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Russische Wirtschaftsnews

Unsere Recherchen zeigen auf: Kupfer, Milliarden und Familienbanden – Wie ein russisches Arktisprojekt trotz Sanktionen weiterläuft
Auf der Halbinsel Tschukotka, am äußersten Rand Russlands, entsteht eine Mine, die Milliarden wert ist. Das Baimskoje-Vorkommen gehört zu den größten unerschlossenen Kupferlagerstätten der Welt. Der geplante Komplex soll 12,5 Milliarden Dollar kosten. Moskau nennt es ein strategisches Nationalprojekt. Was es wirklich ist, zeigt sich erst, wenn man die Eigentümerstruktur sich genauer anschaut.

Abramovich verkauft, Kim kauft

Bis 2018 gehörte das Vorkommen Roman Abramovich und Alexander Abramov. Dann übernahm die kasachische KAZ Minerals — ein Konzern der Milliardäre Vladimir Kim und Oleg Novachuk. Erfahrung mit arktischen Projekten? Keine. Aber Kapital, Netzwerke und Geduld — offenbar genug. Als der Westen nach dem Einmarsch in die Ukraine Sanktionen verhängte, wurde ausländischer Besitz an russischen Schlüsselprojekten politisch heikel. Die Lösung war kein Rückzug. Es war Umbau.

Ein Fonds namens Palmyra

Die Vermögenswerte wanderten in einen russischen geschlossenen Investmentfonds: Palmira Severa. Verwaltet von Ruskapital — einer Gesellschaft, die früher über Rid Oil-Perm kontrolliert wurde. Mitbesitzer dort bis 2023: Dmitry Trutnev. Sohn von Yury Trutnev, Russlands stellvertretendem Ministerpräsidenten und Hauptverantwortlichem für die Arktispolitik des Kremls. So funktioniert die Architektur.

Dubai baut die Arktis

Den Bauauftrag für die Anlage erhielt Vega Razvitiye — in Russland kaum bekannt, im Hintergrund gut vernetzt. Hinter der Firma steht Nord Rim DMCC aus Dubai, verbunden mit Kim über die kasachische RBK Bank. Mehr als zehn Milliarden Rubel flossen in zwei Jahren an Vega Razvitiye. Novachuk war bis März 2025 Mitgründer. Eine weitere beteiligte Firma, Severnye Inzhenernye Resheniya, führt über Nomad Construction Limited zu Alen Baigazin — ebenfalls ein Geschäftspartner Novachuks. Offiziell ein russisches Staatsprojekt. Tatsächlich ein Netzwerk aus Kasachstan, Dubai und Moskauer Regierungskreisen.

Warum Sanktionen hier nicht ankommen

Drei Mechanismen erklären, warum Projekte wie dieses weiterlaufen — unabhängig davon, was in Brüssel oder Washington beschlossen wird. Rohstoffe haben immer Abnehmer. Kupfer, Öl, Gas sind Grundlage der Weltwirtschaft. Wenn Europa wegfällt, kaufen China, Indien, Zentralasien — oft günstiger, aber in großen Mengen. Russland verliert etwas anMarge, nicht Markt. Strukturen lassen sich schnell anpassen. Sanktionen treffen Namen und Firmen. Die Wirtschaft antwortet mit neuen Namen und neuen Firmen. Fonds, Tochtergesellschaften, Standorte in Ländern außerhalb der Sanktionsregime — das Geflecht wird komplizierter, aber es reißt nicht. Die EU hat solche Konstruktionen bislang zu selten und zu spät erkannt. Der Staat springt ein, wo Märkte zögern. Staatliche Banken, Infrastrukturmittel, angepasste Steuerregeln — Russland hält strategische Projekte am Leben

 
Russische Wirtschaft klagt bei Putin über Internetsperren
Der russische Industriellenverband hat sich bei Präsident Wladimir Putin über die zunehmenden staatlich verhängten Sperren im Internet beschwert. „Die Einschränkungen des mobilen Internets macht der Wirtschaft wie den Bürgern das Leben schwer“, sagte Verbandschef Alexander Schochin bei der Jahrestagung der Organisation in Moskau im Beisein des Kreml-Chefs. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Man sei sich bewusst, dass das mit Fragen der Sicherheit zusammenhänge. „Doch wegen der hohen Verbreitung mobiler Technologien in unserem Alltag hoffen wir, dass eine systematische und ausgewogene Lösung gefunden wird, auch wenn wir wissen, dass dies keine leichte Aufgabe ist“, sagte Schochin. Putin ging nach Medienberichten in seiner Rede nicht auf die Kritik ein.

