So verständlich der Wunsch eines jeden Menschen nach einer Verbesserung der Lebenssituation ist, muss jeder akzeptieren, dass Veränderungen immer nur bis zu einem bestimmten Grad möglich sind. Der Vergleich mit einem Bogen ist durchaus angebracht. Ein Bogen hat die meiste Kraft, unmittelbar bevor er bricht. Der Übergang dazu ist sehr schmal. Nach meiner Beobachtung war die grundsätzlich positive Stimmung in Österreich vor 2-3 Wochen kurz vor dem kippen. Zu viele negative Ereignisse in zu kurzer Zeit haben den Bogen (um beim Bild zu bleiben) extrem gespannt. Eine zweite "Kölner Silvesternacht", womöglich in Salzburg, und die Asylunterkünfte wären wohl reihenweise in Flammen aufgegangen. Das Handeln der Österreichischen Politik hat uns international natürlich viel Kritik eingebracht. Man übersieht dabei aber, dass ein völliges Kippen der Stimmung bis hin zu Gewalt und Übergriffen von allen Seiten, einen irreparablen Schaden in Europa angerichtet hätte.
Machen wir uns nichts vor: Niemand in Europa will die Flüchtlinge haben. Wer etwas anderes behauptet lügt sich im besten Fall selbst in den Sack oder hat seinerseits wirtschaftliche Gründe. Es gibt allerdings immer wieder Situationen oder Dinge im Leben, die man nicht will, aber trotzdem nicht verhindern kann. Es bleibt einem also gar nichts anderes übrig, als diese Situationen zu bewältigen. Ich kann es mit Frust und abneigung versuchen, oder aber mit Energie, Mut - und auch mit ein wenig Gelassenheit.