Washington will Tanker und Öl künftig schneller kassieren – mit einem Rechtsinstrument aus dem 19. Jahrhundert
Die US-Regierung arbeitet an der Wiederbelebung sogenannter Prisengerichte, einem Rechtsinstrument aus dem Zeitalter der Segelschiffe, um beschlagnahmte Tanker und ihre Ladung schneller in amerikanisches Eigentum zu überführen. Im Gespräch ist zunächst ein Gericht im texanischen Houston, weil der dortige Hafen als naheliegender Zielort für festgesetzte Schiffe gilt. Bundesstaatsanwälte könnten dann Öl und andere Ladungen als sogenannte Prise behandeln, verkaufen lassen und die Einnahmen dem Staat zuführen. Der Gedanke stammt aus einer Zeit, in der gegnerische Schiffe samt Ladung nach einem Sieg als Beute galten. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte dieses Verfahren in den USA praktisch keine Rolle mehr, stattdessen griff Washington auf die zivile Vermögensabschöpfung zurück.
Genau die dauert der Regierung inzwischen offenbar zu lange. Fälle können sich über Monate hinziehen, weil Reedereien, Eigentümer und andere Beteiligte gegen die Beschlagnahmung vorgehen. Ein Beispiel ist der Tanker Skipper mit venezolanischem Öl, den die USA Ende vergangenen Jahres festsetzten. Washington verlangte Schiff und rund 1,8 Millionen Barrel Rohöl, doch mehrere Drittparteien schalteten sich ein und verzögerten das Verfahren. Die neue alte Idee soll diese Hürden verkürzen und zugleich Geld aus beschlagnahmten Ladungen schneller in den Haushalt bringen. Befürworter verkaufen das als Möglichkeit, Kosten des Krieges teilweise auszugleichen.
Juristisch dürfte das allerdings alles andere als geräuschlos laufen, denn schon die Frage, wann ein modernes Handelsschiff überhaupt wie eine Kriegsbeute behandelt werden darf, wird zwangsläufig vor Gerichten landen. Dass Washington diesen Weg überhaupt prüft, passt zu einer Politik, bei der Tanker und Ölladungen längst selbst Teil der Auseinandersetzung mit Staaten wie Iran und Venezuela geworden sind. Donald Trump hatte diesen Kurs im Mai ungewöhnlich offen beschrieben. Die US-Marine habe ein Schiff, die Ladung und das Öl genommen, sagte er, das sei ein sehr profitables Geschäft. Dann fügte er hinzu: „Wir sind wie Piraten. Wir sind irgendwie Piraten, aber wir spielen keine Spielchen.“ Jetzt prüft seine Regierung offenbar, ob sich genau dieses Prinzip mit einem Rechtsinstrument aus dem 19. Jahrhundert noch leichter organisieren lässt.