Hunderte künstliche Trump-Profile fluten soziale Netzwerke vor den Midterms
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Kurz vor den Zwischenwahlen tauchen in sozialen Netzwerken massenhaft Profile auf, die auf den ersten Blick wie ganz normale Nutzer wirken — ein Lächeln, ein Blick, eine Stimme, die klingt, als würde sie nur zu dir sprechen. Tatsächlich aber sind diese Figuren vollständig künstlich erzeugt und verbreiten in hoher Frequenz Inhalte, die sich gezielt an konservative Wähler richten. Sie sind jung, auffällig attraktiv, schauen direkt in die Kamera, als würden sie dich durch den Bildschirm hindurch kennen, und wiederholen einfache Botschaften über Amerika, Religion und Donald Trump. Begleitet von identischen oder leicht fehlerhaften Bildunterschriften, die sich über Dutzende Accounts hinweg gleichen — als hätte jemand denselben Brief hundertmal abgeschickt und vergessen, den Namen zu ändern.
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Wer sich durch diese Videos klickt, der zieht an einem Faden und merkt, dass das ganze Gewebe daran hängt. Das System setzt nicht auf einzelne Beiträge, sondern auf Masse, Wiederholung und ständige Präsenz in den Feeds der Nutzer. Über dreihundert solcher Profile lassen sich nachverfolgen. Einige verschwinden wieder, lautlos, als hätte jemand eine Kerze ausgepustet. Andere wachsen schnell auf zehntausende Follower an, einzelne Videos erreichen hunderttausende Aufrufe — ohne dass irgendwo erkennbar wäre, dass hinter dem Gesicht auf dem Bildschirm kein Herz schlägt.
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Auffällig ist die Gleichförmigkeit, die sich unter der Oberfläche bewegt wie eine Strömung unter ruhigem Wasser. Dieselben Gesichter tauchen in leicht veränderter Form immer wieder auf, dieselben Sätze werden gesprochen, dieselben Hintergründe genutzt – von Rennstrecken bis zu Sportarenen, als würde eine einzige Hand immer wieder dieselbe Puppe umziehen und auf eine neue Bühne stellen. Manche Profile verändern ihr Aussehen im Laufe weniger Wochen, passen Haarfarbe oder Gesichtszüge an und wirken plötzlich wie eine andere Person, obwohl die Stimme und die Botschaften gleich bleiben. Das Kleid wechselt. Der Text bleibt.
Unklar ist, wer hinter dieser Welle steht. Denkbar sind kommerzielle Anbieter, die solche Profile in großer Zahl produzieren, ebenso wie politische Akteure oder externe Gruppen, die gezielt Einfluss nehmen wollen. Sicher ist nur, dass die technischen Hürden so weit gesunken sind, dass man heute mit ein paar Dollar und einem Nachmittag eine Person erschaffen kann, die es nie gegeben hat — und die trotzdem morgen von tausenden Menschen gehört wird. Ein Teil der Profile zielt weniger auf politische Aussagen als auf Reichweite und mischt Unterhaltung, Produkte und persönliche Ansprache, während andere klar darauf ausgerichtet sind, Meinungen zu bewegen. Die Grenze verschwimmt, weil beides ineinandergreift und die politische Botschaft zwischen scheinbar harmlosen Inhalten aufblitzt – wie ein Messer, das jemand zwischen Blumen versteckt hat. Die Plattformen reagieren unterschiedlich. Einige sprechen von gewöhnlichem Spam und entfernen Accounts, andere verweisen auf Richtlinien, die eine Kennzeichnung verlangen, die jedoch oft umgangen wird – ein Zaun, in dem mehr Löcher sind als Latten. Gleichzeitig zeigt ein Blick in die Kommentarspalten, dass viele Nutzer die Profile für echt halten und direkt auf die Ansprache reagieren. Sie schreiben zurück. Sie vertrauen. Sie folgen jemandem, den es nicht gibt.
Damit entsteht eine Umgebung, in der sich künstlich erzeugte Stimmen unauffällig unter echte mischen und den Eindruck verstärken können, dass bestimmte Positionen weiter verbreitet sind, als sie es tatsächlich sind. Ohne dass klar erkennbar wäre, wo die Grenze zwischen realer Zustimmung und digital erzeugter Verstärkung verläuft. Der Chor wird lauter. Aber die Hälfte der Stimmen darin hat keinen Mund.