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Sammelthread: Israel/Nahost-Konflikt

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Netanjahu zerlegt Trumps Gaza-Plan, Iran hält Hormus geschlossen – und der Nahe Osten entfernt sich wieder vom Frieden
Donald Trump hatte seinen Gaza-Plan als möglichen Weg aus dem Krieg verkündet, doch ausgerechnet Benjamin Netanjahu weist nun einen entscheidenden Teil davon offen zurück. Israel lehne das 15-Punkte-Dokument ab, erklärte der Ministerpräsident am Sonntag vor seinem Kabinett, die israelische Armee werde sich nicht zurückziehen, solange Hamas nicht tatsächlich entwaffnet sei. Trump hatte eine andere Reihenfolge angekündigt: Während Hamas die Waffen abgibt, sollte Israel seine Angriffe einstellen und mit dem Rückzug aus den rund 60 Prozent des Gazastreifens beginnen, die seine Truppen derzeit kontrollieren. Genau daraus wird nun nichts, jedenfalls nicht nach Netanjahus Bedingungen. Israel kontrolliert damit weiterhin mehr als die Hälfte eines weitgehend zerstörten Gebietes, in dem rund 2 Millionen Palästinenser leben.

Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht auf die offene Zurückweisung. Hamas hält dagegen an dem vereinbarten Fahrplan fest. Bassem Naim aus dem Politbüro erklärte, man erwarte von den Vermittlern und den USA, Druck auf Netanjahu auszuüben. Der Waffenstillstand hält noch, aber Trump hat jetzt das Problem, dass sein eigener Plan nicht an Hamas, sondern zunächst an Israel hängt. Netanjahu steht gleichzeitig innenpolitisch unter Druck, am 27. Oktober wird gewählt. Fast zeitgleich wird auch die Hoffnung auf eine schnelle Öffnung der Straße von Hormus kleiner. Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte zwar, die Gespräche mit Oman über neue Schifffahrtswege befänden sich in der letzten Phase, fügte aber sofort hinzu, dass dies keineswegs die Wiederöffnung der Meerenge bedeute. Dafür habe Iran weitere Bedingungen über Vermittler übermittelt. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat verlangt von Washington inzwischen einen dauerhaften Verzicht auf weitere Drohungen und Krieg gegen Iran und dessen bewaffnete Verbündete, das Ende der Seeblockade iranischer Häfen und den Abzug amerikanischer Streitkräfte aus der Region. Hinzu kommen vollständiger Ersatz der Kriegsschäden, die Aufhebung der Sanktionen und die bedingungslose Freigabe eingefrorener iranischer Vermögen.

Trump erklärte am Sonntag lediglich, man verhandle mit Iran „nur halb“ und lasse ansonsten den wirtschaftlichen Druck wirken. Teheran widerspricht selbst dieser Beschreibung. Zwischen beiden Staaten würden über Vermittler zwar Nachrichten ausgetauscht, sagte Araghtschi, Verhandlungen seien das jedoch nicht. Diese könnten erst wieder aufgenommen werden, wenn die USA ihre Verstöße gegen das Übergangsabkommen beendet und die verletzten Bestimmungen erfüllt hätten. Während Washington und Teheran also darüber streiten, ob sie überhaupt miteinander verhandeln, nimmt ein eigener Plan zwischen Iran und Oman Gestalt an. Danach sollen Schiffe nahe der iranischen Seite in die Meerenge einfahren und sie auf der omanischen Seite wieder verlassen können. Gebühren oder Maut sollen während dieser Übergangsphase nicht verlangt werden. Die Staaten des Golf-Kooperationsrats unterstützen die Vereinbarung, die nach bisherigem Stand gemeinsam von Iran, Oman, den USA und der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen bekannt gegeben werden soll.

