kommt der Rest.
Innerhalb von Wochen nach den Verhandlungen im St. Regis erwarben Investoren der Firma Dominari Securities – die im Trump Tower in New York sitzt und zum Teil Donald Trump Jr. und Eric Trump gehört – einen Anteil von 20 Prozent an einer Unternehmenseinheit, die mit dem Kasachstan-Projekt verbunden ist. Cantor Fitzgerald, eine Investmentgesellschaft, die von Lutnicks Familie kontrolliert und von seinen Söhnen Brandon und Kyle Lutnick beaufsichtigt wird, half einem der Hauptinvestoren, die auch mit Dominari zusammenarbeiten, 210 Millionen Dollar in frischem Kapital für eine verwandte Einheit einzuwerben. Solche Kapitalrunden bringen Cantor typischerweise Millionen an Gebühren ein. Das Kasachstan-Abkommen wurde schließlich am 6. November unterzeichnet – sechs Tage nach dem Investment der Trump-Söhne und ihrer Partner, das zum damaligen Zeitpunkt nicht öffentlich gemacht wurde.
Man muss diese Chronologie langsam lesen. Der Vater verhandelt den Staatsvertrag. Der Sohn investiert sechs Tage vor dem Abschluss. Der Vertrag tritt in Kraft. Niemand erwähnt es öffentlich. Das ist keine Kausalität, die irgendwer beweisen müsste – die Abfolge spricht für sich. Das Kasachstan-Geschäft ist kein Einzelfall. Eine oder beide Familien haben finanzielle Verbindungen zu mindestens 14 Unternehmen, die aktiv mit der Bundesregierung an kritischen Bergbauprojekten arbeiten. Alle 14 Unternehmen haben entweder direkt von finanzieller Unterstützung der Trump-Regierung profitiert oder haben laufende Genehmigungsanträge beim Handelsministerium, das Lutnick leitet. Die Gesamtsumme der Bundesgelder, die die Trump-Regierung diesen Unternehmen bereitgestellt hat oder in Erwägung zieht bereitzustellen, übersteigt 8,9 Milliarden Dollar.
Montesquieu, der Vater der Gewaltenteilung, formulierte das Problem bereits im 18. Jahrhundert: Wer Gesetze macht und gleichzeitig aus ihnen profitiert, hat die Trennung von öffentlicher und privater Macht aufgehoben. Was Trump und Lutnick hier praktizierten, ist die vollständige Aufhebung dieser Trennung – nicht durch Täuschung, sondern durch Offenheit. Der Handelsminister verhandelt den Staatsvertrag. Sein Sohn kassiert die Gebühren. Der Präsident telefoniert dazu. Die Söhne des Präsidenten kaufen Anteile. Das Ministerium genehmigt die Milliarden. Niemand sieht einen Interessenkonflikt, weil niemand so tut, als wäre einer vorhanden.
Das ist die eigentliche Dreistigkeit dieser Regierung – nicht die Korruption als heimliches Vergehen, sondern die Korruption als Betriebssystem. Sie versteckt sich nicht mehr. Sie braucht es nicht. Wer 8,9 Milliarden Dollar an Bundesgeldern zu Unternehmen lenkt, an denen die eigene Familie beteiligt ist, und das in Bundeseinreichungen nachlesbar macht, hat entschieden, dass Scham kein nützliches Konzept mehr ist. Tief im ländlichen Kasachstan, im Dorf Unrek, hat die Sowjetunion während des Kalten Krieges Löcher in die Erde gegraben, um Wolfram zu suchen. Ein amerikanisches Unternehmen plant, dort wieder zu graben. Das Wolfram wird für Raketenköpfe und Kampfjets gebraucht. Die nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten sind real. Aber die Frage, wessen Söhne dabei das Geld verdienen, ist ebenfalls real – und sie hat eine Antwort, die in Bundeseinreichungen steht.
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