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Türkei: Du Armenier! | ZEIT ONLINE
Dass so viele Türken den Genozid heute noch leugnen, ist nur eines der vielen Symptome einer gestörten Selbstwahrnehmung, die sich aus festen Feindbildern, einer heroischen Ahnenverehrung und Verschwörungstheorien zusammensetzt. Demnach hat die von ewigen Feinden umzingelte Türkei samt ihren Vorgängerstaaten die weißeste Weste, die ein Volk auf Gottes Erde nur haben kann.
Zwar kritisiert die Mehrheit der Türken zu Recht die Kreuzzüge, doch die vorangegangenen Attacken auf Byzanz und die Verhinderung der christlichen Pilgerfahrten durch die Seldschuk-Türken werden nicht erwähnt. Die osmanischen Expansionskriege gelten als heldenhafte Eroberungen, aber nationale Befreiungskriege gegen das Osmanische Reich als Verrat und Verbrechen. Geleugnet oder gerechtfertigt werden auch die brutalen Niederschlagungen vieler Aufstände während der osmanisch-türkischen Geschichte, die teilweise ethnischen Säuberungen gleichkamen.
Der Eintritt in den Ersten Weltkrieg an der Seite Deutschlands wird nicht hinterfragt, die anschließende Besetzung durch die Siegermächte aber als grundlose Aggression imperialistischer Mächte aufgefasst. Immer sind "wir" die unschuldigen Opfer. Stets sind die "anderen" die blutrünstigen Täter, die es auf uns abgesehen haben.