Das große Verschwinden – Wie Russland Sanktionen umgeht und die Statistik gleich mit
In den russischen Zolldaten für das Jahr 2025 klafft eine Lücke von historischem Ausmaß. Rund 180 Kategorien technisch anspruchsvoller Waren tauchen schlicht nicht mehr auf. Es handelt sich überwiegend um Elektronik und industrielle Ausrüstung, genau jene Güter, die unter EU- und US-Sanktionen fallen. Recherchen ergeben aber, dass diese Lieferungen nicht etwa eingestellt worden. Sie sind unsichtbar gemacht worden. Die Importeure arbeiten weiter, die Nachfrage besteht fort, nur die Einträge in der zentralen Zolldatenbank fehlen. Der Staat löscht die Spur.
Der Zweck liegt auf der Hand. Indem die Angaben nicht mehr erfasst werden, soll der Blick auf den sogenannten grauen Import verstellt werden. Lieferketten für sanktionierte Technik, vor allem für den militärisch-industriellen Komplex, bleiben im Dunkeln. Neue Strafmaßnahmen gegen Zulieferer sollen vermieden werden, indem es offiziell nichts mehr gibt, was man sanktionieren könnte. Die Methode ist grob, aber wirksam: Was nicht registriert ist, existiert statistisch nicht.
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Die Auswertung wirkt wie ein nüchternes Lagebild über den tatsächlichen Zustand der Sanktionen. Sie dokumentiert nicht deren Existenz, sondern ihre Umgehung. Wo Raupenbagger, Bearbeitungszentren und Drehmaschinen in dreistelliger Millionenhöhe auftauchen, zeigt sich, dass die Beschränkungen nicht zu einem Abbruch geführt haben, sondern zu einer Neuorganisation der Lieferwege. Es geht nicht um Notlösungen, sondern um gezielte Versorgung. Akkumulatoren, Generatoren und Rechentechnik stehen dabei exemplarisch für jene Güter, die offiziell zivil gelten, in der Praxis jedoch unverzichtbar für militärische Produktion und Einsatzfähigkeit sind. Die Auswahl ist kein Zufall, sondern funktional: Maschinen zum Produzieren, Teile zum Reparieren, Systeme zur Energieversorgung. Zusammen sichern sie den Weiterbetrieb industrieller und militärischer Strukturen trotz formaler Verbote. In Verbindung mit den ausgedünnten Zolldaten wird deutlich, was die Sanktionen tatsächlich bewirken: Sie verschwinden nicht aus der Politik, sondern aus der Statistik. Sichtbar bleibt nur, was nicht mehr vollständig verborgen werden kann. Gerade diese Normalität der Umgehung ist die eigentliche Aussage der Analyse. Sie zeigt, dass Sanktionen zwar beschlossen sind, ihre Durchsetzung jedoch so löchrig geworden ist, dass Umgehung längst Teil des Alltagsgeschäfts ist.
In den russischen Zolldaten für das Jahr 2025 klafft eine Lücke von historischem Ausmaß. Rund 180 Kategorien technisch anspruchsvoller Waren tauchen schlicht nicht mehr auf. Es handelt sich überwiegend um Elektronik und industrielle Ausrüstung, genau jene Güter, die unter EU- und US-Sanktionen...
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