Unmut in der Bevölkerung
Wegen der Internetsperren gibt es in der russischen Bevölkerung erheblichen Unmut. Digitale Dienste wie bargeldloses Bezahlen, Überweisungen, Taxiruf oder Bestellungen funktionieren mobil nicht oder nur schwer. Für das Netzwerk Telegram wird eine vollständige Blockade erwartet. Proteste, die sich anbahnten, hat die Staatsmacht unterbunden. Offiziell werden die Sperren mit Sicherheitsbelangen begründet, um vor ukrainischen Angriffen mit Drohnen oder Raketen zu schützen.

 
Russlands stille Pleite – Warum immer mehr kleine Firmen einfach verschwinden
Russlands Wirtschaft lebt längst in zwei Welten. Während Rüstungsbetriebe weiterlaufen und große Staatskonzerne Milliarden bewegen, kämpfen kleine und mittlere Unternehmen inzwischen oft nur noch darum, den nächsten Monat zu überstehen. Für viele geht es nicht mehr um Wachstum, neue Kunden oder Investitionen. Es geht darum, irgendwie offen zu bleiben, Rechnungen bezahlen zu können und nicht endgültig aufzugeben. Unternehmer sprechen von einem Land, in dem fast alles teurer wird, Zahlungen ausbleiben, Kredite unbezahlbar geworden sind und gleichzeitig immer weniger Arbeitskräfte verfügbar sind. Die Stimmung ist düster. Viele sagen offen, dass jedes Jahr schlechter sei als das davor.

Besonders gefährlich wird für viele Firmen inzwischen das Problem der ausbleibenden Zahlungen. Offene Rechnungen in Billionenhöhe ziehen sich durch die gesamte Wirtschaft. Unternehmen warten auf Geld von Auftraggebern, Zulieferern oder staatlichen Stellen, während sie selbst weiter Löhne, Material und Steuern zahlen müssen. Gerade in Regionen nahe der ukrainischen Grenze zeigt sich die Lage besonders drastisch. Selbst Firmen, die beschädigte Häuser reparieren oder Fenster austauschen, berichten inzwischen davon, dass viele Aufträge zwar existieren, das Geld dafür aber oft nie ankommt. Unternehmer erzählen, dass staatliche Entschädigungen monatelang festhängen und kleine Betriebe daran zerbrechen.

Hinzu kommt der massive Mangel an Arbeitskräften. Hunderttausende Menschen haben Russland verlassen, andere wurden eingezogen oder arbeiten inzwischen direkt für den Krieg. Gleichzeitig fehlen Migranten, weil die Gesetze verschärft wurden. Besonders hart trifft das die Bauwirtschaft. Viele Firmen verlieren trotz steigender Löhne weiter ihre Mitarbeiter. Unternehmer zahlen teilweise drauf, nur um ihre Teams zusammenzuhalten. Trotzdem schließen immer mehr Betriebe oder reduzieren ihre Arbeit drastisch. In einigen Regionen sprechen Geschäftsleute bereits offen von einem wirtschaftlichen Zusammenbruch ganzer Branchen. Bauprojekte liegen still, Transporte gehen zurück und selbst der Immobilienmarkt verliert spürbar an Bewegung.

