Russland will die Familie des „fröhlichen Milchbauern“ loswerden – nun trifft es einen Mann, der das Land jahrelang verteidigte
Justas Walker wurde in Russland als der „fröhliche Milchbauer“ bekannt, jetzt droht seiner Familie die Ausweisung aus dem Land, das der Amerikaner jahrzehntelang zu seiner Heimat gemacht hat. Am 7. August veröffentlichte Walker ein fünfminütiges Video mit dem Titel „Unsere Familientragödie“ und berichtete, die russische Migrationsbehörde habe die Aufenthaltserlaubnis seiner Familie annulliert und verlange die Ausreise. Wer genau aus der Familie betroffen ist, sagte er nicht. Walker lebt nach eigenen Angaben seit 1994 in Russland, heiratete dort, seine Kinder wurden dort geboren, seit zehn Jahren betreibt er eine Farm im Altai. Noch in diesem Jahr habe die Familie praktisch ihr gesamtes verfügbares Geld in den weiteren Ausbau ihres Projekts gesteckt. Nun bittet er seine Anhänger, für die Familie zu beten.
Berühmt wurde Walker 2014, als das russische Staatsfernsehen über Putins Lebensmittelembargo als Antwort auf die westlichen Sanktionen nach der Annexion der Krim und dem Beginn des Krieges im Donbass berichtete. Walker erklärte damals, warum russische Produzenten künftig bessere Chancen gegen europäische Konkurrenz hätten, und brach bei dem Gedanken an nicht mehr erhältlichen italienischen Käse in schallendes Gelächter aus. Das Staatsfernsehen machte daraus den „fröhlichen Milchbauern“, und Walker wurde zu einem der bekanntesten amerikanischen Russland-Auswanderer. Seine Begeisterung für Russland hinderte ihn später allerdings nicht daran, die Behörden anzugreifen. Im März 2026 warf er dem Landwirtschaftsministerium nach der massenhaften Tötung von Vieh „Drohungen, Verbote und bürokratischen Druck“ vor und beschuldigte es, kleine und mittlere Landwirtschaftsbetriebe zerstören zu wollen.
Bereits 2024 hatte er sich im Altai einem Protest gegen Goldabbau angeschlossen. Schon 2019 forderte ausgerechnet der Mann, der durch Putins Lebensmittelboykott berühmt geworden war, dessen Abschaffung, weil Abschottung kurzfristig Wachstum bringe, langfristig aber Stillstand verursache. Merkwürdig bleibt sein Aufenthaltsstatus. Medien berichteten bereits 2021 über die Annullierung seiner Aufenthaltserlaubnis, während Walker später selbst erklärte, russischer Staatsbürger zu sein und deshalb gar nicht abgeschoben werden zu können. Die Familie reiste zwischenzeitlich sogar gemeinsam in die USA. Was davon heute rechtlich gilt, dürfte Walker am Montag erfahren, wenn die Behörden ihn zu einem Gespräch und zur Übergabe konkreter Unterlagen bestellt haben. Der Mann, dessen Lachen einst hervorragend in die staatliche Geschichte vom Nutzen der Abkehr vom Westen passte, wartet nun selbst darauf, ob Russland seine Familie noch im Land haben will.
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