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Erdogan hat den Intellektuellen den Kampf erklärt[/h]Üzümcü fühlt sich durch das knappe Ergebnis beim Referendum bestätigt. "Erdogan ist verwundbar", sagt er.
Üzümcü setzt nun auf den Widerstand der Zivilgesellschaft. Die Menschen sehnten sich nach einer Kraft, die die Gesellschaft eint, glaubt er.
Erdogan hat der geistigen Elite des Landes den Krieg erklärt. "Ihr, die sogenannten Intellektuellen, ihr seid die Dunkelheit selbst", sagte er in einer Rede.
Mehr als 8000 Professoren und Hochschulangestellte haben seit dem Putschversuch ihren Job verloren.
Einer, der noch da ist, ist Murat Belge, Professor für Literatur, 1943 geboren, seit Jahrzehnten prägt er das geistige Leben in der Türkei.
Er hat den Verlag Iletiim Yaynlar mitgegründet, der auch die Werke von Nobelpreisträger Orhan Pamuk herausgibt.
Belge blickt durch das Fenster seines Büros auf den Campus der Bilgi-Universität in Istanbul, schüttelt den Kopf und sagt: "Der Fall Erdogan erinnert mich an die Tragödien von Shakespeare."
Wie viele liberale Intellektuelle hat Belge den Sieg von Erdogans AKP bei der Parlamentswahl 2002 zunächst begrüßt.
Er hoffte, dass Erdogan mit der jahrzehntelangen Kontrolle durch das Militär brechen und das Land demokratisieren würde.
Von 2013 an hatte Belge die Regierung in der Kurdenpolitik beraten, doch nach dem brutalen Vorgehen der Polizei gegen die Gezi-Demonstranten wandte er sich von der AKP ab.
Erdogan habe die Menschen einst durch das Versprechen auf Freiheit und Demokratie begeistert, sagt Belge. Inzwischen regiere er durch Angst.
Die Repressionen hätten dazu geführt, dass Kollegen sich selbst zensierten oder die Türkei verließen. Doch sie hätten auch eine Gegenbewegung entstehen lassen.
An vielen Hochschulen solidarisierten sich die Studenten mit ihren entlassenen Professoren, besetzten Hörsäle, hielten öffentliche Seminare ab.
Seit die AKP regiert, hat sich die Zahl der Universitäten fast verdoppelt - diese Studenten sind es nun, die sich gegen Erdogans diktatorische Bestrebungen wehren. 58 Prozent der Erstwähler stimmten laut einer Umfrage mit Nein - und zwei Drittel der Hochschulabsolventen.
Auch die Schriftstellerin Oya Baydar glaubt, dass sich gerade etwas tut im Land. "Wir erleben die Spätphase der Regierung Erdogan", sagt sie. "Aber niemand weiß, wie lange diese Phase dauern wird."
Baydar ist 76 Jahre alt und gilt als eine der wichtigsten Schriftstellerinnen der Türkei. Ihre Bücher werden nicht nur von der säkularen Istanbuler Elite gelesen, sondern ebenso von konservativen Frauen aus Anatolien.
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"Schlimmer als in den Achtziger- und Neunzigerjahren"[/h]Als junge Frau hat Baydar die sozialistische Arbeiterpartei mitgegründet. 1980 flüchtete sie vor dem Militärregime nach Deutschland, erst Jahre später kehrte sie zurück.
Sie hat Regierungen kommen und gehen sehen, nur die Gewalt, sagt sie, sei konstant geblieben: Autoritarismus und Chauvinismus prägten die politische Kultur seit der Gründung des Staats durch den Soldaten Mustafa Kemal Atatürk.
Heute seien die Zustände schlimmer als in den Achtziger- und Neunzigerjahren: "Bei den Generälen wussten wir zumindest, woran wir sind. Erdogan herrscht dagegen völlig willkürlich."
Ende Oktober wurde ihr Ehemann Aydn Engin festgenommen, langjähriger Kolumnist der Erdogan-kritischen Tageszeitung "Cumhuriyet".
Er kam rasch wieder frei, aus Altersgründen, doch insgesamt sitzen rund 120 Journalisten im Gefängnis.
Die Demokratie, davon ist Baydar überzeugt, lasse sich nicht dauerhaft unterdrücken. Unter Erdogan sei eine Mittelschicht entstanden, konservativ zwar, aber doch mehr interessiert an westlichen Fernsehserien als an religiösem Fanatismus.
Sie reise nach Europa oder in die USA, sie wisse die Freiheit dort zu schätzen. Und sie nutze die sozialen Medien.
Die Generation Erdogan, sagt Baydar, habe kein Interesse, in einem Land zu leben, das von der Außenwelt abgekoppelt sei und dessen Wirtschaft stagniere.
Sie werde deshalb früher oder später gegen den türkischen Patriarchen aufbegehren.