Schachlegende und Kremlkritiker
Oppositioneller Kasparow: "Wir müssen die Idee des russischen Imperiums zerstören"
Der frühere russische Schachweltmeister Garri Kasparow zählt zu den schärfsten Kritikern Wladimir Putins. Im Interview erzählt er, warum Demokratien autoritäre Regime unterschätzen und weshalb er beim Thema KI optimistisch bleibt
Er gilt als einer der größten Schachspieler der Geschichte, inzwischen tritt der frühere russische Schachweltmeister Garri Kasparow vor allem als Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Erscheinung. Der 1963 in Baku geborene Oppositionelle lebt seit 2013 im Exil und engagiert sich seit Jahren für Demokratie und eine entschlossenere Haltung des Westens gegenüber autoritären Regimen. Zugleich beschäftigt er sich intensiv mit den gesellschaftlichen Folgen künstlicher Intelligenz. Anlässlich eines Kongresses der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa war Kasparow am Wochenende in Wien und sprach mit dem STANDARD* über Russlands Krieg gegen die Ukraine, die Zukunft der Demokratie und künstliche Intelligenz.
STANDARD: Die Ukraine hat zuletzt russische Ölraffinerien und Ziele in Moskau und St. Petersburg angegriffen. Ist es eine Gefahr für Putin, dass die Menschen in Russland den Krieg zu spüren bekommen?
Kasparow: Die meisten geben der Ukraine die Schuld dafür. Ich habe Ihrer Außenministerin hier in Wien gesagt, dass es ein großer Fehler wäre, die eigene Logik auf Putin anzuwenden. In Diktaturen gelten andere Kriterien. Russland ist krank und von Paranoia geprägt. Wenn Putin zehntausend Soldaten verliert, zuckt er nicht mit der Wimper. Er hat einen ausgeprägten Überlebensinstinkt, ohne den er sich nicht 26 Jahre lang an der Spitze der größten Mafia-Organisation der Welt gehalten hätte. Putin weiß, dass es politischer Selbstmord für ihn wäre, den Krieg unter den jetzigen Bedingungen zu beenden. In Russland sind Zaren und Diktatoren gestürzt, wenn Kriege schlecht liefen.
Der frühere russische Schachweltmeister Garri Kasparow zählt zu den schärfsten Kritikern Wladimir Putins. Im Interview erzählt er, warum Demokratien autoritäre Regime unterschätzen und weshalb er beim Thema KI optimistisch bleibt
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