Doch auch hier baut Teheran bereits eine politische Schranke ein. Schiffe aus Staaten, die Iran als „feindlich“ betrachtet, sollen die Meerenge nicht passieren dürfen. Der Nationale Sicherheitsausschuss des iranischen Parlaments billigte die allgemeinen Grundzüge, und aus dem Parlament hieß es, Länder, die Iran Schaden zugefügt hätten, dürften erst wieder passieren, wenn sie dafür Entschädigung geleistet hätten. Welche Staaten darunter fallen sollen, blieb offen. Gleichzeitig wechselt Iran mitten in dieser Auseinandersetzung erneut den Mann an der Spitze seines Obersten Nationalen Sicherheitsrats. Der frühere Kommandeur der Revolutionsgarden Mohsen Rezaei übernimmt von Mohammad Bagher Zolghadr, der das Amt erst nach dem Tod Ali Larijanis bei einem israelischen Angriff im März übernommen hatte und nun politischer Berater von Ajatollah Mojtaba Khamenei wird. Und während über Gaza und Hormus geredet wird, wird im Jemen wieder geschossen. Die vom Iran unterstützten Huthi griffen einen wichtigen Hafen der Regierung am Roten Meer und eine Ölanlage in Saudi-Arabien an und erklärten, damit auf saudische Drohnen im jemenitischen Luftraum zu reagieren. Die Gefahr reicht damit wieder unmittelbar an jene Schifffahrtswege heran, deren Sicherheit seit Monaten erschüttert ist. Trump wollte in Gaza einen Durchbruch, doch Netanjahu verweigert den vorgesehenen Rückzug. Washington will Hormus wieder offen sehen, doch Iran verlangt erst politische und finanzielle Zugeständnisse und will selbst danach nicht jedes Schiff passieren lassen. Von Gaza über Hormus bis zum Jemen wird an diesem Sonntag deshalb vor allem eines sichtbar: Es gibt Abkommen, Pläne und Vermittler, aber diejenigen mit den Waffen bestimmen weiterhin, welche Teile davon tatsächlich gelten.

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Netanjahus Politik des radikalen Nein schadet auch Israel
Der israelische Premier fährt einen Kurs der radikalen Verweigerung, von dem am Ende auch die Hamas profitieren kann

Politik ist kompliziert. Manchmal aber lässt sie sich mit einem Wort zusammenfassen. Im Falle des israelischen Premiers lautet das Wort: Nein. Benjamin Netanjahu fährt einen Kurs der radikalen Verweigerung – zulasten der Region, aber auch der Zukunft des Staates Israel selbst.

Aktuelles Beispiel: Netanjahu sagt, er will den Gaza-Fahrplan von US-Präsident Donald Trump "nicht akzeptieren". Nun ist dieser Plan ohnehin so vage, dass selbst ein Ja Israel zu nichts verpflichtet hätte. Der Premier hätte zumindest diplomatisch guten Willen zeigen können. Doch selbst diese Geste war ihm zu konstruktiv.

Nichts gelernt
Die Menschen in Gaza leben indes weiter unter Umständen, die zum Himmel schreien. Schon vor dem Krieg terrorisierte die Hamas sie, Israels Blockade hielt die Menschen gefangen. Nach dem verheerenden Krieg leben die zwei Millionen Palästinenser auf weniger als vierzig Prozent der Fläche gedrängt – ohne Häuser, ohne Jobs, ohne Schulen, ohne Aussicht auf Zukunft. Und weiter unter der Faust der Hamas.

 
Netanjahus Politik des radikalen Nein schadet auch Israel
Der israelische Premier fährt einen Kurs der radikalen Verweigerung, von dem am Ende auch die Hamas profitieren kann

Politik ist kompliziert. Manchmal aber lässt sie sich mit einem Wort zusammenfassen. Im Falle des israelischen Premiers lautet das Wort: Nein. Benjamin Netanjahu fährt einen Kurs der radikalen Verweigerung – zulasten der Region, aber auch der Zukunft des Staates Israel selbst.

Aktuelles Beispiel: Netanjahu sagt, er will den Gaza-Fahrplan von US-Präsident Donald Trump "nicht akzeptieren". Nun ist dieser Plan ohnehin so vage, dass selbst ein Ja Israel zu nichts verpflichtet hätte. Der Premier hätte zumindest diplomatisch guten Willen zeigen können. Doch selbst diese Geste war ihm zu konstruktiv.

Nichts gelernt
Die Menschen in Gaza leben indes weiter unter Umständen, die zum Himmel schreien. Schon vor dem Krieg terrorisierte die Hamas sie, Israels Blockade hielt die Menschen gefangen. Nach dem verheerenden Krieg leben die zwei Millionen Palästinenser auf weniger als vierzig Prozent der Fläche gedrängt – ohne Häuser, ohne Jobs, ohne Schulen, ohne Aussicht auf Zukunft. Und weiter unter der Faust der Hamas.

Solange die USA noch können werden sie Israel unterstützen
 
Libanon schafft als erstes Land im Nahen Osten Todesstrafe ab
Als erstes Land im Nahen Osten hat der Libanon die Todesstrafe abgeschafft. Ein entsprechender Gesetzesentwurf sei nach Ergänzungen vom Parlament verabschiedet worden, teilte das Büro des Parlamentspräsidenten heute in Beirut mit.