Auch die Kreditkosten drücken viele Firmen an die Wand. Wer heute Maschinen oder Fahrzeuge finanzieren muss, zahlt oft Zinssätze von 25 bis 30 Prozent. Für kleine landwirtschaftliche Betriebe ist das kaum noch tragbar. Viele Bauern geben inzwischen auf und verpachten ihre Flächen an große Agrarkonzerne. Gleichzeitig steigen Preise für Ersatzteile, Dünger, Treibstoff und Technik immer weiter. Unternehmer berichten, dass sie inzwischen sogar im Supermarkt jeden Preis vergleichen müssen, weil sich die Kosten innerhalb weniger Monate massiv verändert haben. Manche Mietverträge werden inzwischen nicht mehr an die offizielle Inflationsrate gekoppelt, sondern direkt an Preise bei „Pjatjorotschka“, einer bekannten russischen Supermarktkette. Eier, Milch oder Brot gelten vielen inzwischen als glaubwürdiger als die offiziellen Zahlen des Staates.

Dazu kommt der wachsende Druck durch neue Steuerregeln. Viele kleine Unternehmen versuchen inzwischen bewusst, unter bestimmten Umsatzgrenzen zu bleiben, um zusätzliche Steuern zu vermeiden. Unternehmer registrieren Firmen auf Familienmitglieder, teilen Betriebe künstlich auf oder arbeiten teilweise wieder außerhalb offizieller Strukturen. Viele sagen offen, dass der Staat mit seiner Politik genau das Gegenteil erreiche von dem, was er angeblich wolle. Statt höhere Einnahmen zu erzielen, verschwinde immer mehr Geschäft in der Schattenwirtschaft.

Eine der wenigen Branchen, die aktuell wachsen, ist die Informationstechnik. Dort verdienen Firmen inzwischen daran, die Probleme zu beheben, die staatliche Eingriffe selbst verursacht haben. Neue Sperren, Internetblockaden und Einschränkungen schaffen ständig neue Aufträge. Unternehmen entwickeln Ersatzprogramme für westliche Software, bauen neue Systeme für russische Firmen oder helfen Kunden dabei, Sperren zu umgehen. Besonders die Nachfrage nach virtuellen privaten Netzwerken hat stark zugenommen. Viele Unternehmer in der Branche sagen offen, dass inzwischen fast jede neue staatliche Einschränkung für irgendjemanden ein Geschäft geworden sei.

Gleichzeitig bleibt das Risiko vielerorts real und sichtbar. In Regionen wie Belgorod wird selbst gewöhnliche Arbeit gefährlich. Unternehmer berichten davon, dass sie staatliche Aufträge ablehnen, weil Baustellen jederzeit Ziel von Angriffen werden könnten. Manche sagen offen, sie wollten nicht verantwortlich sein, wenn von ihren Arbeitern am Ende „nur brennende Turnschuhe übrig bleiben“. Andere fürchten Ermittlungen, Korruption oder Probleme mit Sicherheitsbehörden, sobald staatliches Geld im Spiel ist.

Wer vom Krieg profitiert, darüber sprechen viele Unternehmer nur hinter vorgehaltener Hand. Genannt werden vor allem große Staatskonzerne, Banken und Firmen mit direkten Verbindungen zum Verteidigungsministerium. Kleine Betriebe dagegen fühlen sich zunehmend allein gelassen. Viele Unternehmer beschreiben ihre Arbeit inzwischen nicht mehr als Geschäft, sondern als täglichen Überlebenskampf in einer Wirtschaft, die immer stärker auf Krieg, Kontrolle und wenige große Machtzentren ausgerichtet wird.
 
Russland verkauft Aeroflot-Anteile – Milliardenverlust für den Staat zeichnet sich ab
Russland will einen Teil seiner Beteiligung an Aeroflot verkaufen. Nach Angaben der staatlichen Vermögensverwaltung sollen 23,76 Prozent der Aktien des Unternehmens auf den Markt gebracht werden. Grundlage dafür ist ein Regierungsbeschluss vom 28. April. Bereits jetzt läuft die Suche nach einer juristischen Stelle, die den Verkauf organisieren soll. Bewerbungen werden vom 22. Mai bis zum 8. Juni angenommen. Die Entscheidung fällt in eine Situation, in der sich die Zahlen deutlich von den Erwartungen früherer Jahre unterscheiden. Nach Berechnungen des Ökonomen Sergej Aleksaschenko könnte der russische Staat bei diesem Geschäft einen Verlust von etwa zwölf Milliarden Rubel hinnehmen müssen.

