Ich denke die USA bzw. Obama möchten möglichst wenig mit dem Konflikt zu tun haben. Dafür muss man aber betrachten, wie der Konflikt sich am Anfang entwickelt hat. Obama hat sich komplett rausgehalten, obwohl im eigenen Land starke Stimmen für eine Militärintervention waren. Obama hat dann als Kompromiss eine rote Linie deklariert, die nicht überschritten werden darf (Einsatz von ABC-Waffen), sonst wird er eingreifen. Die rote Linie wurde übertreten und Obama hat... überhaupt nichts gemacht. Stattdessen gab es einen Alibi-Deal von Putin.
Die "graue Eminenz" in dem Konflikt ist das in den Medien wenig beachtete iranische Regime. Die USA sitzen dort zwischen den Stühlen. Einerseits drängen die Saudis auf Intervention, andererseits scheuen die USA den Konflikt mit dem Iran, da man eine iranische Atombombe verhindern möchte. Wenn Assad vom Westen zu Fall gebracht worden wäre, hätte der Iran mit Sicherheit nuklear aufgerüstet. Deswegen machen die USA das, was sie ziemlich oft tun, und was sie als "kicking the can down the road" bezeichnen. D.h. man versucht irgendwie alle Seite zufriedenzustellen und den Konflikt einigermaßen kleinzuhalten. Einerseits steht man offiziell auf saudischer Seite, man versucht aber gleichzeitig den Iranern nicht auf den Schlips zu treten. Das ist aber voll in die Hose gegangen, weil es nun den IS gibt und sich Russland und v.a. Türkei auch noch eingeschaltet haben. Aus diesem Konflikt gibt es jetzt so schnell überhaupt keine Lösung mehr.
Damit zu tun haben schon, jedoch eher im Hintergrund als im Vordergrund.. Das könnte auch erklären, wieso es so ruhig in den Medien im Zusammenhang USA/Syrien gekommen ist.. Die letzten größeren Berichterstattungen im Bezug USA/Syrien an die ich mich jetzt auf die Schnelle erinnere sind, das gescheiterte Ausbildungsprogramm und das Eingreifen gegen den IS.. Und diese sind schon Monate her.. Während die USA in den Anfangsjahren des Bürgerkriegs im Vordergrund standen, ist sie langsam in den Hintergrund getreten und hat den Platz an andere regionale Mächte überlassen (vor allem Türkei,Iran,Saudi,Russland) .. Wenn man überlegt spiegelt sich das auch im Forum wieder, da es doch vor diesem "Russland startet Krieg gegen den IS" Thread nur im "USA planen Intervention in Syrien" Thread gepostet wurde.. Gleicher Switch wie oben erwähnt.. Jedoch muss man eines bedenken, der Einfluss der USA auf Syrien wurde deshalb nicht zwingend geringer !
Die einzige klare Linie die man bei den USA erkennen ist die im Bezug auf den Kurden.. Diese werden massiv von den USA unterstützt und werden auch in Zukunft weiterhin unterstützt, denn die sind im Gegensatz zu den Araber vorzugsweise nationalistisch als religiös gestimmt, ergo sie sind von außen schwer beeinflussbar.. Gibst du ihnen einen "Staat" geben sie dir das zurück was du willst und das wissen die Amis natürlich.. Bei allen anderen kann man erkennen, dass die USA Kursschwankungen wie auf der Börse mit denen hat (zB vorher angesprochene Ausbildungsprogramm, No-Fly Zone und der von dir angesprochene Iran-Deal zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt).. Die USA kann wenn es will, seine Verbündeten (Saudi,Türkei) zufriedenstellen wenn es will, primär durch den Sturz Assads, sekundär durch den Sturz Baghdadis (Was beides nicht passieren wird).. Es kann seine "Feinde" Iran/Assad/Russland zufriedenstellen, indem er die shiitische Präsenz in Syrien immer weiter zulässt und aufhörte sunnitische Kräfte zu unterstützen (vllt unter dem Vorwand der radikalisierung der Opposition).. Er kann seine Verbündeten im Westen zufriedenstellen, indem er auch ernsthaft an der Vernichtung des IS arbeitet.. Sie haben es sich halt im Laufe derzeit so gut zurechtgerückt wie nur möglich..
Das waren ein paar denkbare Konstellationen von zig anderen, aber vllt verstehst du was ich meine mit sie sind nicht dumm.. Und mit deinem letzten Satz hast du Recht.. Dieser Konflikt wird uns noch lange beschäftigen..