Auch Verbrechen, die vor der Entscheidung verübt wurden, können künftig mit lebenslanger Haft geahndet werden. Bereits seit 2004 war die Todesstrafe im Libanon nicht mehr vollstreckt worden.

Justizminister Adel Nassar sprach von einer „historischen“ Entscheidung. Bisher habe die im Libanon drohende Todesstrafe die Auslieferung von Verdächtigen aus Ländern verhindert, in denen Hinrichtungen verboten seien.

 
Israels Armee zerstörte Haus im besetzten Westjordanland
Knapp drei Wochen nach einer tödlichen Konfrontation im Westjordanland hat die israelische Armee gestern das Haus eines daran beteiligten Palästinensers demoliert. Videoaufnahmen zeigten, wie das dreistöckige Gebäude in dem Dorf Tell in der Nähe von Nablus durch Sprengung zum Einsturz gebracht wurde. Das Militär äußerte sich bisher nicht.

Der Besitzer des Hauses wurde im vergangenen Monat bei Konfrontationen mit israelischen Siedlern und Soldaten getötet. Nach Darstellung der israelischen Armee hatte er die Waffe einer Sicherheitskraft entwendet und das Feuer auf Israelis eröffnet.

Ein Offizier und ein Mitglied der Zivilverteidigung seien getötet worden. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden bei dem Vorfall insgesamt vier Palästinenser durch Schüsse israelischer Soldaten getötet.

 
Militäreinsatz: Siedler bedrängen tagelang Palästinenser
Israels Streitkräfte gehen eigenen Angaben zufolge gegen radikale israelische Siedler im Westjordanland vor, die seit Tagen die palästinensischen Bewohnerinnen und Bewohner eines abgelegenen Hauses bedrängt haben sollen. Berichten zufolge blockierten die Siedler die Zugänge zu dem Haus in dem Dorf Kusra etwa mit großen Steinen, die Palästinenser waren dort eingeschlossen.

Israelische Medien berichteten von Zusammenstößen zwischen Siedlern und Sicherheitskräften. Das israelische Militär teilte mit, die Grenzpolizei habe ein Zelt der Siedler in der Nähe des Hauses geräumt und bemühe sich darum, die Siedler aus dem Gebiet abzudrängen. Die betroffenen Palästinenser sagten laut Berichten, sie wollten ihr Haus nicht verlassen.

Israelischen Medien zufolge kamen kürzlich mehrere israelische Soldaten zu dem Außenposten der Siedler in Kusra. Allerdings beteten sie mit den Siedlern und ließen sie sonst gewähren. Israels Streitkräfte kündigten disziplinarische Maßnahmen gegen diese Soldaten an.

 
Waldbrände, Bagger und Chemikalien: Wie Israel ganze Landstriche im Südlibanon unbewohnbar macht
Bewohner und die Feuerwehr werfen Israel vor, unter anderem jahrhundertealte Olivenhaine und Anbaufelder in Brand zu setzen

Seit Ende Juni herrscht im Libanon eine wackelige Waffenruhe, dennoch brennt das Land lichterloh: im übertragenen Sinn, aber auch im wortwörtlichen. "Jeden Tag höre ich ein lautes Donnern", sagt Marc Achkar*. Als der STANDARD ihn erreicht, befindet er sich gerade bei Verwandten im Südosten des Landes nahe der syrischen Grenze. Das Dorf ist nur rund 15 Kilometer Luftlinie von der israelischen Besatzungszone, die sich ganz im Süden über rund 600 Quadratkilometer erstreckt, entfernt. "Die israelische Armee jagt Tag für Tag ein Haus nach dem anderen in die Luft", sagt Achkar über die in regelmäßigen Abständen ertönenden Explosionen.

Etliche der 62 libanesischen Dörfer im besetzten Gebiet sind in den vergangenen Monaten dem Erdboden gleichgemacht worden, wie jüngst die Financial Times berichtet. Nach den US-israelischen Angriffen auf den Iran Ende Februar waren die Kämpfe zwischen der proiranischen Hisbollah und Israel wiederaufgeflammt. Doch mit der großflächigen Zerstörung ging es erst nach den diversen Waffenruhen so richtig los – als israelische Soldaten damit begannen, systematisch die Dörfer im besetzten Gebiet mit Luftangriffen, kontrollierten Sprengungen, Baggern und Bulldozern in Schutt und Asche zu legen. Auch der STANDARD hat berichtet.

 
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