Warum der Widerspruch fehlt – und warum wir ihn trotzdem leisten
Wer heute X öffnet, landet nicht zufällig dort, wo er landet. Die Startseite wirkt wie eine Dauerbeschallung aus rechten Behauptungen, zugespitzten Falschdarstellungen und immer gleichen Erzählmustern. Minneapolis wird zur angeblich verlorenen Stadt erklärt, Demonstrierende zu angeblichen Ordnungsmächten umgedeutet, staatliche Gewalt sprachlich umgedreht. Auffällig ist nicht nur die Masse dieser Inhalte, sondern die Leere daneben. Kaum Widerspruch, kaum Einordnung, kaum sichtbare Gegenrede. Das wirft eine einfache, unbequeme Frage auf: Wenn so viele von Demokratie sprechen, warum handeln so wenige, wenn sie angegriffen wird.
Rechter Müll ohne Ende, kaum konfrontiert, hingenommen, kaum Gegenwehr – auch deutsche Politiker sollten sich hinterfragen, ob ihre Faulheit oder ihr bewusstes Wegschauen nicht fatale Folgen haben wird
Ein Teil der Antwort liegt natürlich auch in der Funktionsweise der Plattform selbst. X belohnt Zuspitzung, Wiederholung und Empörung. Wer sachlich widerspricht, verschwindet. Wer Belege bringt, erreicht weniger Menschen als jene, die Angstbilder streuen. Das erzeugt eine stille Resignation. Viele sehen den Unsinn, scrollen weiter und denken, es lohne sich nicht. Genau darauf baut diese Form der Propaganda. Hinzu kommt eine gesellschaftliche Verschiebung. Widerspruch gilt heute schnell als anstrengend, als konflikthaft, als etwas, das man lieber vermeidet. Man will Haltung zeigen, aber bitte ohne Konfrontation. Demokratie wird so zu einer Haltung im Profiltext, nicht zu einer Praxis. Das Ergebnis ist eine paradoxe Ruhe: Alle sind empört, aber fast niemand spricht.
Wer heute X öffnet, landet nicht zufällig dort, wo er landet. Die Startseite wirkt wie eine Dauerbeschallung aus rechten Behauptungen, zugespitzten Falschdarstellungen und immer gleichen Erzählmustern. Minneapolis wird zur angeblich verlorenen Stadt erklärt, Demonstrierende zu angeblichen...
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