Der Hintergrund reicht zurück in das Jahr 2020. Damals kaufte das russische Finanzministerium über den Nationalen Wohlfahrtsfonds große Teile der Aeroflot-Aktien, um das Unternehmen während der Krise rund um Covid zu stabilisieren. Der Preis lag damals bei sechzig Rubel pro Aktie. Heute liegt der Marktwert nach Angaben Aleksaschenkos bei ungefähr 47 Rubel. Da mehr als 944 Millionen Aktien verkauft werden sollen, entsteht aus der Differenz eine erhebliche Lücke. Was damals als staatliche Stabilisierung gedacht war, entwickelt sich nun zu einem Geschäft mit Verlust.

Die letzte größere Platzierung von Aeroflot-Aktien fand im Oktober 2020 statt. Damals nahm das Unternehmen insgesamt 80,04 Milliarden Rubel ein. Der russische Staat übernahm den größten Teil davon und investierte rund 50 Milliarden Rubel. Bis heute hält Russland weiterhin die Kontrolle über den Konzern. Der Staatsanteil liegt aktuell bei 73,8 Prozent. Mit dem geplanten Verkauf würde dieser Anteil kleiner werden, der Staat bliebe jedoch weiterhin klar bestimmender Eigentümer.

 
Russlands Börse kracht: Da glaubt gerade keiner mehr ans Land
Seit dreieinhalb Monaten geht es an der russischen Börse bergab. Und zu Beginn dieser Woche brach sie so stark ein wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Der einst größte Konzern des Landes ist nun so billig wie zuletzt 2008. Was lässt die Investoren plötzlich massenweise flüchten?

Wenn die Börse ein Spiegel dessen ist, was sich in der Realwirtschaft tut beziehungsweise was auf sie zukommt, dann läuft es in Russland nicht nur derzeit schlecht. Es wird in nächster Zeit sogar noch ungemütlicher. Am Montag nämlich sackte der Leitindex IMOEX um zeitweise fast fünf Prozent ab und schloss letztlich um 4,23 Prozent tiefer. Das war der größte Kurseinbruch seit dem 26. September 2022 und ein Rückfall auf den Stand von März 2023, wie das Wirtschaftsportal RBC berichtete. Dabei war es schon vor dieser Woche dreieinhalb Monate lang bergab gegangen. Und am Dienstag Morgen setzte sich der Abverkauf fort, ehe die neuen Verluste wettgemacht wurden. Warum plötzlich so ein schwarzer Wochenbeginn? Und warum seit Monaten kein Lichtblick?

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Geheimdienstbericht warnt vor russischer Bankenkrise
Ein europäischer Geheimdienstbericht warnt vor einer drohenden Bankenkrise in Russland. „Die Lage erweckt den Anschein einer dynamischen Wirtschaft“, heißt es in dem der Nachrichtenagentur Reuters heute vorliegenden Bericht, der europäische Regierungsvertreter über den Zustand der russischen Banken informieren soll.

Verschleiert werde aber eine „explosive Situation“, die etwa durch einen wirtschaftlichen Schock wie ein umfassendes Sanktionspaket gegen die Banken ausgelöst werden könnte.

Die Warnung kommt zu einer Zeit, in der die EU ein 21. Sanktionspaket vorbereitet. Dieses soll sich einem Insider zufolge auch gegen Banken und Kryptowährungsnetzwerke richten und noch im Juli fertiggestellt werden.

Privatinsolvenzen gestiegen
Dem Bericht mit dem Titel „Vermerk über die Wahrscheinlichkeit einer Bankenkrise in Russland im Jahr 2026“ zufolge wurden die Banken gedrängt, subventionierte Kredite an Rüstungsunternehmen und Immobilienkäufer zu vergeben. Geschätzt wird, dass zehn Prozent der Unternehmenskredite ausfallsgefährdet sind.

 
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