Ist Trump der beste Freund von Israel und den Juden – oder doch Antisemit?
Das Bündnis mit Netanjahu prägt die US-Politik und sorgt für immer mehr Widerstand – auch unter Verbündeten des Präsidenten mit antijüdischer Tradition
In seinem wöchentlichen Newsletter "Trumps Welt" schreibt Eric Frey, Leitender Redakteur, dieses Mal über das komplizierte Verhältnis des US-Präsidenten zur jüdischen Community und zu Israel.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu feiert Donald Trump regelmäßig als "den größten Freund, den Israel je im Weißen Haus" hatte. Und der US-Präsident bietet sich auch den rund 7,5 Millionen US-amerikanischen Juden als mutiger Verteidiger, ja manchmal sogar als Erlöser an. Der Kampf gegen Antisemitismus ist zu einem Leitmotiv seiner zweiten Amtszeit geworden, vor allem nimmt er die großen Elite-Universitäten wie Harvard und Columbia ins Visier.
Seltsam nur, dass die große Mehrheit der jüdischen Wählerschaft weiterhin für demokratische Kandidaten und gegen Trump stimmt, dass unter den vielen jüdischen Intellektuellen und Kommentatoren Trump als Inkarnation des Bösen gilt. Sein Kampf mit Harvard, gegen das die Trump-Regierung nun offiziell Klage einreichte, weil es nach dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 angeblich zu wenig zum Schutz jüdischer Studentinnen und Studenten getan haben soll, richtet sich pikanterweise auch gegen deren jüdischen Präsidenten Alan Garber sowie gegen unzählige jüdische Fakultätsmitglieder, deren Forschung nun die Fördergelder entzogen wurde.
Am rechten Rand seiner eigenen republikanischen Partei laufen unzählige Aktivisten herum, die ihre weiß-rassistische Ideologie auch gegen Jüdinnen und Juden richten. Nach einer rassistischen Demonstration in Charlotteville (Virginia) im Mai 2017, bei der Slogans wie "Die Juden werden uns nicht ersetzen" gerufen wurde, erklärte Trump, es gebe "sehr feine Menschen auf beiden Seiten."
Antisemiten im Weißen Haus
Den rechtsradikalen Aktivisten Nick Fuentes und den Rapper Kanye West, beide für antisemitische Ausfälle bekannt, lud Trump zum Dinner ins Weiße Haus und auch sonst zeigte er keinerlei Berührungsängste mit Hitler-Apologeten und offenen Judenhassern.
Den US-Präsidenten als Antisemiten zu bezeichnen, ist dennoch falsch. Sein Schwiegersohn Jared Kushner stammt aus einer jüdischen Familie, seine Tochter Ivanka trat zum Judentum über und erzieht die gemeinsamen Kinder im jüdischen Glauben. Trump hat nie ein Problem damit angedeutet. Er wuchs im New Yorker Stadtteil Queens unter unzähligen Juden auf, hatte jüdische Geschäftspartner, Freunde und Kontrahenten. Er beurteilt Juden genauso wie alle anderen nur nach einem einzigen Kriterium: Sind sie für mich oder gegen mich?
Das Bündnis mit Netanjahu prägt die US-Politik und sorgt für immer mehr Widerstand – auch unter Verbündeten des Präsidenten mit antijüdischer Tradition
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