Ich erhoffe mir nichts mehr aus den Verhandlungen. Wird sowieso nichts.
Am Anfang habe ich auch nichts erwartet, ich dachte es wird nocheinmal dasselbe, was wir schon seit der Kindheit kennen. Sie scheinen aber wirkliche Fortschritte gemacht zu haben.
Das Problem ist einfach, dass beide Seiten komplett unterschiedliche Vorstellungen eines Gesamtstaates haben.
Wir im Norden wollen das die Türkei Garantiemacht bleibt und das die Präsidentschaft wie in Bosnien gehandhabt wird. Und das kriegen wir nicht.
Die Garantien sind tatsächlich ein Problem. Man wird irgendwie eine Formulierung finden müssen, von der beide Seiten gedeckt sich fühlen, und das wird schon etwas schwer sein.
Mit der Präsidentschaft wird das kein großes Problem, schätze ich. Schon Christofias und Talat hatten sie sich über ein System von rotierender Präsidentschaft geeinigt, wenn ich es richtig im Kopf habe. Und Anastasiadis hatte dem Anan-Plan zugestimmt, das diesen Präsidialrat vorsah, der praktisch auch so etwas war, oder? Ich denke, wenn jetzt unsere Seite hart in diesem Thema ist, ist es, um türkische Zugeständnisse in anderen Themen zu kriegen. Das ist natürlich nur meine Meinung.
[...], falls es zu Zuständen wie 1964-1974 kommt.
Diese Ängste sind unbegründet. Die Zeit des Nationalismus ist in der griechischen Gesellschaft schon lange vorbei.
Die griechische Gesellschaft ist heute eher mit westlichen Wohlstandsgesellschaften zu vergleichen.
Man will als westlicher Staat lieber der NATO beitreten oder zukünftig von der EU, aber nicht von irgendwelchen
anderen Nationalstaaten beschützt werden.
Auch das mit der 3:1 Formel ist eigentlich eher unfair für die Griechen geschweige denn eine 1:1 Formel, da man
über 70% der Bevölkerung - die illegal angesiedelten Türken mit eingerechnet - stellt.
Die griechische Seite scheint mir momentan äußerst verständnisvoll zu sein, was die Verhandlungen angeht. Für
die Griechen geht es nicht wirklich um etwas. Für die Türken hingegen ist das die letzte Chance der
islamisch/nationalistischen Yobaz-Diktatur Erdogans zu entkommen und doch noch den Weg in den Westen zu finden.
Diese Ängste sind unbegründet. Die Zeit des Nationalismus ist in der griechischen Gesellschaft schon lange vorbei.
Die griechische Gesellschaft ist heute eher mit westlichen Wohlstandsgesellschaften zu vergleichen.
Man will als westlicher Staat lieber der NATO beitreten oder zukünftig von der EU, aber nicht von irgendwelchen
anderen Nationalstaaten beschützt werden.
Auch das mit der 3:1 Formel ist eigentlich eher unfair für die Griechen geschweige denn eine 1:1 Formel, da man
über 70% der Bevölkerung - die illegal angesiedelten Türken mit eingerechnet - stellt.
Die griechische Seite scheint mir momentan äußerst verständnisvoll zu sein, was die Verhandlungen angeht. Für
die Griechen geht es nicht wirklich um etwas. Für die Türken hingegen ist das die letzte Chance der
islamisch/nationalistischen Yobaz-Diktatur Erdogans zu entkommen und doch noch den Weg in den Westen zu finden.
Ich verstehe zum einen die griechische Seite, die als EU-Mitgliedstaat nicht unter Garantie eines nicht-EU Mitglieds stehen möchte, aber auch die türkische Seite die eine Garantie für ein friedliches Zusammenleben möchte, falls es zu Zuständen wie 1964-1974 kommt.
Ich persönlich würde dieses Problem darin lösen, dass nur der türkische Teilstaat unter Garantie der Türkei steht, bzw. der griechische Teilstaat unter Garantie Griechenlands. Damit wäre der oben genannte Konflikt gelöst. Außerdem sollte die griechisch-zyprische Polizei keine Befugnisse im Norden haben, bzw. die türkisch-zyprische keine im Süden.
Das Problem mit der wechselnden Präsidentschaft ist, dass hier nicht die 3:1 Formel verwendet werden sollte, sondern eine 1:1 Formel, da es sich um zwei Teilstaaten handelt, ungeachtet der Demografie.
Zu Zuständen wie 1964-74 kann es schon aus praktischen Gründen nicht kommen. Damals lebten die türkischen Zyprioten in vielen Dörfern auf der ganzen Insel zerstreut, von griechischen Zyprioten umgeben, die den ganzen Staat unter ihrer Kontrolle gebracht hatten. In einem vereinten Bundesrepublik Zypern werden die türkischen Zyprioten ihr eigenes zusammenhängendes Gebiet haben, in dem die türkisch-zypriotische Polizei die Sicherheit garantieren wird. Was könnten einige gr-zypriotischen Nationalisten in einer solchen Situation machen? Wenn sie etwas versuchen, werden sie von der tr-zypriotischen Polizei festgenommen. Probleme könnte es nur geben, wenn die gr-Zyprioten eine richtige Armee illegal aufbauen und eine Invasion in den nördlichen Teil starten: dadurch aber würde sowieso das ganze Abkommen kollabieren, und die Türkei würde ihre Armee schicken, egal was die Verträge sagen.
Bei den Garantien, ich denke es ist eher ein emotionelles als ein praktisches Problem. Man wird so einer Formulierung finden, die die tr-zypriotische Seite als türkisches Interventionsrecht interpretieren kann, und die gr-zypriotische Seite als eine Abschaffung dieses Interventionsrechts verkaufen kann. Wenn es wirklich zu einer Kriegsituation kommt, wird sowieso jede Seite handeln ohne viel auf Verträge zu achten - wie das übrigens 1964-1974 passiert ist.
Mit der Präsidentschaft wird man das auf einer Analogie in der Nähe von 2:1 festlegen, schätze ich. Größer als 1:1 und kleiner als 3:1.
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